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Polizeiticker Tatort Friedhof: Diebe machen in Dresden auch vor Grabstätten nicht halt
Dresden Polizeiticker Tatort Friedhof: Diebe machen in Dresden auch vor Grabstätten nicht halt
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08:03 25.11.2017
Viele Dresdner scheuen bei Diebstählen den Weg zur Polizei, weil für sie Aufwand und Nutzen unverhältnismäßig erscheint.  Quelle: Anja Schneider
Dresden

 Friedhöfe sind Orte der Trauer, der Einkehr, des Gedenkens – gerade zum bevorstehenden Totensonntag. Was sie auch sind: Orte des Verbrechens – gerade zum bevorstehenden Totensonntag. Dann kommen Diebstähle von Grabgestecken, Pflanzen und Grabschmuck gehäuft vor. Das weist zwar keine Polizeistatistik so aus, Friedhofsverwalter wissen aber davon, weil sie den Wut der Trauernden über die Grabschändung oft hautnah mitbekommen.

„Unsere Empfehlung in Richtung Totensonntag ist es, die Gebinde nicht zu zeitig auf die Grabstätten zu legen“, sagt Jens Börner, der als Fachbereichsleiter Urnenhain Tolkewitz im Eigenbetrieb Städtisches Friedhofs- und Bestattungswesen stellvertretend für die Verwaltung der übrigen drei kommunalen Friedhöfe Heidefriedhof, Nordfriedhof und Friedhof Dölzschen auf eine DNN-Anfrage antwortet. Günstig wäre es, dies erst zum Totensonntag zu tun. „Damit können Diebe zumindest diese Gestecke nicht entwenden und nochmal ,illegal an einer dubiosen Straßenecke’ verkaufen“, sagt Börner.

Diebstahl auf dem Friedhof: Leider ein wiederkehrendes Delikt in Dresden. Quelle: Anja Schneider

An diese Empfehlung scheinen sich viele, die ein Grab in Dresden pflegen, schon zu halten. Sie beobachte, dass die meisten Gräber erst kurz vor dem Ewigkeitssonntag geschmückt werden, sagt Beatrice Teichmann, die mit dem Johannisfriedhof in Tolkewitz einen der größeren der 53 von der evangelischen Kirche in Dresden bewirtschafteten Friedhöfe verwaltet. Klagen über Diebstähle erreichten sie in letzter Zeit relativ selten, fügt sie an.

Nichtsdestotrotz: „Diese Dinge passieren und sie sind genauso ärgerlich wie Vandalismus“, sagt Matthias Oelke, Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche. Etwa 200 000 Euro Schaden entstehen jährlich auf den rund 1200 kirchlichen Friedhöfen in Sachsen, eine Statistik für Dresden wird nicht geführt. Und auch diese Schadenssumme erfasst eher, was an Buntmetall, Werkzeugen und kunsthistorisch wertvollen Plastiken von Friedhöfen gestohlen wird, weniger den Grabschmuck, den einzelne sich mitunter mühsam von der Rente oder dem Lohn zusammensparen, um ihre Verbundenheit mit verstorbenen Verwandten auszudrücken.

Das Problem liegt im Anzeigeverhalten. „Viele Nutzungsberechtige verzichten auf eine Anzeige, weil sie offensichtlich der Meinung sind, dass Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen. Die Erfolgsaussichten sind ja tatsächlich eher gering“, sagt Friedhofsverwalter Börner. So sind der Polizei 39 Diebstahlsfälle mit Tatort Friedhof im Jahr 2015 bekannt. 15 waren es 2016, 18 im laufenden Jahr bis einschließlich Oktober. „Bei Blumen und Grabschmuck gibt es in allen Jahren eine geringe Fallzahl“, sagt Polizeisprecherin Jana Ulbricht. Sechs Fälle waren es 2015, einer 2016, vier im laufenden Jahr. „Es gibt eine großes Dunkelfeld“, sagt die Polizeisprecherin. Davon ist auszugehen, weil in manchen Anzeigen explizit zu lesen ist, dass der Geschädigte erst nach einer Häufung von Diebstählen zur Polizei gegangen ist. Die Aufklärung sei schwierig, sagt Ulbricht. Es habe zwar einen Fall gegeben, bei dem sich gestohlener Blumenschmuck auf einem anderen Grab wiedergefunden habe, das sei jedoch die Ausnahme. Oft fehle jeglicher Ermittlungsansatz.

Das sieht bei den übrigen Straftaten ganz anders aus. Sie sind geprägt durch zwei Tätergruppen. Die eine bricht in Schuppen ein und stiehlt Geräte wie Kettensägen, Rasenmäher und Werkzeuge. die andere macht sich über Buntmetall her. Vor etwa zehn Jahren habe es eine Diebstahlwelle gegeben, bei der Handtaschen geklaut wurden, erinnert sich Friedhofsverwalter Börner. Inzwischen seien Trauernde aufmerksamer geworden und lassen ihre Tasche nicht einfach liegen, wenn sie mal schnell Wasser holen gehen. Um das Jahr 2015 traten vermehr Buntmetalldiebstähle auf. 16 Mal war das 2015 der Fall, gestohlen wurden Abdeckungen von Gräbern und Urnen, Bleche, Fallrohre – alles, was sich zu Geld machen ließ. Zu den geplagten gehörte auch der Johannisfriedhof. „Da muss sich jeder Friedhofsverwalter selbst zu helfen wissen“, sagt die dort Verantwortliche Teichmann. Sie selbst hat zum Beispiel Schrotthändler aufgesucht und gebeten, ihr Bescheid zu geben, wenn verdächtige Metalle angeboten werden.

Friedhofsverwalter empfehlen, den Grabschmuck nicht zu zeitig auf die Grabstätte zu legen. Quelle: Anja Schneider

Das hat nicht zum Erfolg geführt, dennoch hat die Polizei 2015 einen Buntmetalldieb gefasst, der sich auf Friedhöfe spezialisiert hatte. Seine Beute hat er so klein gehackt, dass sie kaum noch erkennbar war, und dann zum Verkauf angeboten. „Der ist am helllichten Tag mit seinem Diebesgut im Fahrradanhänger von unserem Friedhof“, gefahren, schüttelt Friedhofsverwalterin Teichmann den Kopf. Friedhöfe seien eben kaum zu überwachen.

Das rührt an das größte Problem, wie den Diebstählen beizukommen ist. „Der Johannisfriedhof ist 25 Hektar groß, wie soll man den überwachen“, fragt Teichmann. Hinzu kommen viele alte Bäume, Hecken, Sträucher – ein unübersichtliches Feld. „Den Einsatz eines Sicherheitsdienstes haben wir durchaus diskutiert“, sagt ihr Kollege Börner. Aber wie sollte man Täter auf frischer Tat stellen?, fragt er. Viele Friedhofsbesucher seien mit Pflanzen, Blumen und Gebinden unterwegs. „Der Nachweis wohin und wem welche Blumen sowie Pflanzen gehören, ist äußerst schwierig“, sagt er. Ebenfalls nicht in Frage käme Videoüberwachung. „Wer möchte gefilmt werden, wenn er trauernd am Grab steht?“, fragt Börner. Es komme vor allem auf Umsicht und ein aufmerksames Friedhofspersonal an.

Von Uwe Hofmann

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