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Stadtpolitik Rot-Grün-Rot: Eine Ampel sollte wieder eine Ampel sein
Dresden Stadtpolitik Rot-Grün-Rot: Eine Ampel sollte wieder eine Ampel sein
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08:06 12.04.2018
Ampel oder Lichtsignalanlage? Korrekt ist beides.
Ampel oder Lichtsignalanlage? Korrekt ist beides. Quelle: dpa/Berg
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Was bitte ist eine Lichtsignalanlage? Ach ja, früher hieß das Ampel. Wie stellt man einen Rückbau an? Vor vielen Jahren wurde noch schlicht Abriss gesagt. Zwei kleine Beispiele für eine Sprache, die immer komplizierter und missverständlicher wird. Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit will nun eine Verständlichkeitsoffensive starten und fordert Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) auf, ab 2019 alle öffentlichen Publikationen, Amtsbriefe und den Internetauftritt der Landeshauptstadt und ihrer Unternehmen flächendeckend in verständlicher Sprache zu verfassen. Gleichzeitig soll Hilbert bis Ende des Jahres ein Konzept zur Einführung von leichter Sprache für Veröffentlichungen der Landeshauptstadt entwickeln.

SPD-Stadtrat Vincent Drews, der die Initiative gestartet hat, stellte den Unterschied zwischen „leichter“ und „verständlicher“ Sprache klar. Leichte Sprache wendet sich an Menschen mit geistiger Behinderung oder Analphabeten. Die Sätze sollten maximal acht Wörter umfassen. Es werde auch mit Bildern und Piktogrammen gearbeitet.

Viele Beschwerden beruhen auf Missverständnissen

Verständliche Sprache beinhalte Sätze mit nicht mehr als 15 Wörtern. Sie vermeide Fremdwörter oder erkläre sie, maximal ein Komma sei in einem Satz enthalten. „Wir wollen, dass sich jeder Mitarbeiter in der Verwaltung hinterfragt: Verwaltungssprache sollte so formuliert sein, dass sie jede Bürgerin und jeder Bürger versteht“, erklärte Sozialpolitiker Drews. Pia Barkow (Die Linke) sprach von einer „inklusiven Kommunikation“. „Alle Menschen in der Stadt müssen mitgenommen werden.“

Verständliche Sprache sei ein Mittel, die Gräben zwischen Verwaltung und Einwohnern nicht zu vertiefen, meint Grünen-Sozialpolitiker Michael Schmelich. „Ich könnte einen Wohngeldantrag nicht alleine ausfüllen“, bekannte der Grüne, der aus seiner Tätigkeit als Beiratsmitglied des Jobcenters weiß: „Ein Großteil der Beschwerden beruht auf Missverständnissen. Hätten die Betroffenen die Texte verstehen können, hätten sie sich nicht beschwert.“

Der interfraktionelle Antrag solle einen Denkprozess in Gang setzen. „Es werden nicht nächstes Jahr alle Broschüren der Stadt verständlich formuliert sein. Aber wir wollen, dass die Verwaltung die Aufgabe erkennt und in Angriff nimmt“, formulierte Drews das Ziel.

Von Thomas Baumann-Hartwig