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Polizeiticker Diese Polizeieinsätze hielten Dresden und die Region 2018 in Atem
Dresden Polizeiticker Diese Polizeieinsätze hielten Dresden und die Region 2018 in Atem
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12:12 25.12.2018
Blumen stehen in Gedenken an eine getötete Schülerin am Bahnhof Pirna; in Löbtau explodiert ein Teil einer Fliegerbombe; ein Ghostbike erinnert an der St. Petersburger Straße an einen tödlichen Unfall. Quelle: sem/dpa/PR
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Dresden

Im Mai rückten die Dresdner Polizei und die Feuerwehr zu einem der größten Einsätze in der jüngeren Geschichte aus: Der zwei Tage dauernden Entschärfung einer Fliegerbombe in Löbtau. In unserem kriminalistischen Rückblick erinnern wir an dieses und andere aufsehenerregende und tragische Ereignisse des Jahres 2018.

Gewalttat in der Neujahrsnacht

1. Januar: Das Jahr beginnt tragisch: In der Silvesternacht ruft eine junge Mutter aus Bühlau den Rettungsdienst. Ihr erst drei Wochen altes Baby sei plötzlich tot. Aufgrund widersprüchlicher Spuren ordnet die Staatsanwaltschaft eine Obduktion des kleinen Körpers an. Die ergibt: Der Junge starb gewaltsam. Die 23-Jährige wird festgenommen und gesteht die Tat. Die Gerichtsverhandlung steht noch aus.

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Dreijährige vom eigenen Vater erstickt

21. Januar: Einsatzkräfte machen an diesem Sonntag im Januar einen schrecklichen Fund: In einer Wohnung in Gorbitz liegt die Leiche eines dreijährigen Mädchens. Die Mutter hatte die Beamten informiert, weil der Vater das Kind nach einem Wochenendbesuch nicht wie vereinbart abgeliefert hatte. Das Mädchen starb eines gewaltsamen Todes. Die spätere Obduktion ergibt: Der Vater hat seine Tochter erstickt. Der 35-Jährige wird noch in der Nacht schlafend in einem Auto in Nossen gefunden.

Dennis Michael Z. Quelle: Monika Löffler

Im September verurteilt ihn das Landgericht wegen Mordes zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld. Laut Anklage war das Motiv Rache an seiner Ehefrau, die sich wenige Monate zuvor von ihm getrennt hatte.

Blutspur führt zum Täter

15. Februar: In einer Wohnung an der St. Petersburger Straße wird die Leiche eines 54-Jährigen entdeckt. Der Algerier starb eines gewaltsamen Todes. erlitt mehrere Stichverletzungen. Eine Blutspur führt aus der Wohnung bis zum Pirnaischen Platz. Die Polizei schlussfolgert: Der Täter muss verletzt sein. Und sie liegen richtig: Am Sonnabend wird ein 53-jähriger Bekannter des Opfers als Tatverdächtiger festgenommen. Er ist an der Hand verletzt.

Motorroller kilometerweit mitgeschleift

19. Februar: Horrorunfall in der Nacht: Der betrunkene Fahrer eines VW Phaeton rast auf dem Zelleschen Weg in einen vorausfahrenden Mopedfahrer. Das Zweirad verkeilt sich im Kühlergrill, wird kilometerweit mitgeschleift, bis der Phaeton anfängt zu brennen. Erst da hält der Unfallfahrer an. Sein Opfer, ein 45-Jähriger, landet nach dem Aufprall 50 Meter weiter schwerst verletzt auf der Straße. Er stirbt am Nachmittag in einer Klinik.

Erst als der Wagen zu brennen begann, weil der Roller Funken schlug, hielt der Fahrer an. Quelle: xcitepress

Bei dem 31 Jahre alte Unfallfahrer werden 1,54 Promille Atemalkohol gemessen. Eine Führerschein hat der mehrfach einschlägig vorbestrafte Mann nicht. Er wird im Juli wegen fahrlässiger Tötung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheit im Verkehr und Unfallflucht zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Mysteriöser Angriff im Seniorenheim

14. März: Es ist ein Fall, der bis heute Rätsel aufgibt. In einem Seniorenheim im Dresdner Westen sticht ein Pfleger unvermittelt auf eine 37-Jährige ein, die gerade ihre Großmutter besuchte. Danach stürzt sich der 59-Jährige aus einem Fenster im vierten Stock. Er stirbt sofort, sein Opfer einen Tag später im Krankenhaus. Den Ermittlungen zufolge verband beide keine Beziehung. Die Motivlage bleibt ungelöst.

