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05:02 27.05.2019
Silvia Hänig ist Sprecherin des Bundesverbands der Personalmanager und Geschäftsführerin der Kommunikationsberatung iKOM. Quelle: Anne Puhlmann/iKOM
Köln

Wer einen Job sucht, fragt sich nicht selten, was heutzutage in die Bewerbungsmappe und das Anschreiben gehört. Und brauche ich Referenzen? Welche Fähigkeiten kommen gut an, mit welchen Eigenschaften kann ich punkten, und was will das Unternehmen von mir?

Für den Mexikaner Luis Delgado sind diese Fragen besonders schwer. Seit einigen Monaten sucht er in Deutschland nach einer Stelle als Chemiker. Obwohl er in Kanada studiert und dort mehrere Jahre gearbeitet hat, weiß er nicht so genau, wie er den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt schaffen soll.

Referenzen in Deutschland noch nicht üblich

Im englischsprachigen Raum ist es üblich, den Unterlagen

Referenzschreiben beizulegen. Auch in Kanada sei das so, sagt Luis Delgado.

In Deutschland sind sie noch nicht selbstverständlich. Doch das scheint sich gerade zu ändern. Aus Sicht von Silvia Hänig vom Bundesverband der Personalmanager werden Referenzen im Bewerbungsprozess immer wichtiger. Als Chefin einer Kommunikationsberatung bekommt sie jeden Monat mehrere Bewerbungen auf den Schreibtisch. "Aus eigener Erfahrung finde ich Referenzen wichtig, da sie eine generelle Bestätigung der Leistungen des Bewerbers durch einen unabhängigen Dritten sind", sagt sie.

Doch was genau sind Referenzen und wie unterscheiden sie sich von den üblichen Arbeitszeugnissen? In Deutschland haben sich bislang zwei Arten herauskristallisiert: Zum einen das persönlich und individualisiert formulierte Schreiben von nicht mehr als einer Seite. Oder der Kontakt der Person, die für eine Referenz über den Bewerber zur Verfügung steht, integriert im Lebenslauf.

Was passiert nach Problemen mit dem Ex-Chef?

Wem im Referenzschreiben soziale Kompetenzen, Empathie und Kollegialität bescheinigt werden, der könne unter Umständen sogar fehlende fachliche Qualifikationen wettmachen, sagt Hänig.

Doch was, wenn das letzte Arbeitsverhältnis im Streit mit dem Chef geendet ist? "Referenzgeber müssen nicht zwangsläufig die ehemaligen Chefs sein. Viel wichtiger ist es, eine Person im Unternehmen zu finden, die das beste Gespür, nicht nur für Leistungen, sondern im Umgang mit den Mitarbeitern zeigt", sagt Hänig.

Kritischer über Referenzschreiben äußert sich Karriereberater

Bernd Slaghuis. Sie könnten einen falschen Eindruck vermitteln. Er rät sogar davon ab, die Telefonnummer des ehemaligen Arbeitgebers im Lebenslauf anzugeben. "Es schwächt den Bewerber, weil mitschwingt, er allein sei mit seinen Angaben in Lebenslauf und Anschreiben nicht ausreichend glaubwürdig", sagt Slaghuis. Nach dem Motto: Wenn Sie mir nicht glauben, rufen Sie doch meinen Ex-Chef an. "Der Bewerber bringt sich selbst in eine Bittstellerposition und kommuniziert so nicht auf Augenhöhe."

Referenzschreiben lieber weiter hinten einordnen

Beim Bewerbungsprozess sei es die eigene Haltung, die besonders wichtig sie, betont Slaghuis. Und da passe das Angeben von Referenzgebern nicht dazu. Slaghuis empfiehlt, die eigenen Stärken und Talente im Anschreiben selbst zu herauszustellen.

Wo Referenzen von neuen Arbeitgebern verlangt werden, sollten sie nach Meinung von Slaghuis den Anlagen untergeordnet werden und nicht an präsenter Stelle direkt hinter dem Lebenslauf erscheinen.

Luis Delgado denkt mittlerweile, dass Bewerbungen ihn nicht an sein Ziel führen, eine Stelle zu finden. 150 hat er bislang verschickt, zu mehreren Telefon-Interviews wurde er eingeladen, persönlich klappte es noch nie. Er glaubt, dass es effektiver sei, zu netzwerken. So habe er auch die Stelle in Kanada bekommen - über Kontakte. Also auch eine Art Referenz.

dpa

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