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Stadtpolitik Schlagabtausch um Gymnasium Johannstadt
Dresden Stadtpolitik Schlagabtausch um Gymnasium Johannstadt
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18:45 06.06.2019
Symbolfoto
Symbolfoto Quelle: Vladimir Zaplakhov
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Dresden

Die Pläne von Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) für die Gründung eines Gymnasiums an der Pfotenhauerstraße in Dresden-Johannstadt sorgen für heftige Reaktionen aus dem Stadtrat.

Den Standort umrankt eine langwierige Debatte. Eltern, Sozialpädagogen, Lehrer und Quartiersmanagement machten vor drei Jahren auf die schwierige soziale Lage in der Johannstadt aufmerksam. Rot-Grün-Rot wollte dort übergangsweise ein Gymnasium vorgründen. Das stieß bei der CDU auf Ablehnung, weil es an Platz mangele und das Gymnasium dem Stadtteil auch nicht viel weiter helfe. Später packte die Verwaltung ein dauerhaftes Gymnasium in den Schulnetzplanentwurf. Die Übergangslösung hatte sie kritisch gesehen. Dann wollte Rot-Grün-Rot mit der Universitätsschule den Standort aufwerten, das kam nicht zustande.

Nun will die Verwaltung das Gymnasium auf den Weg bringen, weil es an Kapazitäten für diesen Schultyp mangelt. Es soll ab August 2020 dauerhaft an der Pfotenhauerstraße 42 angesiedelt werden. Die dort ansässige 101. Oberschule müsste dann spätestens 2025 an der Blüherstraße („Cockerwiese“) einen neuen Standort erhalten. Der Stadtrat soll diese Pläne möglichst schon Anfang Juli beschließen.

Für die CDU-Bildungspolitikerin Heike Ahnert ist der Engpass bei den Gymnasiumsplätzen Ergebnis einer „ideologisch motivierten Schulpolitik von Linken, SPD und Grünen“. Während Plätze am Gymnasium fehlen, gebe es zu viele Oberschulplätze. Die Fehlentscheidungen müssten genauso dringend korrigiert werden, wie bei den Grundschulplätzen in der Dresdner Altstadt. Ahnert: Daher „unterstützen wir die Gründung eines Gymnasiums an der Pfotenhauerstraße. Der Umzug der 101. Oberschule an die Cockerwiese ist die logische Konsequenz!“ Schon vor dem Bau einer neuen Grundschule, die auch an der Cockerwiese entstehen soll, will die CDU die Erweiterung des bisherigen Standorts der 10. Grundschule an der Struvestraße und den Tausch der 10. mit der Erich-Kästner-Schule thematisieren.

Von „Schulpolitik im Schweinsgalopp“ sprach SPD-Bildungspolitikerin Dana Frohwieser. Nach Monaten des Stillstandes versuche der Bildungsbürgermeister jetzt binnen drei Wochen, grundlegende Standortentscheidungen „durch den Stadtrat zu prügeln“. Andererseits zeige sich eine erstaunliche Lernbereitschaft: Dass ein Gymnasium „zu einer sozialräumlichen Aufwertung des Stadtgebietes Johannstadt“ beitrage, sei für CDU-Bürgermeister bisher „linke, sozialromantische Ideologie“ gewesen.

Die Entscheidung stehe jedoch in einem großen Zusammenhang. Bisher habe Vorjohann den neuen Standort für die 101. Oberschule an der Blüherstraße „nicht annähernd sicher“. Es gebe Bedenken, ob auf kleinstem Raum neben einer dringend benötigten Grundschule auch noch Platz für eine Oberschule sei. Erst wenn Klarheit für die 101. Oberschule bestehe, könne vernünftig über das Gymnasium entschieden werden. Für die Johannstadt wünscht sich Frohwieser „den Mut zur Gemeinschaftsschule“.

Von Ingolf Pleil