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Stadtpolitik Demonstranten fordern dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern in Dresden
Dresden Stadtpolitik Demonstranten fordern dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern in Dresden
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18:48 09.09.2015
Vor der Stadtratssitzung demonstrierten knapp 70 Personen für eine menschenwürdige Unterbringung von Asylbewerbern in eigenen Wohnungen. Quelle: Tanja Tröger

Mit Megaphon-Durchsagen, lauten Buh-Rufen, Handzetteln und Transparenten richteten sich die meist bunt gekleideten Demonstranten an die Stadträte. Sie kritisierten die Einquartierung in Asylbewerberheimen als diskriminierend und rassistisch. Stattdessen sollten Flüchtlinge in eigenen Wohnungen untergebracht werden, so ein Sprecher des Netzwerkes.

In der vor wenigen Wochen eröffneten sechsten Dresdner Unterkunft für Asylsuchende seien die Bedingungen „noch krasser als in den anderen Heimen“: Bis zu acht Personen müssten sich in der Großenhainer Straße 92 ein Zimmer teilen, obwohl sie mitunter nicht der gleichen Glaubensrichtung angehören und sich nicht miteinander verständigen können. Zudem dürften Flüchtlinge im ersten Jahr in Deutschland weder arbeiten noch Sprach- und Integrationskurse besuchen, führte der Netzwerk-Sprecher weiter aus. Diese Zustände machten die Flüchtlinge psychisch krank. Viele litten an Depressionen und Apathie und könnten die traumatischen Erlebnisse aus ihrem Heimatland nicht verarbeiten. Schwierigkeiten zwischen den Bewohnern und mit Einheimischen seien vorprogrammiert.

Während die meisten Stadträte von CDU, FDP und Bürgerfraktion schnurstracks an den Demonstranten vorbei ins Kulturrathaus liefen, zeigten sich Linke, Grüne und SPD-Abgeordnete interessiert, blieben stehen und beobachteten das Treiben. Richard Kaniewski, Sprecher für Sozial- und Integrationspolitik in der SPD-Fraktion, begrüßte die Aktion des Netzwerkes Asyl, Migration und Flucht. „Wir fordern zusammen mit Linken und Grünen schon lange eine dezentrale Unterbringung, konnten uns aber nicht gegen die Mehrheit der Stadträte durchsetzen“, so Kaniewski gegenüber DNN-Online. Es fehle einfach der politische Wille in der Stadt. Städte wie Leverkusen zeigten, dass es möglich sei, Asylbewerber in eigenen Wohnungen unterzubringen. „Natürlich kostet das auch mehr, aber das darf kein Grund für eine zentrale Unterbringung unter menschenunwürdigen Bedingungen sein“, sagte der SPD-Stadrat.

Die Demonstranten zeigten sich zufrieden mit ihrer Aktion. „Wir haben doppelt so viele Teilnehmer wie erwartet“, freute sich einer der Veranstalter. Nach Beginn der Stadtratssitzung zogen die Demonstranten vom Kulturratshaus zum Albertplatz.

In Dresden gibt es sechs Asylbewerberheime. Mehr als 400 Menschen sind derzeit dort untergebracht. Im größten Heim an der Florian-Geyer-Straße in Johannstadt wohnen bis zu 150 Personen. Für die Rechte von Asylbewerbern und Flüchtlingen engagieren sich verschiedene Akteure im Dresdner Netzwerk Asyl, Migration und Flucht. Dazu gehören beispielsweise die Ökumenische Kontaktgruppe Asyl, die Kampagne gegen Ausgrenzung von AsylbewerberInnen, die Gruppe Cartonage und der Ausländerbeirat der Stadt Dresden.

ttr

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