Waffengesetz Fall am Amtsgericht Dresden - Sind Schreckschusspistolen erlaubt?
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Polizeiticker Diskussion um Waffengesetz: Durfte der Angeklagte eine Schreckschusspistole ziehen?
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Waffengesetz Fall am Amtsgericht Dresden - Sind Schreckschusspistolen erlaubt?

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12:11 15.07.2020
Der Angeklagte feuerte auf einer Party eine Schreckschusspistole ab. War das überhaupt erlaubt? (Symbolfoto)
Der Angeklagte feuerte auf einer Party eine Schreckschusspistole ab. War das überhaupt erlaubt? (Symbolfoto) Quelle: Oliver Killig/zb/dpa
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Dresden

Es war eine feuchtfröhliche Party, die am 9. Juni vergangenes Jahr in der Werkstatt von Steffen P. gefeiert wurde. Sie endete – im wahrsten Sinne des Wortes – mit einem Knall und einer Anklage für den 41-Jährigen. Während der Fete fing ein Pärchen an zu streiten, laut, lange und ausgiebig. Vor allem die Frau geriet außer sich und ließ sich von niemanden beruhigen.

Angeklagter zückte Schreckschusspistole

Der Angeklagte als Hausherr forderte beide auf, zu gehen, was die aber ignorierten. Als es ihm zuviel wurde, nahm er eine Schreckschusspistole, schrie die Dame an: „Jetzt ist hier Ruhe“ – und schoss zur Untermalung seiner Forderung in die Luft. Wegen Bedrohung und unerlaubten Führens einer Schreckschusspistole musste sich der 41-Jährige nun vor dem Amtsgericht verantworten.

Er habe ihr die Pistole vorher an die linke Schläfe gehalten und nach dem Schuss an den Hals gegriffen, dadurch sei sie gestürzt, hatte die Frau bei den Ermittlungen und im Gericht gesagt. Jedoch hatten anwesende Zeugen dies nicht gesehen und nur den Schuss beobachtet.

Ist eine Schreckschusspistole verboten?

Ist eine Schreckschusspistole eine verbotene Waffe und durfte der Angeklagte überhaupt eine besitzen, darüber waren sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft nicht einig. Deshalb hatte Richter Markus Maier ein Gutachten beim Landeskriminalamt angefordert. Darin heißt es, dass der Kauf und Besitz einer Schreckschusspistole erlaubt ist, man die in der Öffentlichkeit aber nur mit sich herumtragen darf, wenn man einen „Kleinen Waffenschein“ besitzt. Den hat der Angeklagte nicht, aber laut Gutachten darf er im eigenen befriedeten Besitztum auch ohne Schein mit so einer Pistole rumlaufen und sogar damit schießen – natürlich ohne jemanden zu verletzen.

500 Euro für gemeinnützigen Verein

Da hätte man auch vor der Anklageerhebung mal nachfragen und so die Sache schneller regeln können. Der Vorwurf des Verstoßes gegen das Waffengesetz war vom Tisch – es blieb die Bedrohung. Für die Frau war die Situation sicher unangenehm, sie konnte ja nicht wissen, was für eine Waffe das war. Und die vornehme Art war die Ballerei von Steffen P. auch nicht. Die kostete ihn 500 Euro, die er an den Verein „Arche Nova“ zahlen muss. Im Gegenzug wurde das Verfahren vorläufig eingestellt.

Von Monika Löffler