Sexueller Missbrauch in Striesener Kita

15. Mai: An diesem Tag erstattet der Dresdner Eigenbetrieb Kindertagesstätten Anzeige gegen einen seiner Praktikanten. Der 23-Jährige soll in einer Striesener Kita vier Kinder sexuell missbraucht haben. Er wird sofort entlassen, alle Eltern der Kita werden einen Tag später schriftlich informiert. Die Öffentlichkeit erfährt erst im Juni von den Vorfällen, „um die Ermittler bei ihrer Arbeit nicht zu behindern“, heißt es von Seiten der Stadt.

Am 31. August wird der 23-Jährige in Untersuchungshaft genommen, im Oktober erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Dresdner. Ein Termin für das Verfahren steht noch aus.

Tödlicher Stromschlag

20. Mai: Jugendlicher Übermut kostet eine 17-jährige Schülerin das Leben. Das Mädchen klettert in der Nacht im Bahnhof Pirna auf eine Elektro-Lok und wird vom einem Hochspannungsblitz getroffen. Sie ist sofort tot. Eine Mitschülerin, die das Geschehen mit ansieht, steht unter Schock.

Blumen und Kerzen im Gedenken an verstorbene Schülerin am Pirnaer Bahnhof. Quelle: Junes Semmoudi

Beide haben sich den Ermittlungen nach auf die Lok setzen und auf ihre S-Bahn warten wollen. Ein Discobesuch war das Ziel der Schulkameradinnen, die gerade ihre letzte Abi-Klausur geschrieben hatten.

Mörder in der Königsbrücker Heide eingekesselt

12. bis 15. Mai: Ein zuvor völlig unbescholtener Kaditzer ersticht an einem Sonnabend seine 75-jährige Nachbarin und flieht in die Königsbrücker Heide. Dort kesselt ihn schließlich ein großes Polizeiaufgebot mit Spezialkräften aus mehreren Bundesländern in einem leerstehenden Garnisonsgebäude ein. Doch Robert K. will nicht aufgeben, schießt auf die Einsatzkräfte. Er verletzt einen Diensthund schwer und trifft einen Polizisten am Arm. Der verletzte Diensthund überlebte, ist jedoch seither dienstunfähig.

Suche nach Mordverdächtigem aus Dresden

Letztlich richtet sich der ehemalige Bundeswehrsoldat und Sportschütze selbst. Am Dienstag wird seine Leiche gefunden. Im Nachgang stellt sich heraus: Der 33-Jährige hatte am 10. Mai betrunken in seiner Wohnung randaliert. Die später getötete Nachbarin rief die Polizei. Die Beamten nahmen den Dresdner zur Ausnüchterung mit und kassierten auch seine Waffen – zwei Pistolen und fünf Langwaffen, ordnungsgemäß registriert und aufbewahrt – vorsichtshalber ein. „Dass man ihm das Spielzeug geraubt hat, könnte der Grund gewesen sein, dass er so austickt“, erklärte Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar.

Zweitägige Bombenentschärfung in Löbtau

22. bis 25. Mai: Knapp 48 Stunden hält eine Fliegerbombe in Dresden-Löbtau Polizei, Feuerwehr, Kampfmittelspezialisten und 8000 Anwohner in Atem. Bauarbeiter legten den 250 Kilogramm schweren britische Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg an der Ecke Löbtauer und Wernerstraße frei. Es folgt ein Nervenkrimi. Das Zündhütchen ist eingedrückt, bei jeder Drehung droht die Detonation. „Da stellen sich einem die Nackenhaare auf“, schildert Holger Klemig, Leiter der Kampfmittelzerlegung, seine Gefühlslage gegenüber den DNN.

Nach 48 Stunden war der Spuk endlich vorbei. Die Polizei gab am Donnerstagnachmittag Entwarnung. Von dem bei Bauarbeiten in Löbtau gefundenen Blindgänger geht keine Gefahr mehr aus.

Zwei Pflegeheime und eine geriatrische Klinik müssen geräumt werden. Die Experten der Kampfmittelbeseitigung versuchen per „Fernsteuerung“, den Zünder hinauszudrehen. Das misslingt, die Bombe detoniert teilweise. Ein spektakulärer Anblick:

Bei dem Versuch einer Entschärfung per Fernsteuerung ist es zu einer Teildetonation einer gefundenen Weltkriegsbombe gekommen. Quelle: dpa/Marco Klinger

Der rundherum errichtete Schutzwall fängt Feuer. Erst am Donnerstagnachmittag kann die Feuerwehr Entwarnung geben, die Anwohner dürfen wieder in ihre Häuser.

Tödlicher Badeunfall

15. Juli: Ein harmloser Sonntagausflug an die Elbe endet katastrophal. Ein zehnjähriger Junge aus Syrien ist mit Freunden am Flussufer unterwegs. In der Nähe des Fährgartens geht er am Nachmittag ins Wasser, um sich abzukühlen – der Sommer ist sehr heiß. Die trotz des niedrigen Pegels recht starke Strömung reißt das Kind mit. Seine Freunde holen Hilfe, herbeigeeilte Erwachsene und Rettungskräfte suchen fast eine Stunde den Fluss ab.

