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Die Welt des Gartens Neue Erdbeersorte aus Dresden ist aromatischer als Mieze Schindler
Mehr Garten Die Welt des Gartens Neue Erdbeersorte aus Dresden ist aromatischer als Mieze Schindler
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11:32 22.05.2019
Erdbeersorte 'Renaissance' Quelle: Dr. Klaus Olbricht
Dresden

Die ErdbeersorteMieze Schindler“ ist vor allem im Osten Deutschlands für viele Erdbeerliebhaber das Nonplusultra in Sachen Aroma. Doch die 1925 von Prof. Otto Schindler in Pillnitz gezüchtete Sorte, die er nach seiner Frau „Mieze“ benannte, hat so ihre Tücken.

Links Mieze Schindler; rechts paralleler Zuchtklon. Quelle: Dr. Klaus Olbricht

Die Tücken der „Mieze Schindler

Die Pflanzen sind anfällig gegen Pilzkrankheiten, bringen einen vergleichsweise niedrigen Ertrag, brauchen eine andere Bestäubersorte, damit sie überhaupt tragen und nicht zuletzt sind die vergleichsweise kleinen Früchte sehr weich und schaffen es kaum vom Garten auf den Teller.

Aus diesem Grund versuchen Züchter schon seit langer Zeit, eine Erdbeersorte zu züchten, die so aromatisch ist wie die ’Mieze Schindler’, aber gesünder und ertragreicher. Zudem geht es auch darum, festeres Fruchtfleisch zu erzielen, damit die Erdbeeren nicht gleich zermatschen, man sie gepflückt hat und in Schüssel bzw. Körbchen vom Garten in die Küche trägt.

Neue Erdbeersorte kommt auf den Markt

Der Dresdner Erdbeerzüchter Dr. Klaus Olbricht ist überzeugt, dass ihm das jetzt nach über zehn Jahren gelungen ist. Vor reichlich vier Jahren hatte er gegenüber DNN angekündigt, dass er gerade eine vielversprechende Selektion teste. Nun ist es so weit. Die neue Erdbeersorte kommt auf den Markt.

Sie habe laut Dr. Olbricht keine offensichtlichen Anfälligkeiten gegenüber Krankheiten, benötige keine Bestäubersorte, sei einmal tragend, in die mittlere bis späte Reifezeit einzuordnen, sehr winterhart und kaum spätfrostgefährdet und bilde glänzende, herzförmige Früchte, die im Schnitt 19-20 g wiegen.

Erdbeersorte 'Renaissance' Quelle: Dr. Klaus Olbricht

Für Direktvermarktung und Verarbeitung geeignet

Zudem sei das Fruchtfleisch fester als bei ’Mieze Schindler’, „aber nicht hart, so dass man ewig darauf herumkauen muss“, erklärt der Züchter. Die neue Sorte eigne sich aus seiner Sicht prima für die Direktvermarktung und für die Verarbeitung, aber nicht für den Großhandel, wo Früchte lange Transportwege und auch Lagerzeit überstehen müssen.

Das besondere an der neuen Erdbeersorte jedoch sei deren herausragendes Aroma. „Sie hat in der Summe gegenüber ’Mieze Schindler’ das Dreifache an Aromastoffen“, so Olbricht. Auch das „Aromamuster“ – das Zusammenspiel verschiedener Aromastoffe – sei besonders. Denn die neue Sorte vereine wichtige Aromastoffe von alten und modernen Erdbeersorten.

