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Lokales „Zurück ins Leben“: Vier Dresdner erzählen von Schicksalen, die Mut machen sollen
Dresden Lokales „Zurück ins Leben“: Vier Dresdner erzählen von Schicksalen, die Mut machen sollen
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08:43 23.05.2019
Symbolfoto Quelle: Daniel Karmann/dpa/dpa-tmn
Dresden

Die meisten Schicksale sind nicht neu, sind durch die Medien gegangen und haben für Furore gesorgt. Und dennoch berühren sie immer wieder: Dass Leukämie, Burn-Out, Drogensucht und Querschnittslähmung keine Todesurteile sind, haben Betroffene zum zehnten Tag der Gesundheit an der TU Dresden noch einmal bekräftigt.

Sophie Hauenherm: Los, du tanzt jetzt!

Sophie Hauenherm tanzt seit sie vier Jahre alt ist. Und sie tanzt auch am Tag der Gesundheit im Hörsaal der Technischen Universität (TU) Dresden. Ihre Krücken braucht sie dafür nicht. Dass ihr die Ärzte im letzten Jahr noch die Prognose gaben, wahrscheinlich nie wieder laufen zu können, ist bei dieser Performance kaum zu glauben.

Sophie Hauenherm begann ihre Ausbildung zur Tänzerin mit zwölf Jahren. Eine Entzündung machte ihren Traum fast zunichte. Quelle: Anja Schneider

Bei der Untersuchung wurde endlich die Ursache für die Schmerzen und sich ausbreitende Lähmung gefunden: Eine bakterielle Entzündung in der Brustwirbelsäule. Es folgten fünf Monate Krankenhausaufenthalt und Reha. Sophie machte Sport, so viel sie konnte. Ihren Lebensmut verlor sie in der Zeit nie. Für sie war klar: Ich werde tanzen. Ihre Familie und ihre Freunde waren dabei die größte Stütze, wie sie erzählt: „Ich saß im Rollstuhl und meine beste Freundin sagte plötzlich ,Tanz!’. Ich verstand nicht, wie das denn gehen solle. Doch sie blieb hart und forderte ,Los, du tanzt jetzt!’“ Und Sophie tanzte.

Ihren Abschluss tanzte sie im Sitzen, der Rollstuhl blieb seit Februar unbenutzt. Von der Prognose ihrer Ärzte hat sie sich nie entmutigen lassen. Ihre Botschaft an sie lautet fast zwei Jahre nach der Diagnose Querschnittslähmung: „Ihr habt mir gesagt, ich kann nie wieder laufen und jetzt tanze ich auf zwei Beinen.“

Ernst Peter Richter: Leben retten, das hat jeder im Blut

Ernst Peter Richter erkrankte vor mehr als zehn Jahren an Blutkrebs. Inzwischen organisiert er Typisierungen an den Dresdner Universitäten. Quelle: Anja Schneider

Trotz vieler Komplikationen überlebte Ernst Peter Richter die Krankheit und wurde im Herbst aus dem Krankenhaus entlassen. „Das Fallen der Laubblätter hat mich völlig fasziniert“, erinnert sich Ernst Peter. Einfach mal wieder einkaufen gehen – nach so vielen Monaten im Krankenhaus waren es die kleinen und alltäglichen Dinge, die ihn glücklich machten und es seitdem immer noch tun.

Das ist gute zehn Jahre her. Heute sucht er mit seiner vor vier Jahren gegründeten Initiative AIAS Dresden genetische Zwillinge. „Leben retten, das hat jeder im Blut“, sagt er und meint damit Stammzellen, die einem anderen Menschen auf der Welt, der an Blutkrebs erkrankt ist, das Leben retten können. Mit seiner Initiative hat er bereits 6000 Typisierungen durchgeführt, 30 Leben konnten bereits gerettet werden.

