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DNN Rechtstipp Ein gemeinsamer Anwalt für die Scheidung
Mehr Recht DNN Rechtstipp Ein gemeinsamer Anwalt für die Scheidung
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16:13 23.03.2018
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Dresden

Immer wieder hört man, die Scheidung mit einem „gemeinsamen Anwalt“ sei die beste und günstigste Variante. Dementsprechend erreichen auch uns regelmäßig Anfragen von Mandanten, die gerne zusammen mit ihrem Ehepartner kommen möchten, um sich nach einer Trennung gemeinsam beraten und im Scheidungsverfahren vertreten zu lassen. Aber geht das überhaupt?

Tatsächlich darf ein Rechtsanwalt bei einer Scheidung niemals beide Ehegatten vertreten. Denn selbst wenn das Verfahren einvernehmlich ist, also beide geschieden werden möchten und keine finanziellen Ansprüche im Streit stehen, sind die Eheleute doch „Antragsteller“ und „Antragsgegner“, stehen sich also zumindest verfahrensrechtlich als Kontrahenten gegenüber. Sowohl das anwaltliche Berufsrecht als auch das Strafrecht verbieten daher dem Anwalt, ein Mandat von beiden Verfahrensbeteiligten anzunehmen.

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Rechtsanwältin Katrin Niederl Quelle: Archiv/Heinrich

Auch eine gemeinsame Beratung im Vorfeld ist schwierig. Als Anwalt ist man stets Interessenvertreter einer Partei und kann daher niemals neutral sein. Erkennt man im Beratungsgespräch, dass es Ansprüche eines Ehepartners gibt, richten diese sich ja stets automatisch gegen den anderen. Wessen Interessen soll also der Anwalt in diesem Fall wahren? Über die Ansprüche informieren oder schweigen?

Dennoch ist die Grundaussage, dass ein Anwalt preiswerter ist als zwei, natürlich richtig. Eine einvernehmliche Scheidung kann daher durchaus mit nur einem Anwalt durchgeführt werden. Allerdings vertritt dieser Anwalt dann tatsächlich auch nur einen der Ehegatten, während der andere das Verfahren ohne anwaltliche Vertretung bestreiten kann. Die Kosten können durch Vereinbarung trotzdem geteilt werden. Nachteile entstehen dem anderen dadurch nicht, sofern vorab geklärt ist, dass zwischen den Eheleuten keine Ansprüche auf Unterhalt oder Zugewinnausgleich bestehen oder diese jedenfalls nicht geltend gemacht werden sollen. Sollte es Ansprüche geben, können diese auch im Vorfeld über eine Scheidungsfolgenvereinbarung geregelt werden, um eine anschließende einvernehmliche Scheidung zu ermöglichen.

Zu empfehlen ist daher, dass auch bei einer gütlichen und einvernehmlichen Trennung jeder Ehepartner zunächst für sich allein anwaltliche Beratung in Anspruch nimmt. Denn nur wer über seine möglichen Ansprüche umfassend beraten und aufgeklärt wurde, kann anschließend frei entscheiden, ob er diese durchsetzen möchte oder nicht. Eine solche Beratung kann jedoch nur ein Anwalt leisten, der ausschließlich den Interessen (s)eines Mandanten verpflichtet ist.

Rechtsanwältin Katrin Niederl

Fachanwältin für Familienrecht

Anwaltskanzlei Noltemeier. Niederl

An der Dreikönigskirche 10, 01097 Dresden

Tel. 0351/81197300

www.noltemeier-niederl.de

Von Katrin Niederl