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Nach abgebrochenem Studium den eigenen Weg finden

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10:51 04.08.2021
Im Hörsaal fühlt sich nicht jeder wohl. Es gibt aber zahlreiche Alternativen zum Studium.
Im Hörsaal fühlt sich nicht jeder wohl. Es gibt aber zahlreiche Alternativen zum Studium. Quelle: Kai Remmers/dpa-tmn
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Nürnberg

Nach dem Abitur an die Uni: Viele schreiben sich voller Schwung und mit vielen Erwartungen an der Hochschule ein. Doch dort läuft es nicht immer rund. Der anfängliche Elan weicht mitunter, oft macht sich Frust breit.

Bei manchen reift mit der Zeit sogar der Entschluss, das Studium abzubrechen. Was aber die Frage aufwirft: Und dann? "In jedem Fall ist es wichtig, den genauen Grund für den Abbruch auszuloten", sagt Johannes Wilbert. Der Leiter des Instituts für Berufswahl in Wetter an der Ruhr weiß: Nur wer bei sich ausmachen kann, warum die Entscheidung falsch war, kann mit guten Aussichten auf Erfolg etwas Neues beginnen.

"In sich gehen, sich selbst reflektieren", rät auch Beate Scherupp-Hilsberg von der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Auch Studienberater an der jeweiligen Hochschule oder Berufsberater können oft dabei helfen herauszufinden, warum es mit dem gewählten Studienfach nicht so gut klappt.

Viele Alternativen sind möglich

Lag es an den Inhalten, am Aufbau des Studiums - oder etwa am fehlenden Selbstmanagement? War der Studiengang womöglich zu wissenschaftlich, fehlte einem der Praxisbezug? "Sollte Letzteres der Fall sein, kann die Lösung sein, von der Uni auf eine Fachhochschule zu wechseln, das Studienfach aber beizubehalten", sagt Wilbert.

Aber auch andere Optionen locken. Ein duales Studium etwa, das praktisches Arbeiten im Betrieb mit theoretischer Wissensaneignung an der Hochschule verknüpft. Oder eine klassische duale Ausbildung: Betriebe werten es nicht selten als Pluspunkt, wenn Bewerber schon einige Semester studiert haben und über theoretisches Wissen verfügen.

Ebenso können ein Trainee-Programm oder ein anderes Studienfach die richtige Wahl sein. "Auch ein Auslandsaufenthalt bietet sich mitunter an", sagt Scherupp-Hilsberg. Die dabei vertieften Sprachkenntnisse sowie der Umstand, sich in der Fremde zurechtgefunden und sein Leben organisiert zu haben, sind oft von Vorteil fürs spätere Berufsleben. "Das Dazwischenschieben eines Freiwilligen Sozialen Jahres kann ebenfalls eine Möglichkeit sein herauszufinden, wo es für jemanden beruflich langgeht."

Unterstützung suchen

Die BA bietet vielerorts Workshops, bei denen Studienabbrecher ihre Perspektiven ausloten können. Auch "Check-U", ein Erkundungstool der BA im Internet, unterstützt junge Leute bei der Suche nach einem passenden Studium oder einer passenden Ausbildung. Wer sich direkt an Studien- oder Berufsberater wendet, hat bei der Selbstanalyse eine Fachkraft mit individuellen Tipps zur Seite.

Oft müssen junge Leute mit Vorbehalten aus ihrem Umfeld umgehen - etwa, wenn Eltern enttäuscht auf einen Studienabbruch reagieren. "Studierende sollten so früh wie möglich mit ihren Eltern sprechen, auf ihre Lage aufmerksam machen und so um das Verständnis von Vater und Mutter werben", empfiehlt Scherupp-Hilsberg. Gerade auf sie kommt es im Fall eines Studienabbruchs oft an. "Sie sollten Mut machen und sich bewusst sein, dass alle mal eine Fehlentscheidung treffen", sagt Wilbert.

Eltern sollten sich klarmachen: Besser entwickeln Sohn oder Tochter einen anderen Plan, anstatt das Studium abzubrechen und ins Leere zu fallen. "Man muss lernen, auf dem Weg ins Berufsleben Hürden zu überwinden", sagt Wilbert. Eine davon könnte sein, die Vorbehalte der Eltern zu zerstreuen. Das sei möglich, wenn man nach einer gründlichen Analyse herausgefunden habe, wo es beruflich hingehe.

Studienabbruch muss kein Karriereknick sein

Die Frage, wie man einen Studienabbruch einem potenziellen Arbeitgeber verkauft, muss keinem Bange machen. "Die meisten Arbeitgeber denken darüber nicht schlecht", so Wilbert. Es spreche nichts dagegen, zum Beispiel in den Lebenslauf zu schreiben, dass man von zwei Jahre BWL studiert habe. Auf Nachfrage nach einem Abschluss könnte laut Wilbert die Antwort lauten: "Ich habe zwar keinen Abschluss, aber trotzdem habe ich damals viel gelernt." Diese Lerninhalte müsse man natürlich parat haben.

Auch Scherupp-Hilsberg plädiert für ein selbstbewusstes Auftreten von Bewerbern. "In jedem Fall sollten sie im Gespräch herüberbringen, dass sie nach dem Studienabbruch nicht die Hände in den Schoß gelegt haben, sondern aktiv geworden sind."

Zwar bedeutet ein Studienabbruch keinesfalls das Aus für die Karriere, doch unschön ist der Schritt für die Betroffenen allemal. Wie lässt sich das Risiko für einen Abbruch minimieren? Für Wilbert ist klar: "Viele beginnen ein Studium, ohne sich vorher zu informieren, was dabei auf sie zukommt." Sein Rat daher: Vor dem Einschreiben auf dem Campus umsehen und sich mit den Inhalten eines Studienfachs beschäftigen. "Schon ein Blick ins Vorlesungsverzeichnis kann oft aufschlussreich sein."

© dpa-infocom, dpa:210803-99-684652/3

dpa