Eric Stehfest: Ich habe meinen Tod geplant

Schauspieler Eric Stehfest betäubte sein Kindheitstrauma mit Crystal Meth. Nach neun Tagen ohne Schlaf fasste er einen Entschluss. Quelle: Anja Schneider

Mit 14 Jahren rutscht er in die Drogensucht ab, gebeutelt von Traumata aus seiner Kindheit, leidend durch eine fehlende Vaterfigur. Während seines Schauspielstudiums baute er sich ein Lügenkonstrukt auf, um die Sucht zu vertuschen, wie er erzählt. Doch dort stößt er plötzlich auf Empathie und kann dieses Konstrukt nicht lange aufrechterhalten. Trotzdem macht er weiter, fällt schließlich in einen neun Tage andauernden Rausch, der ihn nicht schlafen lässt. Am vierten Tag beginnt er, Stimmen zu hören. In den Tagen darauf plant er seinen Tod, schreibt auf, welche Mittel er nehmen wolle, damit Rettungskräfte ihn vielleicht doch noch retten können.

Trotz Drogencocktail wachte er nach diesem Höllentrip wieder auf und entschied sich für das Leben. Inzwischen konnte er seine Probleme aufarbeiten und hat damit nicht nur sich selbst geholfen: „Meine Familie kann mir dankbar sein, durch familiäre Heilung hat sich die Liebe bei uns gefestigt.“

Ralf Minge: Nach dem nächsten Sieg ist Schluss

Ralf Minge ist Sport-Geschäftsführer bei Dynamo Dresden. Die Liebe zu seinem Verein kostete ihm fast die Gesundheit. Quelle: Anja Schneider

Er berichtet, wie er 2014 von Bayer 04 Leverkusen zu Dynamo Dresden wechselt und Rudi Völler ihn fragt, ob er unter Drogen stehe, so eine Entscheidung zu treffen. Immerhin stand der Dresdner Verein damals kurz vorm Abstieg in die dritte Liga und war hochgradig verschuldet. Doch Minge nahm sich dieser „Herkulesaufgabe“ an. Zwei Jahre später folgte der Wiederaufstieg in die zweite Liga, mehr als acht Millionen Euro Schulden konnten abgebaut werden. „Da war schon ein Punkt erreicht, der nicht mehr gesund war“, erinnert sich Minge. 2017 folgten extreme Schlafstörungen, die er mit nächtlichen Spaziergängen kompensierte. „Ich wachte nachts halb zwei auf und war fokussiert wie vor einem Punktspiel“, beschreibt er die damalige Situation. Die Weihnachtszeit wurde zur Qual, seine eigenen Enkel habe er nicht ertragen können, ein schlimmer Tinnitus quälte ihn.

Im März 2018 sagte er sich noch: „Nach dem nächsten Sieg ist Schluss!“ Doch soweit kam es nicht mehr. Eine schwere Virusinfektion zwang ihn in die Knie. Er machte die Erkrankung öffentlich und nahm sich eine lange Auszeit, die er mit Therapien und viel frischer Seeluft an der Ostsee füllte – stets mit dem Ziel vor Augen: „Ich komme wieder!“. Und er kam wieder. Inzwischen hat sich trotzdem einiges geändert, wie Minge berichtet: „Ich schließe nur noch Jahresverträge ab, damit ich nicht zu weit vorausplane. Außerdem beginnt nun jeder Tag mit einem handyfreien Spaziergang“.

Der Gesundheitsdienst der TU Dresden

Studenten und Beschäftigte der Technischen Universität Dresden können sich beim hauseigenen Gesundheitsdienst zu allen Aspekten des gesunden Arbeitens beraten lassen. Das Ziel des Dienstes ist es, arbeitsbedingten Gesundheitsprobleme oder Berufskrankheiten vorzubeugen und gleichzeitig die Gesundheit des Einzelnen zu fördern.

Wer einen Termin vereinbaren will, muss vorab einen Erhebungsbogen ausfüllen. Der Gesundheitsdienst sitzt einmal im Wohnheim des Studentenwerkes und am Nürnberger Ei. Außerdem sind die Mitarbeiter jederzeit telefonisch unter der Tel. 463 361 99 erreichbar.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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