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Digital Whatsapp-Ostergrüße: Wer steckt hinter dem Hasen mit der Piepsstimme?
Nachrichten Digital Whatsapp-Ostergrüße: Wer steckt hinter dem Hasen mit der Piepsstimme?
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14:49 17.04.2019
Mit der App „Zoobe“ ließen sich animierte Grüße verschicken, drei Millionen Mal wurde sie, vor ihrer Pleite, heruntergeladen. Quelle: Zoobe
Hannover

Noch bleiben dem Osterhasen einige Tage, ehe er mit dem Verstecken seiner Eier beginnen muss. Trotzdem ist er schon jetzt höchst aktiv. Von Whatsapp-Account zu Whatsapp-Account huscht er – als 3-D-Animation mit knutschkugelrunden Augen –, um den Einwohnern der Republik seine Grüße zu übermitteln. Mit einer Stimme, als inhaliere der Hase bereits zum Frühstück eine Flasche Helium, trällert er seine bedingungslos liebevollen Osterbotschaften. Fast jeder kennt das animierte Tierchen, denn fast jeder hat einen Verwandten, Bekannten, Freund oder Kollegen, der es verschickt. Wer aber hat es in die Welt gesetzt? Einen Hinweis darauf liefert ein kleiner, weißer Schriftzug oben rechts in jedem Video.

Zoobes Erbe

Zoobe steht dort. Zoobe war eine App, die ihrer Zeit voraus war. Gegründet 2008, als Smartphones noch nicht der Normalfall und Internetflatrates unbezahlbar waren. Wer sie nutzte, konnte eine Nachricht in sein Handy sprechen, und die App spuckte kurz darauf ein Filmchen aus, in dem eine animierte 3-D-Figur die eigenen Worte mit Quietschestimme aufsagte, die Mundbewegungen passend zur Nachricht. Fast 100 Figuren stellte Zoobe zur Auswahl. Der Osterhase, der auf Whatsapp seit einigen Tagen wieder seine Kreise zieht, ist nur eine davon. Ebenfalls Teil der Auswahl waren animierte Politiker wie Angela Merkel und Donald Trump oder Kinohelden wie Bär Paddington. Die App war beliebt, vor allem bei Frauen mittleren Alters. Knapp 70 Prozent der Nutzer waren weiblich.

Trotz Pleite präsent

Drei Millionen Mal wurde Zoobe heruntergeladen, eine Million Menschen nutzten die App monatlich. Trotzdem ging Zoobe Anfang 2017 offline. Die Nutzerzahlen reichten nicht aus, um mit ihnen Gewinne erzielen zu können. Doch mit Zoobes Tod gingen dessen Filmchen nicht unter. 250 Millionen davon sind zwischen Gründung und Einstellung angeblich entstanden. Viele von ihnen sind noch immer in Umlauf, einige als jene Ostergrüße, die derzeit das Land verzücken. Auch Weihnachtsgrüße, gesprochen von Weihnachtsmann, Weihnachtshase und Weihnachtsrentier, sowie Grüße für einen guten Start in den Tag oder Freundschaftsbekundungen verbreiten sich weiterhin. Kurzum: Zoobes bunt animierte 3-D-Kitschtruppe befindet sich trotz Unternehmenspleite noch immer im Dauereinsatz.

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Neue Form der Kommunikation

Sie ist das Erbe des gebürtigen Hannoveraners Lenard Fritz Krawinkel. Nach seinem Regiestudium in München führte er in acht Filmen Regie und schrieb für fünf Filme das Drehbuch. Im Jahr 2000 gründete Krawinkel das erste deutsche Studio für 3-D-Animationen in Hannover, in dem sein wohl größter Leinwanderfolg entstand: „Back to Gaya“ ging 2004 an den Start und sorgte für Aufsehen.

2007 sollte Krawinkel für das kalifornische Produktionsunternehmen Dreamworks nach Indien. Doch der Deal platzte. Krawinkel zog mit seiner Frau nach Berlin, wo er sich an die Gründung von Zoobe machte. Den Start finanzierte er selbst, später steuerten Investoren weiteres Geld bei. Mit Zoobe, sagte Krawinkel dem Onlinemagazin „Gründerszene“, wollte er eine „neue Kommunikation im digitalen Raum“ ermöglichen. Und: „Der Alltag ist dominiert von Automatisierung. Wo bleibt der Mensch, das Gefühl?“ Für ihn konnte ein Osterhase mit Piepsstimme dieses Gefühl offenbar zum Ausdruck bringen.

Der Erfinder lebt zurückgezogen

Und heute? Nach dem Ende von Zoobe ist es still geworden um Krawinkel. Präsent ist er immerhin noch im Internet mit Profilen auf Facebook, Twitter, Xing und Linkedin. Doch auf Interviewanfragen der Redaktion reagierte er nicht.

Eine Erklärung für seine Zurückgezogenheit liefert vielleicht seine Frau, Claudia Wiesmann-Krawinkel. Ende letzten Jahres warb sie in einem Horoskopgastbeitrag im „Icon“-Magazin für mehr Achtsamkeit im Alltag. Möglicherweise lebt also auch ihr Mann Lenard jetzt das Leben eines zurückgezogenen Achtsamen. Sein dritter unternehmerischer Neustart spricht dafür: Mit anderen bietet Krawinkel unter dem Label As Far As wohl eine Art Besinnungsfahrten für Unternehmer an.

Die Idee des Erfinders erlebt Wiedergeburt

In einem Interview Anfang 2015 wurde Krawinkel gefragt, in welche Epoche er gerne einmal reisen würde. „Fünf Jahre nach vorne, dann könnte ich sehen, wie sich meine Innovationen umgesetzt haben“, sagte er damals. Bald sind diese fünf Jahre vorbei. Zoobe existiert nicht mehr, Zoobes Filme indes sind präsent wie eh und je. Auch Krawinkels Idee erlebt eine Wiedergeburt. So bietet das iPhone X seit 2017 ein Standardfeature an, das animierte und personalisierte Emojis ermöglicht. Animojis heißen sie jetzt. Andere Anbieter entwickelten ähnliche Konzepte: So können beispielsweise auch Nutzer der App iGab Sprachnachrichten von animierten Wesen aufsagen lassen – allerdings ohne dass die eigene Stimme dabei einer Heliumaufbereitung unterzogen wird. iGabber heißen die kleinen 3-D-Tierchen in der App. Zur Auswahl stehen etwa Mack, der Hai, Ruby, der Drache oder Jaz, der Grashüpfer. Entwickelt wurden sie ebenfalls in Deutschland.

Wer statt Computerwesen lieber sein eigenes Haustier mit Quietschestimme hören möchte, kann diesen Zauber mit der App My Talking Pet vollführen. Das Programm Dubface hingegen hält es menschlich: Seine Nutzer können hier mit einem Selfie eine 3-D-Figur erstellen, die zwar nicht sprechen, dafür jedoch durch Videos tanzen, skateboarden und schwimmen kann. Ähnlich funktionieren Apps wie Zmoji oder Emoji Me Face Maker. Mit ihnen lassen sich digitale Doppelgänger als Sticker und animierte Bilder erstellen.

All diesen Angeboten ist eines gemein: Sie teilen die krawinkelsche Idee, Nachrichten zu personalisieren. Ob dadurch nun eine neue Kommunikationsform entsteht, sei dahingestellt. Trotzdem: Seine App, so scheint es, war eine gute Idee zur falschen Zeit, die fortbesteht. Ebenso wie die Zoobe-Filme – mit jedem neu verschickten Ostergruß. Frohe Ostern!

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Von Julius Heinrichs/RND

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