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09:00 21.09.2019
Blumen, Obst, Kräuter, Gemüse wachsen in diesem Kleingarten scheinbar bunt durcheinander. Die Pflanzflächen sind mit Steinen von den Rasenwegen getrennt. "Gewiss, die Wege könnten mal wieder gemäht werden. Aber sonst könnte ich mit der Gestaltung dieses Gartens leben", sagt Gartenfachberaterin Nicole Kramer. Quelle: Catrin Steinbach
Dresden

Schnurgerade Wege und Beete, in denen Blumen, Gemüse und Kräuter strikt getrennt wachsen, sind nicht ihr Ding. „Mir gefällt ein Naturgarten besser, er darf auch gern ein bisschen wild aussehen, so wie die Natur eben ist“, sagt Lilo Lehmann.

Wildes Durcheinander – nach Plan

Nach und nach hat die heute 85 Jahre alte Kleingärtnerin auf ihrer Parzelle in Seidnitz versucht, die vormals strengen Strukturen aufzulösen und die Wege geschwungen durch Steingarten und Pflanzflächen zu führen. Blumen, Gemüse, Kräuter wachsen scheinbar wild durcheinander und doch irgendwie nach Plan.

Lilo Lehmann in ihrem Garten in Seidnitz. Quelle: Dietrich Flechtner

Für die Pflanzen sei das von Vorteil, weil sie sich gegenseitig unterstützen. „Die Bohnen bekommen nicht so leicht schwarze Läuse, wenn Bohnenkraut dazwischen wächst. Und seit ich vor 15 Jahren Meerrettich an den Fuß der Sauerkirsche gesetzt habe, ist die Wunde am Stamm nicht mehr größer geworden“, berichtet Lilo Lehmann von ihren Erfahrungen.

„Es wächst hier, wie es mir und meinem Mann gefallen hat“, sagt die Dresdnerin, die als Urgestein im Verein Dresdner Naturfreunde gilt. Ihr Mann Werner Lehmann starb 2011. Seitdem beackert die gelernte Gärtnerin die 326 qm große Parzelle weitestgehend allein. Tochter Elke hilft, wo sie kann. Für diese ist das Stück Land einfach nur ein „Zaubergarten“, der wunderschön blüht, immer etwas zu naschen bietet und allerlei Getier ein Zuhause bietet.

Mit Herbizid auf Jahre verseuchter Boden

Für ihre Eltern war das Stückchen Land, als sie es 1977 übernahmen, allerdings zunächst ein Albtraum. „Der Vorbesitzer hatte großflächig mit einem starken Herbizid gearbeitet, der Boden war verseucht. Es gab nur wenige Stellen im Garten, wo wir Blumen und Gemüse anbauen konnten“, erzählt Lilo Lehmann. Acht Jahre habe es gedauert, bis der ganze Garten wieder nutzbar war.

Heute gedeihen hier schwarze Tomaten, Him- und Heidelbeeren, Wein, Gurken, Zuckermais, Kohlrabi, Bamberger Hörnchen, Walderdbeeren und Sauerkirschen ebenso wie Orchideen, Rittersporn, Rosen, Enzian und jede Menge Kräuter. Sogar Giersch hat eine Ecke für sich. „Die Blätter nutze ich für Spinat und Salat“, sagt die Naturfreundin, die das in anderen Gärten gefürchtete Unkraut aber akribisch im Zaum hält und nicht zur Blüte kommen lässt.

Das Bohnenkraut dagegen darf wachsen, wo es aufgeht. Und wenn es an der Stufe zur kleinen Terrasse ist. „Die Monatserdbeeren lasse ich die Wege entlanglaufen“, beschreibt die passionierte Gärtnerin den geduldeten Ausbreitungsdrang dieser Pflanzen.

