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Polizeiticker Dresden: Drei Juwelengarnituren aus dem Grünen Gewölbe gestohlen
Dresden Polizeiticker Dresden: Drei Juwelengarnituren aus dem Grünen Gewölbe gestohlen
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14:23 13.01.2020
Aus dieser Vitrine im Grünen Gewölbe in Dresden wurden die Juwelen gestohlen. Quelle: Screenshot / Panorama-Rundgang SKD
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Dresden

Sie wussten was sie taten und sie waren dabei sehr schnell: In das Historische Grüne Gewölbe im Dresdner Residenzschloss ist am frühen Montagmorgen ein spektakulärer Einbruch verübt worden. Die beiden Täter verschafften sich kurz vor 5 Uhr über ein Seitenfenster Zugang zum Gebäude, gingen dann zielstrebig auf eine Vitrine mit drei historischen Juwelen-Ensembles zu, zerstörten das Sicherheitsglas des Schaukastens und nahmen den Inhalt mit. Anschließend flüchteten die Männer mit einem Fahrzeug wahrscheinlich in Richtung der Autobahn, sagte Dresdens Polizeipräsident Jörg Kubiessa.

Die gestohlenen Exponate gehören zum Sächsischen Staatsschatz des 18. Jahrhunderts und haben laut Marion Ackermann, Direktorin der Staatlichen Kunstsammlungen, einen zwar nicht zu beziffernden, aber aufgrund der kulturhistorischen Bedeutung „unschätzbaren Wert“. Wie Ackermann sagte, geht es konkret um eine Diamantengarnitur, eine Brilliantengarnitur und eine Diamantenrautengarnitur aus der Zeit von August dem Starken. Sachsens Kurfürst habe diese drei zusammen mit sieben anderen anfertigen lassen. Insgesamt sollen die drei gestohlenen Juwelenensembles bis zu 94 Einzelstücke umfassen – darunter die sogenannten „Perlen der Königin“, sagte Museums-Direktor Dirk Syndram.

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Einbruch innerhalb weniger Minuten

Im auch nachts von zwei Sicherheitsmitarbeitern bewachten Museum in der Dresdner Altstadt sei um 4,59 Uhr ein Alarm ausgelöst worden, sagte Dresdens Kripochef Volker Lange. Die Täter hätten ein Gitter vor dem Seitenfenster aufgehebelt und sich so Zutritt verschaffen. Danach zerstörten sie das dahinterliegende Glaselement und drangen in die Räume ein. Im Anschluss zerstörten sie mit einer Axt eine Vitrine, die im sogenannten Juwelenzimmer stand. Die beiden Mitarbeiter beobachteten das folgende Geschehen über die Videokameras im Gebäude und informierten sofort die Polizei. Auf dem Material der Videokameras sind zwei Einbrecher zu sehen. Die Kriminalpolizei geht jedoch davon aus, dass weitere Täter beteiligt waren. Die Mitarbeiter selbst griffen aber nicht ein, sagte Lange. Laut Kunstsammlungschefin Ackermann ist dies die gängige Praxis, zumal die Sicherheitskräfte nicht bewaffnet sind. „Das Menschenleben geht auch in diesem Fall vor“, so Ackermann.

Bereits kurze Zeit später sei dann der erste Funksteifenwagen der Polizeidirektion Dresden-Mitte am Tatort vorgefahren. Zudem wurden Autobahnen gesperrt, Kollegen in Brandenburg sowie von der Bundespolizei informiert. „Bisher gibt es aber keinen Fahndungserfolg“, so Polizeipräsident Kubiessa am Montagnachmittag. Um dem abzuhelfen, wurde eine Sonderkommission namens „Epaulette“ gegründet. 20 Kriminalisten suchen nun zusammen mit dem Landeskriminalamt (LKA) nach den Tätern. Die Soko stehe auch in Kontakt mit Kollegen in Berlin, die zuletzt den Diebstahl einer 100 Kilo schweren Goldmünze im Bodemuseum aufzuklären hatten.

In das Grüne Gewölbe in Dresden ist ein Einbruch verübt worden. In den Ausstellungen lagern mehr als 4000 zum Teil einzigartige Exponate.

