Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Stadtpolitik Nach tödlichem Fahrradunfall: Grüne und ADFC fordern drastische Konsequenzen
Dresden Stadtpolitik Nach tödlichem Fahrradunfall: Grüne und ADFC fordern drastische Konsequenzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
15:48 13.01.2020
Das Fahrrad wurde in zwei Teile zerrissen. Quelle: Archiv/Roland Halkasch
Anzeige
Dresden

Nach dem Unfall mit einer getöteten Radfahrerin am Freitagnachmittag auf der Reicker Straße haben der ADFC, die Grünen und die SPD, aber auch die FDP jetzt Konsequenzen gefordert. Grüne und Sozialdemokraten plädieren unter anderem für mehr Verkehrskontrollen, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) für eine stadtweit gültige Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30. FDP-Kreischef Holger Hase drängt derweil auf einen Mobilitätsgipfel und will nun zeitnah die Vorsitzenden der anderen Stadtverbände einladen, um gemeinsam Leitlinien für mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu diskutieren.

ADFC fordert Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit

Bei dem Unfall am Freitagnachmittag war eine 55 Jahre alte Frau beim Versuch, von der Reicker Straße in die Wieckstraße nach links abzubiegen, von einem Mercedes erfasst worden. Der 18-jährige Fahrer hatte den Angaben der Polizei zufolge andere Autos überholt. Augenzeugen zufolge war die Frau meterweit durch die Luft geschleudert worden. Sie verstarb noch an der Unfallstelle. Der Zusammenstoß war so heftig, dass das Fahrrad dabei in zwei Teile zerrissen wurde.

Angesichts des Zustandekommens des Unfall finden die Vertreter der Fahrradlobby deutliche Worte. „Es ist fast immer eine Kombination aus hoher Geschwindigkeit des Kraftfahrzeugs, für Fußgänger und Radfahrer unsicherer Infrastruktur und Rücksichtslosigkeit oder Überforderung, die tötet. Die Geschwindigkeit der Kraftfahrzeuge muss auf ein sicheres Maß reduziert werden“, sagt Nils Larsen vom Dresdner ADFC, der daraus eine unmissverständliche Forderung ableitet: „Der ADFC fordert Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in der Stadt sowie ein Umdenken bei allen, die es für eine Lappalie halten, schneller als erlaubt zu fahren.“

Zugleich sprechen sich die Mitstreiter vom ADFC für intensivere Polizeikontrollen aus, „die das Ziel haben müssen, die vorhandene gesellschaftliche Akzeptanz vom Rasen, knappem Überholen, gefährlichem Falschparken und so weiter verschwinden zu lassen“, so Nils Larsen. „Nur mit niedrigeren Geschwindigkeiten und deutlich mehr Verantwortungsbewusstsein der Autofahrenden wird das regelmäßige und voraussehbare Töten ein Ende haben.“

Dresdens Grüne und SPD für mehr Geschwindigkeitskontrollen

Eine ähnliche Sichtweise vertreten Dresdens Grüne. „Unfälle, die durch dreiste Übertretungen von Verkehrsregeln entstehen, sind leider schwer zu verhindern. Zu viele Autofahrer halten beispielsweise Raserei und Falschparken für Kavaliersdelikte“, erklärt Grünenstadträtin Susanne Krause. Die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion sieht hierbei allen voran den Freistaat in der Pflicht, „endlich wieder mehr Geschwindigkeitskontrollen und allgemeine Verkehrskontrollen durchzuführen.“

Dem Ruf nach mehr Überwachung im Straßenverkehr schließt sich auch die SPD an. „Wenn einzelne Autofahrer den Tod anderer Verkehrsteilnehmer billigend in Kauf nehmen, darf die Öffentlichkeit nicht tatenlos zusehen. Polizei und Ordnungsamt sollten ihre Kontrollen deutlich ausweiten“, formuliert es SPD-Stadtrat Stefan Engel. Insbesondere bei Tempoverstößen sei die Gefahr zu gering, wirklich erwischt zu werden.

In Reaktion auf den Unfall drängen Dresdens Grünen nun Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), an der Reicker Straße konkrete Sofortmaßnahmen zu prüfen, um für mehr Sicherheit für Fußgänger, ÖPNV-Nutzer und Radfahrer in diesem Bereich zu sorgen. Dazu zählen unter anderem die Einführung von Tempo 30 im Abschnitt Otto-Dix-Ring und Altreick sowie das Aufstellen von stationären Blitzern am Koitzschgraben in beiden Fahrtrichtungen.

„Die Fuß- und Radverkehrsinfrastruktur ist mangelhaft“

Weiterhin verlangen die Grünen im Bereich der Straßenbahnhaltestelle Lichtsignalanlagen und entsprechende Fahrbahnmarkierungen sowie die zeitnahe Markierung von Radwegefurten im Kreuzungsbereich und von Radverkehrsstreifen in beide Richtungen. „Die gefahrenen Geschwindigkeiten auf der Reicker Straße sind auch aufgrund der schnurgeraden Straßenführung zu hoch. Die Fuß- und Radverkehrsinfrastruktur ist mangelhaft. Es müssen alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen werden, um das Unfallrisiko in der belebten Wohngegend mit zahlreichen Sozial- und Bildungseinrichtungen zu senken“, sagt dazu die Prohliser Grünen-Stadtbezirksbeirätin Julia Günther. Einen entsprechenden Antrag haben die Grünen Stadtbezirksbeiräte bereits eingebracht.

