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Gesundheit Forscher warnen: Wer unfruchtbar ist, hat ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs
Mehr Gesundheit Forscher warnen: Wer unfruchtbar ist, hat ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs
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09:46 30.09.2019
Prostatakrebs ist die häufigste bösartige Krebserkrankung bei Männern. Eine aktuelle Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Unfruchtbarkeit und dem Krebsrisiko.
Malmö/Münster

Männer mit Fruchtbarkeitsstörungen haben anscheinend ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs. Eine schwedische Langzeitstudie liefert den bislang stärksten Hinweis auf einen solchen Zusammenhang. Demnach sind Männer, deren erstes Kind nach künstlicher Befruchtung zur Welt kam, in den knapp zwei Jahrzehnten danach um 30 bis 60 Prozent stärker gefährdet als andere Väter. Eine deutsche Expertin findet die Verbindung plausibel. "Fruchtbarkeitsstörungen sind häufig mehr als nur ein momentanes Störfeuer während der Fortpflanzungsphase", sagt Sabine Kliesch, Chefärztin der Abteilung für Klinische und Operative Andrologie am Uniklinikum Münster.

Prostatakrebs ist häufigster Tumor bei Männern

Prostatakrebs ist in Deutschland der mit Abstand häufigste Tumor bei Männern. In Deutschland werden jährlich rund 60.000 solcher Karzinome entdeckt, etwa 12.000 Patienten sterben pro Jahr an der Erkrankung. Unfruchtbarkeit betrifft in Industrieländern etwa 8 Prozent der Männer.

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Bereits in der Vergangenheit hatten Studien auf einen Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen hingedeutet. Die schwedischen Forscher um Yahia Al-Jebari von der Universität Malmö werteten nun nationale Register aus. Von 1994 bis 2014 wurden in dem Land demnach rund 1,2 Millionen Männer erstmals Vater: 97 Prozent von ihnen auf natürlichem Weg, drei Prozent nach künstlicher Befruchtung. Bei allen Männern erfassten die Forscher spätere Prostatakrebs-Diagnosen über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren nach der Vaterschaft.

Unfruchtbare Väter häufiger erkrankt

Von den Vätern mit natürlicher Befruchtung erkrankten im Untersuchungszeitraum 0,28 Prozent an Prostatakrebs, wie das Team im "British Medical Journal" ("BMJ") berichtet. Bei den Männern mit In-vitro-Fertilisation (IVF) waren es 0,37 Prozent. Kam die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) - ein Verfahren für Männer mit besonders schlechter Samenqualität - zum Einsatz, lag der Anteil bei 0,42 Prozent. Bei der klassischen künstlichen Befruchtung werden Eizellen mit aufbereitetem Sperma in einem Reagenzglas zusammengebracht, bei der - auch in Deutschland häufigeren - ICSI wird eine Samenzelle unter mikroskopischer Kontrolle direkt in eine Eizelle eingebracht.

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Kinderlose Männer wurden nicht berücksichtigt

Bei ihren Berechnungen berücksichtigten die Forscher mögliche Einflussfaktoren wie Alter und Ausbildung. Sie räumen ein, dass ihre Studie Schwächen enthält: Weil die Teilnehmer am Ende des Beobachtungszeitraums im Mittel erst 45 Jahre alt waren, gebe die Untersuchung keinen Aufschluss über das Lebenszeit-Risiko. Zudem beinhalte sie keine Männer mit Fruchtbarkeitsstörungen, die kinderlos blieben.

Biologischer Zusammenhang ist noch unklar

Dennoch folgern die Autoren: "Männer, die eine Vaterschaft durch assistierte Reproduktion erreichten, insbesondere durch ICSI, haben ein erhöhtes Risiko für früh beginnenden Prostatakrebs und bilden somit eine Gruppe, in der Tests und Nachbeobachtungen in Hinblick auf Prostatakrebs sinnvoll sein können." Die Erkenntnis ist auch deshalb wichtig, weil früh auftretende Tumoren tendenziell besonders aggressiv sind.

In einem "BMJ"-Kommentar schreiben Aditi Sharma und Channa Jayasena vom Imperial College London, die Studie liefere den bislang stärksten Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeitsproblemen und Prostatatumoren. "Wie männliche Unfruchtbarkeit biologisch mit dem Risiko für Prostatakrebs zusammenhängen könnte, ist noch nicht klar", räumen sie ein.

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Betroffene sollten regelmäßig untersucht werden

Sabine Kliesch, die nicht an der Studie beteiligt war, spricht von einer sehr gut gemachten Untersuchung, bei der die Autoren sehr sorgfältig vorgegangen seien. Der Zusammenhang sei plausibel, auch wenn der zugrundeliegende Mechanismus noch nicht geklärt sei. Die Andrologin plädiert dafür, betroffene Männer über dieses Risiko und auch andere Gesundheitsgefahren aufzuklären und regelmäßig zu untersuchen. Demnach haben Männer mit Fruchtbarkeitsstörungen auch ein erhöhtes Risiko für Hodentumoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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