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Polizeiticker Polizei ermittelt nach Schlägen bei der Fahrscheinkontrolle
Dresden Polizeiticker Polizei ermittelt nach Schlägen bei der Fahrscheinkontrolle
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15:25 29.03.2019
In einer Straßenbahn der Linie 7 soll es bei einer Fahrkartenkontrolle zu Körperverletzungen gekommen sein. Quelle: Dietrich Flechtner/Archiv
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Dresden

Die Polizei ermittelt wegen einer mutmaßlichen Körperverletzung in einer Straßenbahn der Linie 7. Im Fokus stehen ein 33-jähriger Fahrkartenkontrolleur und ein 27-jähriger Fahrgast aus dem Benin. Beide haben sich nach etwaigen Handgreiflichkeiten bei einer Kontrolle am Donnerstagnachmittag zwischen Amalie-Dietrich-Platz und Betriebshof Gorbitz gegenseitig angezeigt. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagt Polizeisprecher Marko Laske dazu.

Der Fall sorgt in den sozialen Netzwerken für Aufsehen. Ein User hat sich per Twitter als Augenzeuge des Vorfalls gemeldet und wirft den Fahrkartenkontrolleuren Rassismus vor. Man habe derzeit keine Ansätze für einen politischen Tathintergrund, werde diesen aber prüfen, sagt Laske dazu. Die Polizei hat inzwischen das Video der Überwachungskamera in der Straßenbahn sichergestellt und will auch Augenzeugen zu den Vorfällen befragen.

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Mehrfache Kontrolle als Streit-Auslöser?

Mit dem Video lasse sich genau aufklären, wer zuerst handgreiflich geworden sei, hofft Falk Lösch, Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe. Er wehrt sich gegen eine Vorverurteilung des Kontrolleurs, zumal auch der angebliche Augenzeuge ja einräume, nicht alles genau verfolgt zu haben. „Sollte sich ein Vergehen der Kontrolleure herausstellen, wird es von unserer Seite Konsequenzen haben“, sagt Lösch. Diese müssten sich dann gegen die Firma Götz richten, die seit Jahrzehnten mit der Fahrausweiskontrolle in den Verkehrsmitteln der DVB betraut ist. „Sollte der Fahrgast zuerst zugeschlagen haben, können das nur die Ermittlungsbehörden sanktionieren“, so Lösch weiter.

Der Tathergang scheint einstweilen unübersichtlich. „Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen“, sagt Polizeisprecher Laske. Dem Vernehmen nach scheint Auslöser für den Zwischenfall die mehrfache Kontrolle des 27-Jährigen gewesen sein. Darauf habe er nach den Schilderungen des angeblichen Augenzeugen schließlich frustriert reagiert und das Zeigen seines gültigen Tickets verweigert. Das führte dann zu der Auseinandersetzung, wobei unklar ist, wer mit Handgreiflichkeiten anfing. Kontrolleure dürfen Fahrgäste, die kein Ticket vorweisen können, bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.

Mitfahrquoten von Schwerbehinderten werden erhoben

Nach DNN-Informationen könnte die wiederholte Kontrolle auf eine noch bis April laufende Schwerbehindertenzählung in der Straßenbahn zurückzuführen sein. Dabei lassen sich Datenerheber, die keine Kontrolleure sind, die Fahrscheine zeigen, um Mitfahrquoten von Schwerbehinderten zu ermitteln. Das ist wichtig für die Nahverkehrsfinanzierung.

Die DVB bestätigen diese Vermutung jedoch nicht. Jedenfalls haben mehrere Personen den 27-Jährigen in kurzer Folge kontrolliert, möglicherweise aus Unachtsamkeit, womöglich auch weil er sich in der Bahn bewegt hat, wie der angebliche Augenzeuge via Twitter schildert. Dann eskalierte die Situation.

Von uh