Auch am Mercedes sind die Spuren des heftigen Aufpralls nicht zu übersehen. Quelle: Archiv/Roland Halkasch

Der tödliche Unfall zeige nach Ansicht der Grünen einmal mehr, wie wichtig es ist, für sichere Rad- und Gehwege zu sorgen. „Ich bin froh, dass die Stadtverwaltung an der Umsetzung des Radverkehrskonzepts arbeitet, denn viele Problemstellen, auch die Reicker Straße, sind dort benannt. Es muss allen vom Sachbearbeiter im Straßen- und Tiefbauamt bis zum Oberbürgermeister klar sein, dass die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer ganz vorn anstehen muss“, erklärt Susanne Krause.

Hätte ein früheres Handeln den Unfall verhindern können?

Tatsächlich ist die Reicker Straße im Radverkehrskonzept unter der Nummer 633 gelistet, versehen mit höchster Priorität. Ein früheres Handeln hätte den Unfall verhindern können, ist Nils Larsen vom ADFC überzeugt. Laut Sozialdemokrat Stefan Engel gebe es in Sachen Sicherheit für Radfahrer in Dresden kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem: „Ich erwarte von der Stadtverwaltung klare Aussagen, wie wir zu einer schnelleren Beseitigung von Gefahrenstellen kommen.“

Höchste Priorität für das vom Stadtrat beschlossene Radverkehrskonzept fordert indes auch Holger Hase von den Dresdner Liberalen. „Die Nachricht vom Unfalltod der Radfahrerin macht uns betroffen und zeigt, dass wir in Dresden nicht genug für die Sicherheit von Radfahrern getan haben.“ Viele der inzwischen ergriffenen Maßnahmen hätten jedoch ihre Wirkung verfehlt. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain müsse seinen Ankündigungen endlich Taten folgen lassen, so der FDP-Vorsitzende.

FDP-Vorsitzender will zu Mobilitätsgipfel laden

Holger Hase plädiert für mehr Neu- und Ausbau. „Vernünftige und nachhaltige Radverkehrslösungen beinhalten beispielsweise baulich abgegrenzte Fahrradstraßen, die Radwege und Schutzstreifen ergänzen“, erklärt der Stadtrat. Um das zu erreichen, appelliert Holger Hase auch an die Kollegen der anderen Fraktionen: „Ich werde die anderen Dresdner Parteichefs zeitnah zu einem Mobilitätsgipfel einladen, um gemeinsame Leitlinien für einen Mobilitätskonsens auf Basis von Sicherheitsprämissen für alle Verkehrsteilnehmer noch in diesem Jahr abzugleichen.“

Kritik übt der ADFC derweil aber auch an der Dresdner Polizei. Nils Larsen verweist auf die nach dem Unfall von den Beamten versendete Pressemitteilung. Dort hieß es, „Der Fahrer (18) des Mercedes fuhr in Richtung Innenstadt und überholte eine langsam fahrende Kolonne.“ Wenn die Polizei einer gegebenenfalls vorschriftsgemäß fahrende Kolonne „langsame Fahrt“ bescheinigt, sei dies eine Wertung der Beamten, die als Versuch verstehbar sei, einen unfallbegünstigenden Umstand zu suchen, erklärt Nils Larsen. „Gleichzeitig wirkt es verharmlosend, wenn die Polizei die Angabe auslässt, dass der sogenannte Überholvorgang in einem Überholverbot stattfand, und keine Angabe zur offensichtlich deutlich überhöhten Geschwindigkeit des Mercedesfahrers macht.“

Bereits am Sonnabend hatten sich mehr als 50 Menschen an der Unfallstelle zu einer Mahnwache versammelt. Dabei wurde vor Ort auch ein weiß lackiertes, sogenanntes Geisterrad aufgestellt. Rund ein Dutzend stehen inzwischen davon in und um Dresden und erinnern an Todesfälle. Allein in den vergangenen drei Jahren hatte es nach ADFC-Angaben in der Landeshauptstadt nach Zusammenstößen zwischen Fahrzeugen und Rädern fünf getötete Radfahrer gegeben. Im bundesweit durchgeführten Fahrradklimatest des ADFC hatten 80 Prozent der Dresdner Radfahrer angegeben, regelmäßig von Autofahrern bedrängt zu werden.

Von Sebastian Kositz

Freie Träger von Schulen in Dresden wollen investieren. Doch die Fördermittel fließen nicht. Die Neue Waldorfschule fürchtet bereits um ihre Existenz. Das löst in der Stadtpolitik und im Kultusministerium deutliche Kritik aus.

13.01.2020

Grüne, CDU, Linke und SPD wollen die Bürgermeisterämter unter sich aufteilen und AfD, FDP und Freie Wähler außen vor lassen. Die Empörung bei den drei Fraktionen, die leer ausgehen sollen, ist groß. Aber haben sie eine reale Chance, die grün-schwarz-rot-rote Absprache zu kippen?

09.01.2020

Eigentlich wird nur ein neuer Bildungsbürgermeister gesucht, weil der alte sächsischer Finanzminister geworden ist. Es geht aber um weit mehr: Welche Fraktion hat Zugriff auf welchen Bürgermeisterposten? Jetzt gibt es die ersten Antworten auf die Frage.

07.01.2020