Das Bohnenkraut hat sich ausgesät und wächst zwischen den Platten und Spalten an der kleinen Terrasse im Garten. Quelle: Catrin Steinbach

Nicht jedes wilde Kraut darf bleiben

Ebenso sorgen Melde, Physalis und Kalifornischer Goldmohn, die sich immer wieder selbst aussäen und so durch den Garten „wandern“, bei Lilo Lehmann eher für Freude statt für Verdruss. „Sauerklee dagegen muss sofort raus“, so die Naturfreundin energisch, die durchaus nicht jedes wilde Kräutlein gewähren lässt.

Allerdings gibt sie auch Brennnesseln Raum zum Wachsen. Schon weil bestimmte Schmetterlingsraupen diese als Nahrung brauchen. „Mutti hat kürzlich zwei Schwalbenschwanzraupen am Dill entdeckt, damit hat sie das vierte Jahr in Folge diesen Schmetterling im Garten“, erzählt Elke Liedtke. Und natürlich gibt es in Lilo Lehmanns Garten ein Bienenhotel und bienenfreundliche Pflanzen sowieso.

Die Naturfreundin setzt schon seit vielen Jahren auf naturnahes Gärtnern, verwendet so wenig wie möglich Chemie. „Ich spritze lediglich im Frühling den Pfirsich gegen die Kräuselkrankheit und streue Schneckenkorn. Sonst würde der Rittersporn nie zur Blüte kommen“, zählt sie auf.

Brühen und Jauchen aus Pflanzen

Ansonsten nutzt sie zur Schädlingsbekämpfung bzw. Pflanzenstärkung Rainfarn- und Ackerschachtelhalmbrühe sowie Brennnesseljauche. Sie mulcht die Beete, damit die Erde nicht so leicht austrocknet, und kompostiert organische Abfälle.

Nicole Kramer in ihrem wildromantischen Kleingarten. Die scheinbare Wildnis hat durchaus Struktur. Quelle: Catrin Steinbach

„Abfälle aus dem Garten kompostieren und in den Kreislauf zurückzuführen ist ein sehr wichtiger Aspekt des naturnahen Gärtnerns. Eine konstante Humuszufuhr sorgt mit der Zeit für einen krümeligen, fruchtbaren Boden, der sich zudem leichter bearbeiten lässt“, sagt Nicole Kramer.

Die Leiterin der Arbeitsgruppe Fachberatung im Stadtverband Dresdner Gartenfreunde hat es sich zur Aufgabe gemacht, das naturnahe Gärtnern wieder mehr ins Bewusstsein der Schreber zu rücken und lebt es auf ihrer eigenen Parzelle im Verein „Sommerfrische“ im Kleingartenpark an der Hansastraße vor.

Umgraben bringt Bodenleben durcheinander

Sie selbst verzichtet in ihrem Garten auf das Umgraben, lockert den Boden nur auf. „Denn durch das Umgraben bringt man das Bodenleben in den verschiedenen Schichten nicht nur durcheinander, sondern zerstört es zum Teil“, erklärt die Fachberaterin.

„Bei schweren, tonhaltigen Böden hebt man die Schollen an und zerkleinert sie, dreht sie aber nicht um.“ Anders sei es, wenn vorher nicht gärtnerisch bearbeitetes Land urbar gemacht werden soll. „Dann empfiehlt es sich, großflächig Kompost aufzubringen und diesen durch Umgraben tiefgründig einzubringen. Dann hat man schneller einen gärtnerischen Erfolg“, so Nicole Kramer.

Wer nicht mulcht, müsse regelmäßig nach dem Wässern zur Hacke greifen und den Boden an der Oberfläche auflockern, um ein schnelles Austrocknen des Bodens zu verhindern. Bei der Düngung sollte man darauf achten, nicht zu hoch zu dosieren. „Oft wird zu viel Stickstoff und Phosphor ausgebracht. Dann treiben zwar die Pflanzen erst mal durch, aber das Gewebe ist weich und die Pflanzen werden anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge.“

