Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Polizeiticker Landeskriminalamt warnt vor gefährlicher Pyrotechnik
Dresden Polizeiticker Landeskriminalamt warnt vor gefährlicher Pyrotechnik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:32 28.12.2018
Das Landeskriminalamt demonstrierte bei einer Vorführung die Zerstörungskraft besonders gefährlicher Feuerwerkskörper. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Erst zischt es, dann steigt grellbunter Rauch auf. „Nebelschlag“ heißen die Knallkörper, die Entschärfer Axel Brehm gezündet hat. Anders als zum Beispiel in Fußballstadien, wo sich unter der fußballinteressierten Anhängerschaft versteckende Chaoten Nebelkerzen gerne in den Händen schwenken, hält der Kriminalhauptkommissar Brehm die „Nebelschläge“ nicht in der Hand. Er hat sie aus sicherer Entfernung mit einer Lunte gezündet, geschützt durch eine dicke Weste und einen Helm. Warum, das zeigt sich, sobald kein Nebel mehr aufsteigt: Diese Blitzknaller explodieren mit einem lauten Schlag. „Das wäre jetzt das Ende für die Hand gewesen“, kommentiert der 45-Jährige trocken.

Anzeige

Jahr für Jahr lädt das Landeskriminalamt Sachsen Journalisten zu einer Demonstration gefährlicher Feuerwerkskörper ein. Jahr für Jahr ist dann in Beiträgen kurz vor Silvester zu lesen, wie gefährlich illegale Pyrotechnik ist. Nun hat sich das Problem verlagert. „Wir haben es weniger mit illegaler Pyrotechnik zu tun“, sagt Kriminalhauptkommissar Brehm. Dafür mit solcher, die nur durch geschultes Personal gezündet werden sollte, aber dennoch im Internet oder jenseits der Landesgrenze an Jedermann verkauft wird. Und mit Knallkörpern, bei deren Herstellung die Grenzen des Erlaubten ziemlich weit interpretiert wurden oder die mehrere Effekte auf ungünstige Weise kombinieren. So wie die „Nebelschläge“: Sie können von Jedermann gezündet werden, trotz ihres gefährlichen und überraschenden Knalleffekts.

Diese Verlagerung erklärt, warum es trotz einer geringeren Zahl illegaler Böller im Dezember 2017 und Januar 2018 sachsenweit 35 Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung gab. Das sind zehn mehr als noch zum Jahreswechsel 2016/17. Die Betroffenen büßten Hände, Finger oder andere Körperteile ein, müssen mit den Folgen bis heute leben. Die Zahl der erfassten Straftaten ging dagegen leicht zurück. 787 Straftaten im Zusammenhang mit Feuerwerkskörpern wurden zum Jahreswechsel 2017/18 registriert, 21 Fälle weniger als ein Jahr davor. Den Hauptanteil bilden Sachbeschädigungen mit 394 Fällen (2016/17: 414).

Kein Grund für eine Entwarnung also. Obwohl es derzeit ziemlich schwierig sein sollte, sich nur für Feuerwerker zugelassene oder illegale Pyrotechnik im Internet zu beschaffen, wie Fachmann Brehm sagt. In Zusammenarbeit mit polnischen und niederländischen Behörden hatte das deutsche Zollkriminalitätsamt Anfang Dezember einen polnischen Internetversandhandel aus dem Verkehr gezogen, der gefährliche Pyrotechnik auch in Deutschland an den Mann gebracht hatte. In Deutschland wurden 27 264 Feuerwerkskörper mit einer Nettoexplosivmasse von 315 Kilogramm sichergestellt, die inzwischen vernichtet sind. Es handelte sich zumeist um Pyrotechnik der höchsten Feuerwerksklassen F3 und F4, die nicht verboten, aber eben nur für Fachleute zugelassen ist. 57 Personen wurden europaweit vorübergehend festgenommen.

Da der Internethandel inzwischen in Sachen gefährlicher Pyrotechnik den Straßenhandel jenseits der Landesgrenze an Bedeutung abgelöst habe, sei das ein wichtiger Erfolg, wie Entschärfer Brehm sagt. Da das Landeskriminalamt inzwischen enger mit der Bundespolizei und dem Zoll zusammenarbeite, kann er das einschätzen. Vom Zoll in Paketen gefundene Böller gehen zumeist zum Landeskriminalamt, das die Pyrotechnik in Nochten vernichtet. „Das sind viele, viele Transporter“, sagt Brehm. Gezählt habe er sie nicht. Die Zahlen schwanken auch. „Es kommt auf die Kontrollen an“, sagt der Kriminalhauptkommissar.

