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So geht es den Feldhasen in Deutschland

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15:39 18.03.2021
Das trockene Frühlingswetter im vergangenem Jahr hat dazu geführt, dass der Feldhasen-Bestand weiter angewachsen ist.
Das trockene Frühlingswetter im vergangenem Jahr hat dazu geführt, dass der Feldhasen-Bestand weiter angewachsen ist. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
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Berlin

Zum weltlichen Symbol für ein in der Familie gefeiertes Osterfest wurde der Hase im 19. Jahrhundert - als Überbringer der Ostereier. Damals entwickelte sich Ostern vom rein kirchlichen Fest zum säkularen Familienfest - und Rituale wie das Verstecken der Eier hielten Einzug.

Wären es tatsächlich die Hasen, die Oster-Naschereien im Garten verstecken, hätte es allerdings über viele Jahre hinweg immer weniger Süßes gegeben: Die Bestände schwanden. Nun haben Experten gute Nachrichten.

Ein trockener und warmer Frühling im vergangenen Jahr hat die Zahl der Feldhasen auf Deutschlands Äckern, Wiesen und Wäldern steigen lassen. Im Frühjahr 2020 lebten im Schnitt 14 Feldhasen pro Quadratkilometer Hasen-Lebensraum - das sind etwa zwei Hasen mehr als noch bei der vergangenen Hasen-Zählung 2019, wie der Deutsche Jagdverband (DVJ) mitteilt. Da bereits die vergangenen Frühjahre 2018 und 2019 trocken waren, setzt sich laut DJV damit ein leichter Aufwärtstrend bei der Feldhasen-Population fort.

Junge Feldhasen leiden unter nasskaltem Wetter

"Die Voraussetzungen sind gut, dass der leichte Aufwärtstrend auch dieses Jahr weitergehen kann - wenn das aktuelle Mistwetter aufhört", sagt DJV-Sprecher Torsten Reinwald. "Dieses nasskalte Wetter, was wir gerade haben, das ist Gift für die jungen Feldhasen." Anders als Kaninchen, die in einem schützenden Bau unter der Erde leben, legen sich Feldhasen in sogenannte Sassen, kleinere Mulden auf Feldern. So sind sie der Witterung ausgesetzt. Das Fell werde eher nass, klebe zusammen und die isolierende Luftschicht zwischen den Fellhaaren schwinde, erklärt Reinwald. Junge Feldhasen, die jetzt zur Osterzeit geboren werden, könnten daher an Unterkühlung sterben.

Naturschützer gehen davon aus, dass zwischen zwei und drei Millionen Feldhasen in Deutschland leben. Dennoch steht der Feldhase (Lepus europaeus) auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten. Er sei zwar nicht vom Aussterben bedroht, sagt Andreas Kinser, Wildbiologe der Deutschen Wildtier Stiftung. "Aber es gibt heute schon deutlich weniger Feldhasen als noch vor 30 oder 40 Jahren." Etwa seit zehn Jahren habe sich die Population auf niedrigem Niveau stabilisiert. Das bestätigt auch der DJV mit seinem Wildtier-Monitoring. Die Jagdverbände der einzelnen Bundesländer kommen teils zu abweichenden Zahlen, doch der Trend ist gleich.

Wildtier-Monitoring des DJV

Zweimal im Jahr machen sich Jägerinnen und Jäger in ganz Deutschland auf, um Hasen zu zählen. Mithilfe des normierten Lichtkegels eines Scheinwerfers werden ausgewählte Reviere beim Wildtier-Monitoring des DJV abgesucht. Durch eine unverwechselbare Reflexion in der Iris angeleuchteter Feldhasen können die Experten die Tiere erfassen.

Im sonnigen und trockenen Frühjahr 2020 waren die Bedingungen für die Geburten junger Feldhasen, die eigentlich in Steppengebieten heimisch sind, gut: Im Vergleich zur ersten Zählung des Jahres zählten Jägerinnen und Jäger im Herbst 25 Prozent mehr Tiere (2019: 15 Prozent). Ein hoher Wert, der für die Fitness in der Population spreche, erklärt Reinwald. In allen Großlandschaften Deutschlands gab es demnach Zuwächse. Viele Hasen hätten den Winter erreicht. "Daher ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch 2021 viele Tiere sich fortpflanzen können."

Wegen der Corona-Pandemie fiel die Feldhasen-Zählung im vergangenen Jahr allerdings etwas kleiner aus. Um Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, wurde bundesweit nur in 460 Referenzgebieten Hasen gezählt - das sind etwa ein Fünftel weniger als zuvor. Grundsätzlich seien die Daten mit den vergangenen Jahren aber vergleichbar, so Reinwald.

Wo sich Feldhasen besonders wohlfühlen

Der Feldhasen-Bestand variiert von Region zu Region: Besonders dicht ist die Population demnach im nordwestdeutschen Tiefland und im südwestdeutschen Mittelgebirge: Dort wurden durchschnittlich 18 Feldhasen pro Quadratkilometer gezählt. Im westdeutschen Mittelgebirge und im Alpenvorland waren es je 12, im ostdeutschen Mittelgebirge 11. Vergleichsweise wenig zu finden waren die Tiere im nordostdeutschen Tiefland mit durchschnittlich 5 Feldhasen.

Wissenschaftler führen diese Zweiteilung auch auf unterschiedliche Feldgrößen in der Landwirtschaft zurück. Im Osten seien die Flächen tendenziell größer, im Westen kleinteiliger und mehr mit Hecken, Gräben und Randstreifen abgegrenzt, erklärt Wildbiologe Kinser. Dort finden die Feldhasen mit Wildkräutern Nahrung sowie Deckung vor Feinden.

Der Anteil an Brachflächen, wo sich Feldhasen wohlfühlen, sei zurückgegangen. "Die Landschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich aufgeräumter geworden", sagt Kinser. Gute Verstecke gebe es in der heutigen Feldflur immer weniger. Das führe dazu, dass Feldhasen verstärkt Fressfeinden ausgesetzt seien. "Junge Feldhasen haben eine deutlich geringere Überlebenswahrscheinlichkeit als sie es früher hatten", so Kinser.

Mehr Naturschutz gefordert

Naturschützer und Deutscher Jagdverband sind sich daher einig, dass es mehr Naturschutz in der landwirtschaftlichen Fläche brauche. "Kleine ökologische Trittsteine wie etwa ein ungepflegter Feldrand mit Gräsern und Kräutern, die helfen der Artenvielfalt und dem Feldhasen", sagt DJV-Sprecher Reinwald. "Da brauchen wir die Landwirte als Partner und es würde helfen, Artenvielfalt als Produktionsziel zu definieren." Die Agrarpolitik sollte deshalb nach Ansicht des DJV den Landwirten mehr Anreize dafür schaffen.

Wildbiologe Kinser sieht jetzt im Frühjahr noch ein anderes menschengemachtes Problem. Nach einem langen Corona-Winter ziehe es viele Menschen bei den ersten Sonnenstrahlen ins Freie - und immer wieder komme es vor, dass Spaziergänger junge Feldhasen, die vermeintlich verlassen am Wegesrand kauern, aufnehmen. "Da ist unser dringender Appell: Bitte junge Feldhasen nicht mitnehmen oder zu einer Tierauffangstation zu bringen", macht Kinser deutlich. "Das ist völlig normal, wenn da einer am Weg liegt."

© dpa-infocom, dpa:210318-99-876682/2

dpa