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Lokales Zweifel an der neuen Intendantin
Dresden Lokales Zweifel an der neuen Intendantin
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15:57 21.03.2018
Die Designierte Operetten-Intendantin Kathrin Kondaurow. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

CDU-Fraktionsvorsitzender Jan Donhauser sah sich zu einer Klarstellung veranlasst: „Wir stehen hinter dem Vorschlag der Findungskommission“, erklärte er am Mittwoch im Rathaus. Die Besetzung der Nachfolge von Wolfgang Schaller, Intendant der Staatsoperette Dresden, hat den politischen Raum erreicht. Das ist wenig verwunderlich, muss doch schließlich der Stadtrat über dem Personalvorschlag zustimmen.

Die Findungskommission hatte die 34-jährige Kathrin Kondaurow vorgeschlagen, seit 2012 als Musiktheaterdramaturgin am Deutschen Nationaltheater Weimar tätig. Die 34-Jährige stellt sich jetzt den Stadtratsfraktionen vor und war am Dienstagabend bei den Grünen und Linken vorstellig geworden.

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Für Michael Schmelich, Finanzpolitiker der Grünen, ist der Besetzungsvorschlag mindestens zu hinterfragen. „Die Neubesetzung der Intendantenstelle der Operette ist die vorläufig letzte Chance, Versäumnisse zu korrigieren und ein überzeugendes Zukunftskonzept zu realisieren“, erklärte er gegenüber DNN. Die Stadt habe über 100 Millionen Euro in die Hand genommen, um Operette und theater junge generation neu aufzustellen. Strukturell seien die beiden Institutionen aber eine Baustelle geblieben.

Bei der Ausschreibung der Stelle hätten konzeptionelle Überlegungen aber eine deutlich geringere Rolle als künstlerische Aspekte gespielt. Es müsse hinterfragt werden, so Schmelich, warum ein großes Musiktheater mit einer Berufsanfängerin besetzt werden solle. Der Grünen-Stadtrat weiß sich einer Meinung mit SPD-Kulturpolitiker Wilm Heinrich, der die fehlende Führungserfahrung von Kondaurow kritisiert hatte.

Die SPD-Fraktion ist laut ihrem Vorsitzenden Christian Avenarius noch nicht festgelegt. Heinrich werde sich mit der Bewerberin noch einmal treffen, dann werde man in aller Sachlichkeit beraten. In seiner eigenen Fraktion stößt Schmelich auf erheblichen Widerstand: Kulturpolitikerin und Fraktionsvorsitzende Christiane Filius-Jehne hat in der Findungskommission mitgearbeitet und kontert alle Einwände. Unter anderem mit Verweis auf die von Kondaurow vorgelegte, überzeugende Konzeption für die Staatsoperette.

Neben Filius-Jehne verweist auch Donhauser auf die positiven Stellungnahmen von Personalrat der Staatsoperette und Bühnenverein. Er warnt davor, den Vorschlag „schlechtzureden“. „Das führt nur zu Verunsicherungen.“ Schmelich hingegen verweist auf die kultur- und finanzpolitische Weichenstellung, die mit der Personalentscheidung verbunden ist. „Die Zielstellung zu erfüllen, traue ich der Kandidatin nicht zu.“

Der Stadtrat entscheidet auf einer seiner nächsten Sitzungen die Personalie. Die neue Intendantin soll in der Spielzeit 2018/2019 von Schaller eingearbeitet werden und ab 2019/2020 die Verantwortung übernehmen.

Von Thomas Baumann-Hartwig