Immer mehr Städte untersagen Silvesterknallerei in bestimmten Sperrzonen der City. Braucht auch Dresden einen Böller-Bann für die Innenstadt?

Immer mehr Städte untersagen Silvesterknallerei in bestimmten Sperrzonen der City. Braucht auch Dresden einen Böller-Bann für die Innenstadt?

Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Immer mehr Städte untersagen Silvesterknallerei in bestimmten Sperrzonen der City. Braucht auch Dresden einen Böller-Bann für die Innenstadt?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Und so wird es auch an diesem Jahreswechsel wieder Verletzungen geben, weil einige Unbelehrbare sich gefährliche Knallkörper besorgt haben, mit denen sie ihre und anderer Leute Gesundheit für einen besonderen Knalleffekt riskieren. Etwa mit den nur für ausgebildete Feuerwerker zugelassenen Heulern „Scream 3“ oder dem ebenfalls verbreiteten „Little John“. Der illegale Knallkörper mit 100 Gramm Sprengsatzmasse reißt ein großes verkohltes Loch in eine handelsüblich Küchenarbeitsplatte, wie Entschärfer Brehm demonstriert. Da ist dann nicht nur die Hand in Gefahr.

So feiern Sie ein sicheres Silvester

Verwenden Sie nur Feuerwerkskörper, die zweifelsfrei geprüft und entsprechend gekennzeichnet sind (CE-Kennzeichnung).

Sollten Sie im europäischen Ausland Feuerwerkskörper erwerben wollen, so achten Sie bitte nicht nur auf das CE-Zeichen, sondern auch auf die Kategorie. In Deutschland dürfen Sie ohne eine Erlaubnis nur Feuerwerk der Kategorien F1 und F2 verwenden.

Lesen Sie die auf der Verpackung oder den Feuerwerkskörpern angebrachten Gebrauchsanweisungen vor dem Abbrennen und halten Sie diese auch ein.

Basteln Sie nicht an Feuerwerkskörpern herum und haben Sie diesbezüglich ein wachsames Auge auf ihre Kinder. Auch durch das Bündeln, Öffnen oder Frisieren von Feuerwerk passieren jährlich Dutzende schwere Unfälle.

Zünden Sie Artikel, die nur zur Verwendung im Freien bestimmt sind, weder in geschlossenen Räumen, noch in der Nähe offener Fenster.

Ein Balkon ist grundsätzlich kein geeigneter Ort für die Verwendung von Feuerwerkskörpern, insbesondere nicht zum Starten von Raketen.

Werfen Sie Feuerwerkskörper nie auf Personen, Tiere, Gebäude, Fahrzeuge oder brennbare Gegenstände.

Finger weg von sogenannten Blindgängern, halten Sie Abstand und versuchen Sie keinesfalls, diese Knallkörper erneut zu zünden.

Feuerwerkskörper gehören nicht in Kinderhände. Das Mindestalter für Gegenstände der ungefährlichsten Kategorie F1 beträgt zwölf Jahre.

Schließen Sie beim Verlassen der Wohnung die Fenster.

Möchten Sie ein eigenes, aber risikoarmes Silvesterfeuerwerk genießen, verwenden Sie Batterien oder sogenanntes Verbundfeuerwerk statt einzelner Knallkörper und Raketen. So müssen Sie zur Zündung nur einmal an das Feuerwerk herantreten und können dann aus sicherer Entfernung eine Vielzahl von Effekten genießen. Beachten Sie dabei, dass kleinere Batterien Klappfüße haben, die die Standsicherheit erhöhen.

Nutzen Sie die bei zahlreichen Sortimenten beigelegten Anzündstäbchen – diese funktionieren sicherer als ein flackerndes Streichholz.

Starten Sie Silvesterraketen stets senkrecht nach oben und nur aus einer sicheren Vorrichtung heraus, etwa einer leeren Flasche in einem Getränkekasten oder einem am Gartenzaun befestigten Kunststoffrohr. Achten Sie darauf dass die Raketen ungehindert aufsteigen können. Dachüberstände oder Bäume können sonst die Raketen wieder nach unten leiten.

Beachten Sie, dass Teile der Rakete auch wieder zu Boden fallen und dort Schäden hervorrufen können, für die Sie als Verursacher haften. Ein Großparkplatz verbietet sich somit als Abbrennplatz.

Quelle: Landeskriminalamt Sachsen

Von Uwe Hofmann