Gewissen Läusebesatz tolerieren

Zudem sollte man nicht gleich zum Spritzmittel greifen, wenn Läuse auftauchen. Denn dann töte man ja auch die Räuber, die die Läuse vertilgen. „Es ist auf lange Sicht einfacher und gesünder, einen gewissen Besatz an Läusen zuzulassen und ein bisschen weniger Ertrag und einige verkrüppelte Blätter hinzunehmen.“

Im Lehrgarten, den der Verein angelegt hat, gibt es auch eine „wilde Ecke“. „Das ist ein genau definierter Bereich mit insektenfreundlichen Pflanzen – überwiegend mit einheimischen Wildpflanzen bis zu Sträuchern. „Der Bereich wird nicht gegossen, muss sich von alleine kümmern“, so Nicole Kramer.

Ihr ist klar, dass diese wilden Ecken bei vielen Kleingärtnern auf Unverständnis stoßen. „Menschen, die viel Struktur brauchen, werden nie wilde Ecken zulassen.“ Sie sieht deshalb eine Möglichkeit darin, dass Vereine Teile von Gemeinschaftsflächen in wilde Ecken verwandeln und Blumenwiesen wachsen lassen.

In diesem Kleingarten in Dresden ist eine klare, rechtwinklige Gliederung Gestaltungsprinzip. Quelle: Catrin Steinbach
Blumen, Obst, Kräuter, Gemüse wachsen in diesem Kleingarten scheinbar bunt durcheinander. Die Pflanzflächen sind mit Steinen von den Rasenwegen getrennt. Quelle: Catrin Steinbach

Die kleine Wildnis

„Wer alles geordnet haben möchte, könnte ja eine Rabatte mit einheimischen Wildpflanzen anlegen. Da blüht es auch schön und das Beet braucht wenig Wasser und Pflege und keinen Dünger“, nennt Nicole Kramer eine Alternative. Möglich sei zum Beispiel ebenso, sich in der eigenen Parzelle statt für einen Rasen für einen Blumenrasen zu entscheiden oder entlang der Gemüsebeete Blühstreifen aus einjährigen Samenmischungen anzulegen.

Zudem sollten abgeerntete Flächen nicht bis zur kommenden Saison brach liegen bleiben. „Man kann darauf als Zwischenkultur sogenannte Gründüngungspflanzen aussäen. Sie begrünen den Boden, lockern ihn auf und verhindern ein Verschlämmen. Sie binden über den Winter die nicht verbrauchten Nährstoffe im Boden und stellen sie nach dem Einarbeiten im Frühjahr den jungen Gemüsepflanzen wieder zur Verfügung. So werden sie nicht in das Grundwasser ausgewaschen. Einige dieser Gründüngungspflanzen bilden sogar Nährstoffe und vertreiben Schädlinge.“

Auch ein naturnah bewirtschafteter Garten braucht Pflege

„Nicht jede Wildnis ist Wildwuchs“, sagt die Gartenfachberaterin mit Blick auf die Kleingärtner, die auf Mischkultur setzen und bewusst auch wilde Pflanzen zulassen. Andererseits habe Wildnis im Kleingarten auch Grenzen. „Natur“ könne nicht als Argument für einen Mangel an Pflege dienen.

„Auch ein naturnah bewirtschafteter Garten braucht Pflege. Ein Gärtner, der so wirtschaftet, wählt durchaus gezielt aus, was er zulassen möchte und was nicht. Alles einfach wachsen lassen ist nicht Sinn und Zweck eines naturnahen Kleingartens, der ja hauptsächlich ein Nutzgarten sein soll. Denn die Wildpflanzen würden die Kulturpflanzen überwuchern und dann hält sich ja auch der Ernteerfolg in Grenzen“, ist die Ansicht von Nicole Kramer.

Sie plädiert für ein ausgewogenes Verhältnis von gepflegten Flächen und solchen, wo man Natur zulässt. Wilde Ecken könnte man zum Beispiel mit einem gemähten Rasenweg umgrenzen.

Von Catrin Steinbach

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