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Polizeiticker Weniger Straftaten in Dresden, aber die Gewaltkriminalität ist auf dem Vormarsch
Dresden Polizeiticker Weniger Straftaten in Dresden, aber die Gewaltkriminalität ist auf dem Vormarsch
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12:51 05.04.2019
Dresden ist sicherer geworden. Aber in einigen Deliktbereichen gibt es dennoch Probleme. (Symbolfoto).
Dresden ist sicherer geworden. Aber in einigen Deliktbereichen gibt es dennoch Probleme. (Symbolfoto). Quelle: dpa-Zentralbild
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Dresden

Die Landeshauptstadt ist sicherer geworden. Das geht aus der polizeilichen Kriminalitätsstatistik für 2018 hervor. Demnach sank die Zahl der Straftaten auf 49 152 Fälle, gegenüber 2017 ein Rückgang um genau 5632 Fälle und 10,3 Prozent. Für Jörg Kubiessa, seit Kurzem Polizeipräsident in Dresden, ist diese erfreuliche Entwicklung dennoch kein Grund, Entwarnung zu geben. Denn es gibt einige Deliktbereiche, die Sorgen bereiten – allen vor an die Rohheitsdelikte.

Mehr Kinder als Straftäter

Und auch das bereitet Sorge: Die Anzahl tatverdächtiger Kinder stieg von 592 auf 640. Ein Grund dafür liegt in einem Anstieg der Verstöße gegen ausländerrechtliche Bestimmungen durch Kinder. Waren es 2017 noch 195 Verfahren, wurden 2018 insgesamt 215 derartige Delikte abgeschlossen. Allerdings bleibt auch die Zahl der jugendlichen Straftäter von mit 1251 vergleichsweise hoch. Das ist umso beachtlicher, als die Gesamtzahl Tatverdächtiger von 18 085 auf 16 537 sank. Kinder und Jugendliche machen davon knapp zehn Prozent aus.

Die Zahl der Opfer ist mit 6892 um fast fünf Prozent angestiegen. Frauen machen etwa ein Drittel unter ihnen aus, 1615 sind Kinder und Jugendliche. Der durch Kriminalität entstandene Schaden betrug rund 48 Millionen Euro, wobei die Hälfte davon auf Wirtschaftskriminalität zurückgeht.

Mehr Gewaltdelikte erfasst

Die Gewaltkriminalität stieg erneut an – ein seit Jahren anhaltender Trend. 1460 Fälle hat die Polizeidirektion Dresden im Stadtgebiet erfasst, 3,8 Prozent mehr als 2017. Bei einer stabilen Aufklärungsquote von reichlich 70 Prozent wurden 1263 Tatverdächtige ermittelt. Problematisch: Mit 46,2 Prozent ist der ohnehin schon hohe Anteil ausländischer Tatverdächtiger erneut gestiegen (2017: 41,8 Prozent). Zum Vergleich: auf die allgemeine Kriminalität gerechnet, wozu alle Straftaten außer denen gezählt werden, die als Verstöße gegen Asylrecht und Ausländergesetze nur von Nichtdeutschen begangen werden können, liegt die Ausländerquote unter den Tatverdächtigen bei knapp 30 Prozent.

Knapp 74 aller erfasste Gewaltdelikte waren gefährliche und schwere Körperverletzungen. Nicht ganz 23 Prozent machen Raubdelikte aus, Mord- und Totschlagdelikte bleiben mit 13 Fällen (2017: 17) und damit 0,9 Prozent auf niedrigem Niveau.

Straßenkriminalität steigt an

Auch die Straßenkriminalität stieg gegenüber dem Vorjahr an, 10 288 Fälle bedeuten 4,7 Prozent mehr als 2017. Problematisch: Die Aufklärungsquote liegt in diesem Deliktbereich sehr niedrig, sie blieb mit 18,5 Prozent annähernd gleich. Zum Vergleich: Über alle Straftaten gesehen beträgt die Aufklärungsquote in Dresden stabile 56,5 Prozent. Die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen lag bei 1878 (2017: 1636).

Drogenkriminalität im Dunkelfeld

Mit 2459 Fällen ging die Drogenkriminalität in Dresden um doch beachtliche 13 Prozent zurück. „Die deutlich geringeren Kontrollergebnisse rund um den Wiener Platz schlagen sich nun auch statistisch nieder“, kommentiert das Polizeipräsident Kubiessa. „Aber Vorsicht! Sinkende Zahlen implizieren nicht zwangsläufig ein Absinken des Phänomens“, warnt er. Die Statistik betrachte lediglich das Hellfeld, aber gerade im Bereich der Rauschgiftkriminalität müsse von einer nicht unwesentlichen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Außerdem sorgt ein statistischer Hickhack für verwässerte Zahlen. 2017 wurden die vom Hauptzollamt Dresden ermittelten Drogendelikte erstmals statt auf Bundes- auf Landesebene registriert und tauchten entsprechend in der Statistik der PD Dresden auf – dem Hauptsitz des in einem großen Gebiet tätigen Hauptzollamts. Weil das die Dresdner Zahlen stark aufblähte mit Fällen, von denen ein Gutteil zum Beispiel auch am Flughafen Leipzig /Halle spielt, hat man nun eine neue Schublade für die Drogendelikte auf Zollebene gefunden: Sie werden künftig in der Landesstatistik vermerkt, was zum Teil den Rückgang in der Deliktsparte der Dresdner Statistik zur Folge hat. Das merkt man vor allem bei den Fallzahlen für unerlaubten Handel oder Schmuggel. Er sank von 660 Fällen um fast zwei Drittel auf 245 Fälle.

