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Dresden Lokales Wenn diese Dresdnerin Spiele am PC zockt, sehen Hunderte zu
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12:00 08.07.2019
Gamerin aus Leidenschaft: Marie Wiedenbeck an ihrem Arbeitsplatz. Seit vier Jahren schalten ihre Fans ein, wenn sie Videospiele spielt.
Gamerin aus Leidenschaft: Marie Wiedenbeck an ihrem Arbeitsplatz. Seit vier Jahren schalten ihre Fans ein, wenn sie Videospiele spielt. Quelle: Foto: Anja Schneider
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Dresden

„Hereinspaziert.“ Marie Wiedenbeck öffnet die Tür und führt durch ihre kleine Oase. Ein modernes Mikrofon steht auf dem Schreibtisch, daneben zwei Computerbildschirme und eine bunte Gaming-Tastatur. An der Wand hängen Plakate von Computerspielen und Fantasy-Serien, im Regal stehen Figuren aus dem Star-Wars-Universum.

Etwa 48 Stunden verbringt Marie monatlich hier, in ihrem Home-Office. Meistens läuft dabei ihre Webcam – denn Marie ist Streamerin. Unter dem Pseudonym „xMeowlinax“ stellt die Dresdnerin regelmäßig Live-Videos ins Netz. Über das Streaming-Portal „Twitch“ können Fans dabei zuschauen, wie sie am Computer spielt.

Der Weg ins Wunderland

Heute wird weltweit der Tag der Videospiele gefeiert – und damit die Vielfalt der Gaming-Welt. „Ich war schon immer fasziniert davon, was sich die Spiele-Entwickler alles einfallen lassen“, sagt Marie. „Heutzutage kommt noch die sensationelle grafische Umsetzung dazu.“

Ihre zwei älteren Brüder haben Marie Wiedenbeck den Weg ins Wunderland der Computerspiele gewiesen. Als Kind daddelte sie auf dem Gameboy, im zarten Alter von sieben Jahren bekam sie ihren ersten Computer geschenkt – und mit dem Jump’n’Run-Klassiker „Commander Keen“ ihr allererstes Videospiel.

Im Januar 2015 hat sich Marie dann bei „Twitch“ angemeldet. Nach zwei Jahren wurde sie zum „Twitch“-Partner ernannt. Für diese Partnerschaft müssen die Nutzer regelmäßig streamen, eine bestehende und stetig wachsende Zuschauer-Community haben.

Seit vier Jahren schalten Nutzer ein, wenn „xMeowlinax“ streamt. Marie spielt vorwiegend Story-Games und Horrorspiele, die Übertragungen dauern in der Regel drei bis vier Stunden. Mittlerweile hat sich die 25-Jährige eine stattliche Fangemeinschaft aufgebaut: Fast 14 000 Menschen folgen ihrem „Twitch“-Profil. Zu Hochzeiten verfügt sie außerdem über 150 Abonnenten, die jeden Monat einen Abo-Beitrag zahlen.

Hauptsache anders

Die Streaming-Branche boomt: Im letzten Jahr verbuchte „Twitch“ rund 150 Millionen Zuschauer pro Monat. Nicht jedem mag sich der Sinn des Gaming-Voyeurismus erschließen. Marie begründet den Hype mit dem Entertainment-Faktor: „Wenn im Fernsehen eine Unterhaltungssendung läuft, dann schaut man sie sich ja auch mal mehrere Stunden an“, meint sie. Im Endeffekt sei „Twitch“ eine Art TV-Ersatzprogramm.

Wer sich gegen zwei Millionen aktive Streamer durchzusetzen will, muss anders sein. Marie gibt sich als die etwas verpeilte, emotionsgeladene Tierfreundin. Kater Diego läuft regelmäßig durchs Livebild, auch Hund Naoki wird gerne mal in Szene gesetzt. In ihren Videos schreit, weint und lacht „xMeowlinax“ – Videospiele nehmen sie mit auf eine Achterbahn der Gefühle, sagt die Gamerin.

Ein erfolgreicher Streamer muss aber auch bereit sein, sein Privatleben mit der Online-Community zu teilen. So hat Marie schon mit ihrer Mutter gestreamt, vor der Webcam Plätzchen gebacken oder ihren Geburtstag gefeiert. „Das gehört dazu. Bei langweiligen Streams schalten die Leute weg.“

Anfängliche Skepsis

Als sie mit den Live-Videos anfing, stieß Marie im Freundeskreis auf Widerstände. Auch ihre Eltern konnten zunächst nichts mit dem Hobby anfangen. „Für sie waren ,Gaming’, ,Streaming’ und ,Twitch’ nur Fremdbegriffe“, erinnert sich die Spiele-Liebhaberin. Inzwischen haben sich Freunde und Eltern aber damit arrangiert – und erkunden sich regelmäßig über den aktuellen Stand.

Es könnte auch wirklich schlechter laufen für „xMeowlinax: Mit Abo-Zahlungen und Spenden hat sie ihren Gaming-Rechner und das Mikrofon finanziert. Allein vom Streaming leben kann Marie allerdings nicht. 2017 hat sie daher eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bei Gamestop begonnen, der weltweit größten Handelskette für Videospiele.

Auch wenn PC-Games für Marie nicht unverzichtbar sind, so nehmen sie doch im Leben der Dresdnerin viel Raum ein. Im April war sie auf der Messe „TwitchCon“ in Berlin zu Gast, jedes Jahr fährt sie zur großen LAN-Party „DreamHack“ nach Leipzig.

Dass es in Dresden vergleichsweise wenige Streamer gibt, findet Marie schade: „Hier gibt es keine große Gamer-Gemeinschaft, die Hotspots liegen eher in Berlin oder Köln. Über ein paar neue Gesichter vor der Kamera würde ich mich aber sehr freuen.“

Von Junes Semmoudi