Rettungskräfte am Elbufer suchten fast eine Stunde nach dem vermissten Jungen. Quelle: Roland Halkasch

Der Rettungsdienst kann das Kind schließlich an einem Pfeiler der Albertbrücke aus dem Wasser bergen. Er wird zunächst erfolgreich reanimiert, stirbt aber später im Krankenhaus.

Geschwister in Gorbitz getötet

28. Juli: Erneut wird in Dresden mutmaßlich ein Vater zum Täter: Die Polizei findet in der Wohnung des verdächtigen 55-jährigen Mosambikaners seine zwei toten Töchter. Der zu diesem Zeitpunkt stark alkoholisierte Vater wird festgenommen. Die Obduktion der drei und sechs Jahre alten Mädchen ergibt, dass sie eines gewaltsamen Todes starben. Der Tatverdächtige war bereits zuvor gegenüber der getrennt lebenden Mutter gewalttätig geworden. Eine Anklage steht noch aus.

Schläfer verursachen schweren Waldbrand

2. und 3. August: Zwei Tage lang wütet ein Waldbrand im extrem ausgetrockneten Nationalparkgebiet rund um die Bastei. Hunderte Feuerwehrmänner legen hunderte Meter Schlauch in das schwer zugängliche Gebiet. 4000 Quadratmeter Wald stehen in Flammen und können nur unter größter Mühe gelöscht werden. Die Kosten summieren sich auf gut 60.000 Euro.

Waldbrand an der Bastei

Im Brandgebiet entdecken die Einsatzkräfte eine illegale Boofe – eine Nachtunterkunft in der freien Natur. Das „boofen“ ist nur an extra ausgewiesenen Stellen erlaubt. Das ist den Schläfern offenbar bekannt gewesen, denn sie ließen in der Eile allerhand Zeug zurück, unter anderem Campingkocher, Klappstühle und zwei Ukulelen. Zeugen melden, zwei verdächtige Männer in der Gegend gesehen zu haben. Sie sind bis heute nicht identifiziert.

Tödlicher Dooring-Unfall

13. August: Die Unachtsamkeit eines Autofahrers kostet eine 45-Jährige das Leben. Sie fährt an diesem Montagmorgen mit dem Rad auf dem Radweg der St. Petersburger Straße, als sich urplötzlich vor ihr eine Autotür öffnet. Die Frau prallt gegen die geöffnete Tür, schleudert auf die Hauptverkehrsstraße und wird dort von einem BMW überrollt.

Ein weißes Fahrrad erinnert an die getötete 45-Jährige. Quelle: Initiative Ghostbikes Dresden

Vier Tage später stirbt die Radfahrerin im Krankenhaus. Mitte August stellt die Initiative „Ghostbikes Dresden“ ein weißes Gedenkrad an der Unfallstelle auf.

Prügelei unter Musikern

11. August: Hip-Hopper sind zuweilen derb in ihrer Wortwahl und dem selbstgewählten Image. Die Dresdner „Vorzeige“-Crew KMN hat an diesem späten Samstagabend im August gleich die Fäuste, aber auch Eisenstangen und Messer sprechen lassen. Ein Streit zwischen einem Teil der Musikergruppe und Gästen eines Cafés am Hauptbahnhof eskaliert so weit, das ein 23-jähriger Iraker schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden muss.

Die Polizei nimmt in den folgenden Stunden sieben Beteiligte an unterschiedlichen Orten fest. Alle sieben und auch der Schwerverletzte gehören zur KMN-Gang und werden wieder auf freien Fuß gesetzt. Ermittelt wird gegen sie wegen Landfriedensbruchs sowie gefährlicher Körperverletzung – und das nicht zum ersten Mal.

Tödlicher Streit bei der Obstabgabe

27. August: Ein Streit zwischen zwei Rentnern vor einer Kelterei in Arnsdorf endet an diesem Montag tödlich. Ein 74-Jähriger will sich bei der Obstabgabe vordrängen. Sein Wagen steht auf der Zufahrt zur Kelterei, er streitet sich mit einer anwesenden Frau.

DIe Zufahrt, auf der sich das Renterdrama abspielte. Quelle: xcitepress

Ein weiterer Rentner, 77 Jahre alt, eilt der Dame zu Hilfe und stellt sich vor das Auto des Dränglers. Der steigt ein und gibt Gas. Sein Kontrahent stürzt. Er verletzt sich so schwer am Kopf, dass er kurze Zeit später im Krankenhaus stirbt. Die Polizei ermittelt vorerst zum Verdacht einer Körperverletzung mit Todesfolge.

Von Franziska Kästner