Drei Drogentote in Dresden

Verlässlich sind immerhin diese Zahlen: Die Aufklärungsquote stieg auf 93,5 Prozent an, die Zahl der Tatverdächtigen sank von 2186 auf 2024. Interessant: Bei den Drogendelikten machen Frauen mit 2018 die Mehrheit aus (Männer: 1806). Über alle Straftaten gesehen ist dieses Verhältnis genau andersherum: Von den 16537 Tatverdächtigen sind mehr als drei Viertel Männer.

Die Masse der erfassten Verstöße machen sogenannte Konsumentendelikte aus (2049 Fälle), bei denen Drogensüchtige mit kleinen Mengen Rauschgift für den eigenen Konsum erwischt worden sind. Insgesamt waren bei den Konsumentendelikten 297 Mal Crystal (2017: 352 Fälle) im Spiel. Sehr viel häufiger wurden die Drogenkonsumenten jedoch mit Cannabis erwischt. 1401 Fälle bedeuten einen Anstieg um reichlich zehn Prozent. 27 wurden Drogenhändler mit Crystal festgestellt (2017: 29 Fälle)

Im Stadtgebiet Dresden wurden im Jahr 2018 drei Drogentote (2017: 7) registriert. Im Stadtgebiet zogen die Polizisten unter anderem rund 56,5 Kilogramm Marihuana und rund 14,0 Kilogramm Haschisch aus dem Verkehr. Die Menge an sichergestellten Crystal beläuft sich auf etwa ein Kilogramm.

Weniger Diebstähle

Knapp 45 Prozent aller Straftaten in Dresden sind Diebstähle in unterschiedlichen Abstufungen. Deshalb ist es erfreulich, dass die Fallzahlen in diesem Kriminalitätsbereich von 22 929 auf 21 955 Fälle zurückging – auch das ein schon länger anhaltender Trend. Die Aufklärungsquote bleibt mit etwa einem Drittel unter dem allgemeinen Schnitt.

Außerdem gibt es nicht überall im großen Feld der Diebstahlskriminalität Entspannung. „Die Kriminalität entwickelt sich im Bereich der Eigentumskriminalität nicht homogen“, umschreibt das Polizeipräsident Kubiessa. „Zum Teil deutlichen Rückgängen bei Diebstählen aus Wohnungen und Büros steht ein Anstieg bei der Kriminalität rund um das Kfz oder bei Fahrraddiebstählen gegenüber.“

Schwerpunkte sind nach wie vor die Diebstähle in/aus Geschäften und Kiosken mit 6285 Fällen (2017: 6078 Fälle), Fahrraddiebstähle mit 3324 Fällen (2017: 2960 Fälle) sowie Diebstähle in/aus Böden, Kellern und Waschküchen mit 2672 Fällen (2017: 2754 Fälle). Dabei sind die Fahrraddiebstähle mit einer prozentualen Steigerung um 12,3 Prozent besonders stark angestiegen. Bei den anderen beiden Deliktgruppen gibt es Schwankungen von etwa drei Prozent.

Mehr Autodiebstähle

Bei den Diebstählen von Kraftfahrzeugen, einschließlich der unbefugten Benutzung, stiegen die Fallzahlen um fast ein Viertel auf 445 Fälle im Jahr 2018. Die Diebstähle an/aus Autos stiegen von 1943 auf 2195 Fälle an. Damit bleiben die niedrigen Werte von 2017 leider ein einmaliger Fall, das Niveau von vor 2017 habe man laut Polizei in Sachen Autodiebstählen aber noch nicht erreicht.

Auch bei Ladendiebstählen stiegen die Fallzahlen leicht an. In diesem Bereich wurden im Jahr 2018 insgesamt 5428 Fälle (2017: 5205) registriert. Damit stiegen die Fallzahlen um 4,3 Prozent. Die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen (3078) ist ansteigend gegenüber dem Vorjahr (2017: 3062), wobei der ohnehin hohe Anteil der Nichtdeutschen bei den Tatverdächtigen mit 47,4 Prozent noch einmal um drei Prozentpunkte zulegte – auch das deutlich über dem Schnitt der Gesamtkriminalität.

Sondereffekt Infinus

2017 wurde das Wirtschaftsverfahren Infinus mit insgesamt 23 626 Fällen bei der Dresdner Polizei statistisch abgerechnet. Um nicht Mondwerte zu erhalten, entschied sich der damalige Polizeipräsident Horst Kretzschmar, die Statistik um den Infinus-Effekt zu bereinigen – so blieb die Kriminalstatistik aussagefähig. Das wirkt sich auch auf die Statistik von 2018 aus. „So wie dieses Wirtschaftsverfahren im Vorjahr für einen unrealistischen Kriminalitätsanstieg sorgte, ist es nun für die genauso dramatische Kehrtwende verantwortlich“, sagt Polizeipräsident Kubiessa. „Ein Rückgang von über 37 Prozent innerhalb von zwölf Monaten kann nicht real sein.“ So oder so ist das für eine Großstadt sehr sichere Dresden noch ein bisschen ruhiger geworden. Das zeigt die sogenannte Häufigkeitszahl, die angibt, wie viele Straftaten rechnerisch auf 100 000 Einwohner entfallen. Sie lag 2018 bei 8919 Straftaten – 2017 waren es 10 012.

Von Uwe Hofmann

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