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Aktuelles Kraniche nutzen milde Winter und bleiben
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18:16 18.02.2019
Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind für Kraniche die Hauptbrutgebiete in Deutschland. Quelle: Christoph Soeder
Karow

Der milde Winter sorgt bei einigen Kranichen im Nordosten schon für Frühlingsgefühle. "Die ersten Kraniche sind aus Winterquartieren zurück und einige Seeadler beginnen zu balzen", sagte Klaus-Dieter Feige, Vorsitzender der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern (OAMV).

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Kraniche (Grus grus) sind bereits in größeren Trupps zu sehen, weil die Heimkehrer auf Artgenossen treffen, die inzwischen in Mecklenburg-Vorpommern überwintern, wie die Seeadler schon immer. "Wir schätzen, dass wieder bis zu 3000 Kraniche hiergeblieben sind, wie im Vorjahr", sagte Experte Wolfgang Mewes aus Karow. Das sei in milden Wintern wie den vergangenen Jahren ein Trend für ganz Deutschland. Allerdings zählen Experten während der großen Kranichrast im Herbst sogar mehr als 130.000 dieser Vögel im Nordosten.

Hauptbrutgebiete

Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg seien für Kraniche die Hauptbrutgebiete in Deutschland, erläuterte der 76-jährige Mewes, der seit Jahrzehnten zu Kranichen forscht und zum Fachvorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz gehört. Mit rund 4500 Brutpaaren zieht etwa die Hälfte aller Kraniche in Deutschland ihre Jungen zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte und der Ostseeküste auf.

"Dabei ist es für die Kraniche sehr wichtig, wie fit sie den Winter überstehen", erläuterte Mewes. Wenn die Vögel sich die kräftezehrenden Flüge bis Spanien sparen, könnten sie ausgeruhter an ihr Brutgeschäft gehen. "Das begann vor 20 Jahren, als einige Vögel nur noch bis Frankreich flogen, und seit zehn Jahren bleiben sie zunehmend auch in Norddeutschland. So sind Kraniche den ganzen Winter in der Wismarbucht, am Schaalsee, am Krümmeler See südlich von Röbel oder auch am Radelsee bei Rostock zu sehen. Der größte Vorteil: Wer zuerst da ist, kann zuerst die Nester besetzen.

Maisreste auf Feldern

Den Adlern und Kranichen kommen die landwirtschaftlichen Strukturen zu Gute, erläutert OAMV-Leiter Feige. "Kraniche finden auf Feldern genug Maisreste und andere Nahrung." Kälte sei für diese Vögel kein Problem, eher eine Schneedecke. Seeadler, die ebenfalls hier überwintern, fänden im Winter nicht nur geschwächte Tiere sondern auch genug Aas als Nahrung, beispielsweise an den Straßen. Zu diesen Greifvögeln gibt es am Müritz-Nationalpark bereits wieder Führungen.

Im Gegensatz dazu seien die kleineren Bodenbrüter eher die Verlierer bei den großen Agrarstrukturen, sagte Feige. So fänden Kiebitze und Feldlerchen kaum noch genug Nistmöglichkeiten. Außerdem hätten die kleineren Vögel stark mit zugewanderten Raubtieren, wie Waschbär, Mink oder Marderhund zu kämpfen.

Unterschiedliche Kraniche

Das ist bei den Kranichen anders. "Da gibt es ganz verschiedene Individuen", hat Experte Mewes beobachtet. Die bis zu 1,80 Meter großen Vögel seien sehr wehrhaft. Und manche kämpften beispielsweise gegen Waschbären oder Füchse bis zum Letzten um ihre Eier und ihren Nachwuchs. Andere Kraniche gäben sich auch mal ängstlich und flüchteten vom Nest, was dann von den Raubtieren geplündert wird. "Größter Nesträuber ist der Fuchs, der sich wegen der Tollwutimpfung stark vermehrt hat", sagte Mewes. Das hätten Untersuchungen mit Nestkameras ergeben.

In Niedersachsen brüten inzwischen bereits rund 1000 Kranichpaare. Der Experte sieht weiter gute Chancen, dass bald auch in ganz Süddeutschland Kraniche brüten. "Die ersten dieser Großvögel haben Thüringen und Bayern dauerhaft besiedelt."

Für Touristen hat sich vor allem die Kranichrast im Herbst zum Besuchermagnet entwickelt. Dabei können meist Ende September/Anfang Oktober Zehntausende Kraniche etwa an der Mecklenburgischen Seenplatte, im Linumer Bruch (Brandenburg) und im Diepholzer Moor (Niedersachsen) beobachtet werden. Dort bleiben auch über Winter inzwischen mehrere Tausend Großvögel.

dpa

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