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Lokales Zwei Stunden im Stau – ein Erfahrungsbericht
Dresden Lokales Zwei Stunden im Stau – ein Erfahrungsbericht
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10:27 23.05.2018
Dicht an dicht standen die Autos im Dresdner Westen. Quelle: Archiv
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Dresden

Man sollte die Abläufe am Morgen ändern. Vor der Abfahrt einen Blick ins Internet werfen. Ein normaler Mittwochmorgen. Zwei Kinder sind in die Stadt in den Kindergarten zu bringen. Die Schule hat wieder begonnen. Es ist mit mehr Verkehr als am Dienstag zu rechnen. Wir rollen fünf Minuten früher als sonst in Gompitz los.

Vor der Kreuzung zur Julius-Vahlteich-Straße bahnt sich Unheil an: Stau. Die Schlange bewegt sich keinen Millimeter. Wahrscheinlich ein Unfall im Bramschtunnel, dann eben über die Kesselsdorfer Straße. Doch die ist auch zugestaut. Neuer Plan: Über Malterstraße, Stollestraße und Rudolf-Renner-Straße zur Pennricher Straße. Wäre doch gelacht, wenn wir den Stau nicht umfahren könnten.

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Wir können nicht. Wieder Auto an Auto. Es geht nicht vor und nicht zurück. Langsam dämmert es mir: Es handelt sich um ein etwas komplexeres Verkehrsgeschehen. Ich bereite die Kinder darauf vor, dass es mit dem Frühstück im Kindergarten wohl nichts wird. Wenden und zurück zur Kesselsdorfer Straße. Nächster Versuch: über die Wendel-Hipler-Straße zur Saalhausener Straße.

Die Sonne geht auf, es wird warm im Auto, die Kinder haben Hunger. Es geht im Schritttempo voran und ich plane in größeren Dimensionen: Die Saalhausener Straße ist Richtung Zentrum zugestaut, fahren wir doch über Freital. Die Tankanzeige bewegt sich weiter nach links, aber die Warnlampe leuchtet nicht. Endlich rollt es. Ungebremst kommen wir durch Pesterwitz und malen uns aus, was im Morgenkreis erzählt werden könnte.

Auch in Freital rollt es prima. Bis zur Go-Tankstelle auf der Tharandter Straße. Rote Bremslichter, Stau, Schritttempo. Wir haben eine Brotbüchse mit dem Frühstück für den Großen an Bord. Die Kinder teilen sich friedlich den Inhalt. Für Unterhaltung sorgen zwei Auffahrunfälle. Mir dämmert es, dass das Ganze wohl mit dem Bombenfund zu tun hat.

Es geht nicht voran und ich kann per handy im Kindergarten mitteilen, dass es wohl etwas später wird. Kein Problem, so die freundliche Ansage, vielen geht es heute so wie uns. Eine Erzieherin sei sogar evakuiert worden, andere stünden im Stau, viele Kinder seien noch nicht da.

Wir fahren durch den Tunnel Tharandter Straße, ein Meilenstein, ein Lichtblick. Am Kreisverkehr an der Hofmühle kämpfen einige Autofahrer um ihre Vorfahrt, als wenn es kein Morgen gäbe. Irgendwann setzt sich Gelassenheit durch. Wir kommen sowieso zu spät. Ob wir jetzt ein Auto mehr oder weniger durchlassen, macht keinen Unterschied.

Den Kindern wird warm. Mir auch. Wir ziehen die Jacken aus. Die Ampel zeigt Rot. Dann Grün. Zwei Autos kommen über die Kreuzung. Rot. Dann zuckeln wir über Altplauen bis zur Hohen Straße. Natürlich: Jetzt blockiert ein Müllauto die Weiterfahrt. Ausgerechnet heute. Aber das Ziel ist nah, die Straßen sind frei. Kein Wunder. Viele hinter uns stehen im Stau. Wir nicht mehr. Kindergarten erreicht. Der Große schlüpft ins Gruppenzimmer. Die Kleine muss in eine andere Gruppe. Als ich mich verabschiede, kommt ihre Erzieherin. Sie musste aufs Fahrrad umgesteigen.

Zwei Stunden für eine Strecke, die sich normal in 25 Minuten bewältigen lässt. Mindestens drei Lehren: Früh noch einmal ins Internet schauen oder Radio hören. Immer etwas zu Trinken an Bord haben. Und nie den Tank bis auf den Strich leer fahren, um ein paar Cent zu sparen. Ich rolle zur nächsten Tankstelle.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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