Mehrere Brände in der Dresdner Altstadt

Parallel zum Einbruch gab es in der Nacht zum Montag auch mehrere Brände in der Dresdner Altstadt – darunter an der nahen Augustusbrücke. In Folge dessen sei die Straßenbeleuchtung am Dresdner Residenzschloss ausgefallen, in dem die Ausstellungen des Grünen Gewölbes untergebracht sind. Hinweisen zufolge sind die Einbrecher mit einem Audi A6 vom Tatort geflüchtet. Ein baugleiches Fahrzeug wurde später in einer Tiefgarage an der Kötzschenbroder Straße in Brand gesetzt. Der Audi wurde von Kriminalisten untersucht und sichergestellt.

Wie Marion Ackermann erklärte, waren die gestohlenen Juwelengarnituren nicht versichert. „Das ist nun eine Frage der Staatshaftung“, so Ackermann weiter. Sie glaubt nicht, dass die gestohlenen Juwelengarnituren tatsächlich verkauft werden können. „Ich denke, sie sind durch ihre internationale Bekanntheit dem Markt entzogen.“ Allerdings sei es nicht auszuschließen, dass die Exponate trotzdem verloren bleiben. „Das ist eine schreckliche Vorstellung“, so Ackermann weiter.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei seinem Statement am Montag. Quelle: Christian Essler

Kretschmer: Sammlungen sind Sachsens Identität

Am Montagvormittag machte sich am Tatort auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) persönlich ein Bild vom Schaden. „Mit so einem Ereignis haben wir beim besten Willen nicht gerechnet. Auch für mich waren die Sicherheitsmaßnahmen ausgezeichnet und umfassend“, so Kretschmer. Allerdings, gestand er ein: „Wir sehen nun, dass das nicht der Fall ist.“

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Überblick: Drei Juwelengarnituren aus dem Grünen Gewölbe gestohlen

Das Grüne Gewölbe gehöre zur sächsischen Identität, sagte der Ministerpräsident. „Man kann das Land nicht verstehen oder erklären, ohne diese Sammlungen.“ Der Diebstahl betreffe deshalb nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen, „sondern wir Sachsen wurden bestohlen.“ Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss ausgestellt werden, „sind von den ‎Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet wurden“, schrieb Kretschmer am Montag auch auf Twitter.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU), der am Montag ebenfalls am Tatort vor die Mikrofone trat, versicherte, die Ermittler arbeiteten mit Hochdruck an der Verfolgung der Täter. „Das ist ein bitterer Tag für das kulturelle Erbe Sachsens“, so Wöller. Die entwendeten Exponate hätten einen einen unermesslichen, immateriellen Wert für den Freistaat. „Das ist ein Anschlag auf die kulturelle Identität aller Sachsen“, so Sachsens Innenminister weiter.

Auktionator: Exponate nicht in Deutschland absetzbar

Falls die Täter nicht zu fassen sind, wird ihre Beute in Sachsen oder Deutschland wohl auch nicht wieder auftauchen. Davon geht zumindest der Kunstexperte Bodo W. Hellmann aus. „Schmuck und Kunstgegenstände aus dem Grünen Gewölbe sind in aller Welt bekannt. So etwas ist in Deutschland auf keinen Fall absetzbar", versicherte der Inhaber des gleichnamigen Kunsthandels und des renommierten Auktionshauses Fine Art im thüringischen Bad Liebenstein (Wartburgkreis). „Sollten die Meisterwerke aus Dresden zu Geld gemacht werden, dann werden die Täter oder deren Auftraggeber einen ganz großen Bogen um Deutschland machen", so Hellmann weiter.

Der Experte hält es aber auch für denkbar, dass die Schmuckstücke in Privatsammlungen landen und für lange Zeit verschollen bleiben. Er selbst habe bisher bei seinen Auktionen Glück gehabt und keine Ware aus dubiosen Quellen dabei gehabt, schon gar nicht aus dem Dresdner Residenzschloss, versichert der Kunsthändler.

Am Abend wurde bekannt, dass nicht alle Teile der betroffenen Garnituren entwendet wurden. „Wir wissen erst seit ein paar Minuten, nachdem der Tatort nochmal untersucht und die Spurensuche durchgeführt worden ist, dass zum Glück (...) doch eine ganze Menge Objekte noch da sind“, sagte Ackermann im rbb-Interview von radioeins.

Eines der wertvollsten Stücke des Grünen Gewölbes wird derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York ausstellt - der Grüne Diamant. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung „Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe“ des Metropolitan Museum of Art.

Von Matthias Puppe / Uwe Hofmann / Winfried Mahr

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