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Lokales Zuhause bei ... Medizinstudentin Sjannie van der Loo
Dresden Lokales Zuhause bei ... Medizinstudentin Sjannie van der Loo
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09:54 17.01.2019
Sjannies Bett im viktorianischen Stil ist ihr liebster Ort zum Lesen und Lernen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Der Schlüsselbund rasselt im Schloss, als Sjannie van der Loo die Tür zu ihrer Wohnung aufschließt. Lächelnd öffnet sie. „Hereinspaziert“, sagt sie und winkt mit einer einladenden Geste, ihr kleines Reich zu betreten. Wir folgen ihr in die Ein-Zimmer-Wohnung, ihr Kaffee steht noch dampfend auf dem Küchentisch. „Ich komme von der Nachtschicht“, verrät sie schmunzelnd, als sie meinem Blick folgt. „Den Kaffee brauche ich dann morgens erstmal. Meistens frühstücke ich danach noch, dann lege ich mich erstmal schlafen.“

Seit geraumer Zeit arbeitet die 24-Jährige in einem Schlaflabor – nicht der typischste Studentenjob. Aber auch Sjannies Wohnung ist alles andere als die typische Studentenbude. Ein ausgefallenes Möbelstück reiht sich hier ans andere. Eine grüne Küche, ein gusseisernes Bett, ein floral gemusterter Sessel, ein roter chinesischer Hochzeitsschrank – was auf den ersten Blick nicht so klingt, als ob es zusammenpasst, tut es irgendwie doch. Den Beweis dafür liefert Sjannies Wohnung. „Meine Eltern besitzen ein Möbelhaus in Worms“, verrät die Studentin. „Mein Papa hat die Wohnung mit mir eingerichtet. Hier stehen fast nur Möbelstücke, die er gerne behalten möchte. „Das macht es so außergewöhnlich.“

Seit mehr als drei Jahren wohnt sie nun in Dresden und studiert hier Medizin. „Ich wusste früher nicht so recht, was ich werden wollte. Nach einem Praktikum im Krankenhaus war es mir allerdings schnell klar. Das hat sich einfach richtig angefühlt“, erzählt sie. Nach Dresden hat sie es dann durch Zufall verschlagen. Heute ist sie froh darüber und hat die Stadt lieben gelernt.

Mit ihr wohnen noch sechs andere Mieter in der oberen Etage des Hauses. Insgesamt befinden sich dort sechs Wohnungen. In den anderen Etagen sind ein Restaurant und eine Kanzlei angesiedelt. „Überraschend, nicht? Es sieht auf den ersten Blick nicht so groß aus, ich weiß. Das Haus gleicht einer Wundertüte“, sagt sie lachend.

Liebe auf den ersten Blick

Das Licht fällt durch die drei Fenster im Türmchen, das den Erker für das Wohnzimmer der Wohnung bildet. Dort steht ihr Schreibtisch aus Teakholz, darauf ein Globus und Medizinatlanten. Daneben zwei Sofas aus Paletten bedeckt mit bunten Kissen. Daran schließt sich der Hauptraum an, in dem Sjannies Bett und Küche stehen. „Das war damals Liebe auf den ersten Blick, die Wohnung und ich“, erinnert sich die 24-Jährige. „Ich wusste, die muss ich haben.“

Mit zig anderen besichtigte sie 2015 die Wohnung. Schon nach den ersten zehn Minuten versicherte sie dem Makler, die Wohnung sofort nehmen zu wollen. „Damals rief ich meine Mama an und schwärmte ihr vor. Ich bat sie, sofort alle nötigen Unterlagen auszufüllen.“ Mit Erfolg – bereits eine Woche später war der Vertrag unter Dach und Fach.

Das besondere Etwas

Neben den Liebhaberschätzen ihrer Eltern lebt Sjannies Wohnung auch von ihren Flohmarktfunden. Eine Stehlampe aus den Sechzigern, ein altes Fenster oder antike Milchkrüge als Vasen sind nur einige der Käufe. „Ich liebe es, darüber zu schlendern und besondere Stücke zwischen dem Trödel zu entdecken“. Nicht nur Möbelstücke und Accessoires für die Wohnung dürfen da mit, auch für alte Taschen, Uhren und Kleidungsstücke hat die Studentin eine Vorliebe. Deswegen hat es ihr auch die Neustadt so angetan. „Auch dort bummele ich gerne herum. Stöbere die Secondhand-Geschäfte durch und kehre danach in eines der gemütlichen Cafés dort ein. Ich bekenne mich hiermit zum absoluten Kaffee-Liebhaber“, erzählt sie augenzwinkernd.

Besonders muss es sein – sowohl die Wohnung als auch der Kleidungsstil. Da darf es dann eben auch bunt und gemustert zugehen, da können auch Stile und Epochen aufeinandertreffen. „Ich wollte nie die typische Wohnung aus dem Möbelhauskatalog. Ich mag die Kombination aus ausgefallen Einzelstücken, die dann ein Ganzes ergeben. Außerdem soll es individuell sein – so, wie eben auch jeder Mensch anders und einzigartig ist.“

Schuhe stapeln sich in alten Obstkisten, die als Regal fungieren. Darauf befindet sich eine Sammlung von Sjannies Vintage-Taschen. Ausgefallene Kleidungsstücke hängen auf einer Kleiderstange nebeneinander, in einem getöpferten Schälchen liegt eine alte mechanische Uhr. In der Küche thront eine rosa Kaffeemaschine, frische Blumen schmücken die gesamte Wohnung. Man sieht sich um und der Blick bleibt immer wieder an einem neuem, ausgefallen Stück hängen. Mit der Wundertüte hat Sjannie van der Loo gar nicht so unrecht. Nur, dass es sich dabei um ihre eigenen 33 Quadratmeter handelt.