Zusammenspiel von Zuckergehalt und Ertrag

Eine Pflanze der Erdbeersorte 'Renaissance' Quelle: Dr. Klaus Olbricht

„Die Aromen, die in modernen Erdbeersorten dominieren, verstärken den Süße-Eindruck, ohne dass die Frucht mehr Zucker enthält“, erklärt der Züchter. „Dass das so ist, weiß man erst seit ein paar Jahren.“ Es sei ein wichtiger Aspekt, wenn es um Ertragssteigerung geht. Denn „bei der Züchtung von Erdbeeren kann man Ertrag und Süße der Früchte nicht parallel erhöhen. Erhöht man den Zuckergehalt der Früchte, verringert sich der Ertrag.“

Bleibt abzuwarten, wie die neue Erdbeersorte bei den Verbrauchern ankommt. Konsumentenstudien seien sehr erfolgreich gewesen, sagt Olbricht. Und es gebe bereits Obstbaubetriebe in Sachsen, die die neue Sorte gepflanzt haben. Die Firma Hansabred, für die der Züchter arbeitet, habe zudem dafür gesorgt, dass die neue Sorte in diesem Sommer auch als Pflanze für Haus- und Kleingärten in den Handel kommt.

Symbolische Taufe in Pillnitz

Am 23. Mai wird die neue Sorte zunächst im Rahmen der Erdbeersaisoneröffnung in Dresden-Pillnitz offiziell vorgestellt und getauft. Symbolisch natürlich, denn der Name steht fest: ’Renaissance’ – Wiedergeburt.

Erdbeerzüchter Dr. Klaus Olbricht mit einer speziellen Unterart der Chile-Erdbeere (Fragaria chiloensis ssp. lucida). „Diese wächst nur in Kalifornien nahe der Golden Gate Brücke und ist einer der Kreuzungspartner für die neu gezüchtete Sorte 'Renaissance'. Auch im Stammbaum der ‚Mieze Schindler’ gibt es diese Unterart der Fragaria chiloensis’.“ Quelle: Catrin Steinbach

Erdbeer-Wildarten-Sammlung

700 Herkünfte von 23 Erdbeer-Wildarten umfasst die Sammlung, die in Besitz des Dresdner Erdbeerzüchters Dr. Klaus Olbricht ist. Es ist seinen Worten zufolge die größte Sammlung von Erdbeerwildarten, die es in Europa gibt. Zusammengetragen hat diesen genetischen Schatz im Kern der Botaniker Günter Staudt (1926-2008). Seit dem Tod des Wissenschaftlers wird die Sammlung als „Professor Staudt Collection“ geführt und ständig erweitert.

Klaus Olbricht hat mit Staudt nicht nur zusammengearbeitet, sondern war mit dem Wissenschaftler auch befreundet. Staudt habe ihm seinen gesamten wissenschaftlichen Nachlass vermacht, so Olbricht. „Auf Staudts Wunsch hin habe ich dessen wertvolles Erdbeer-Herbarium an den Botanischen Garten Berlin-Dahlem übergeben.“

Von der Pflanzensammlung, die bei Hansabred in Dresden-Weixdorf gepflegt wird, profitiert nicht nur Dr. Olbricht im Rahmen seiner Erdbeerzucht. Die Pflanzen stehen auch wissenschaftlichen Einrichtungen für Forschungszwecke zur Verfügung.

Zur Person

Dr. Klaus Olbricht (geb.1969 in Weimar) hat Gartenbau an der Humboldt-Universität Berlin studiert und einige Jahre am Julius-Kühn-Institut für Züchtungsforschung in Dresden-Pillnitz gearbeitet. Schon dort beschäftigte er sich mit der Züchtung von Erdbeeren, verließ das Institut dann jedoch aufgrund von Differenzen mit der damaligen Leiterin.

Seit 2008 arbeitet Dr. Olbricht für das im gleichen Jahr gegründete Unternehmen Hansabred GmbH & Co. KG mit Sitz in Dresden-Weixdorf. Bei Hansabred handelt es sich um einen Zusammenschluss von vier Unternehmen, die Pflanzen vermehren und gemeinsam in die Züchtung von neuen Sorten investieren. Die Firmen haben ihren Sitz in Deutschland, England, den Niederlanden und Spanien.

Dr. Olbricht hat neben seiner Züchtungsarbeit sowohl an der Humboldt-Universität in Berlin als auch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden einen Lehrauftrag als Privatdozent.

Von Catrin Steinbach

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