Stücke mit Erinnerungswert

Über dem viktorianischen Bett hängen viele Bilder von ihren Reisen und wichtigen Menschen. Alte Stücke mit Erinnerungswert neben eigenen Erinnerungen, beschreibt Sjannie das Konzept. Schottland, Irland, Holland, Italien – sie ist gerne unterwegs. „Mit jeder neuen Reise finde ich ein Stück mehr zu mir selbst“, meint sie. Vor allem zu Holland hat sie eine besondere Verbindung. „Mein Vater kommt von dort. Deswegen auch der etwas außergewöhnliche Name“, erklärt die 24-Jährige. Jedes Jahr fährt sie wieder dorthin – meist kommt sie mit ein oder zwei neuen Dekoartikeln im Gepäck zurück. „Dort gibt es einfach so inspirierende Einrichtungsläden“, schwärmt sie. Auch die Landschaft und die Menschen haben es ihr angetan. Aber es stehen noch viele weitere Ziele auf Sjannies Liste. „Ich möchte gerne noch nach Südamerika und Afrika. Oder mal mit dem Fahrrad durch Spanien oder Italien“, verrät sie.

Gesund und fit

Allgemein ist die Studentin gerne sportlich aktiv. Auf ihren Reisen wandert Sjannie gerne, in Dresden ist sie meist auf dem Fahrrad unterwegs. Zudem geht sie gerne spazieren und genießt die Nähe ihrer Wohnung zum Großen Garten: „Da finde ich meistens innere Ruhe. Ich kann nachdenken und den Kopf frei kriegen. Danach fühle ich mich ausgeglichener.“

Gesund und ausgewogen leben ist der 24-Jährigen dabei sehr wichtig. Seit einiger Zeit ernährt sie sich deshalb vegan. „Es geht mir dabei nicht darum, andere Menschen bekehren zu müssen. Ich habe mich für diesen Lebensstil entschieden, da ich viele Berichte über Massentierhaltung gesehen habe. Diese haben mir bewusst gemacht, dass ich keine tierischen Produkte mehr zu mir nehmen möchte“, erklärt sie. Vorher hatte sie bereits komplett vegetarisch gelebt. Ihre Ernährungsweise stößt allerdings oft auf Unverständnis. „Das ist wirklich schade. Ich finde es wichtig, sich damit auseinander zu setzen und darüber diskutieren zu können. Für welchen Weg man sich dann letztendlich entscheidet, sollte jedem selbst überlassen sein.“

Spannendes Studium

Drei Jahre Studium stehen Sjannie noch bevor. Wie es so ist, Medizin zu studieren? „Ich glaube weniger aufregend, als die meisten denken. Es ist spannend und lehrreich. Aber man muss auch sehr viel auswendig lernen“, resümiert sie. In drei Jahren muss sie sich dann spezialisieren. Worauf weiß sie noch nicht. „Interessant fände ich innere Medizin, besonders Kardiologie. Mal sehen, wo es mich letztendlich hin verschlägt.“

In den intensiven Prüfungsphasen lernt die Studentin fast immer Zuhause. „Ich bin kein Bibliothek-Gänger. Hier fühle ich mich viel wohler“, sagt sie. Die Wohnung ist ihr stetiger Rückzugsort, auch in dieser stressigen Zeit. Die Decke fällt ihr da zwar schon manchmal auf den Kopf – aber wenn nichts mehr funktioniert, geht sie einfach eine Runde an die frische Luft. Danach sind die Akkus meist wieder aufgeladen.

Neue Freunde

In ihrer Nachbarin hat sie zudem ihre beste Freundin gefunden. „Zufällig sind wir uns damals im Hausflur begegnet. Man muss wirklich sagen, durch Zufall – denn eigentlich begegnen wir Nachbarn uns hier oben total selten. Wieder so etwas Wundersames“, erzählt sie schmunzelnd. Damals verabredeten die beiden sich zum Kaffee trinken. Seitdem sind sie fast unzertrennlich. „Da ist wirklich ein Kindheitstraum wahr geworden. Ich meine, wer wollte als kleines Mädchen denn nicht, dass die beste Freundin nebenan wohnt?“

An ihrem Kaffee nippend, sitzt sie in ihrem Ohrensessel. Man merkt, dass sie sich pudelwohl in ihren vier Wänden fühlt. Doch das war nicht immer so. „Ich habe einige Zeit gebraucht, um in Dresden anzukommen. Mittlerweile kann ich aber sagen, dass die Stadt zu meiner Heimat geworden ist.“ Dabei hat ihr vor allem ihr Lebensmotto geholfen. „Ich habe gemerkt, dass man die Vergangenheit nicht mit in die Gegenwart nehmen sollte und die Zukunft auf sich zukommen lassen sollte. Die Gegenwart ist da, um gelebt zu werden: Ich bin glücklich im Jetzt“, sagt Sjannie. Das glauben wir ihr sofort.

Zur Person

Sjannie van der Loo ist 1994 in Worms geboren und dort auch aufgewachsen. Sie hat niederländische Wurzeln – ihr Vater stammt aus Holland.

2014 hat Sjannie van der Loo ihr Abitur gemacht und anschließend ein freiwilliges soziales Jahr im Krankenhaus absolviert.

2015 folgte eine dreimonatige Ausbildung zur Rettungssanitäterin. Danach zog sie nach Dresden und begann ihr Medizinstudium.

Seit 2016 arbeitet sie im Schlaflabor.

Im Jahr 2017 hat Sjannie van der Loo ihr Physikum bestanden.

Von Annafried Schmidt

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