Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Zuhause bei... DVB-Vorstand Lars Seiffert in seiner Neustadtwohnung
Dresden Lokales Zuhause bei... DVB-Vorstand Lars Seiffert in seiner Neustadtwohnung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:46 16.01.2019
Sechs Kinder haben Kerstin und Lars Seiffert in ihrer Wohnung in der Dresdner Neustadt großgezogen. Deren Herzstück ist die große Wohnküche. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Grauer Wintervormittag in Dresden. In der Nähe des Alaunplatzes in der Dresdner Neustadt wackelt eine unvorteilhaft gekleidete Frau mit unsicheren Schritten über das Pflaster. Warum die Schlagseite? Kommt sie von einer Feier oder geht sie zu ei­ner? Lars Seiffert, Vorstand der Verkehrsbetriebe und seit Jahresbeginn Arbeitsdirektor bei Drewag und Enso, erwartet uns an der Haustür und hat die Szene beobachtet. „Hier gibt es immer etwas zu sehen“, sagt er und schmunzelt. Gemeinsam steigen wir die Treppe bis in den dritten Stock hinauf, wo uns Kerstin Seiffert die Tür öffnet. Hinein geht es in die Neustadt-Wohnung, in der Seifferts seit 1998 leben. Und auch dort ist wie draußen auf den Straßen immer viel los.

Was nicht nur an den sechs Kindern liegt, die das Paar hier großzieht, einen Sohn und fünf Töchter. „Hier in der Wohnung ist immer viel in Bewegung“, sagt Seiffert. Kinderzimmer mussten eingerichtet, zusammengelegt oder künstlich getrennt werden, um für Nähe bei den kleinen und Privatsphäre bei den großen Kindern zu sorgen – und auch den Familienfrieden zu wahren, wenn aus pubertierenden Schwestern für einige Zeit Erzfeinde werden. Zuletzt ging es in der Maisonnettewohnung eher darum, frei gewordenen Platz neu zu belegen: Die vier ältesten Kinder sind ausgezogen. Das Elternschlafzimmer liegt jetzt unten, wo bisher die Kinderzimmer waren. Außerdem gibt es nun ein Gästezimmer und ein Kreativzimmer zum Basteln. „Das wird schon ganz gut angenommen“, sagt Kerstin Seiffert.

Zuhause bei DVB-Vorstand Lars Seiffert

Eines hat sich jedoch nicht geändert: Das Herzstück von Seifferts Reich ist die große Wohnküche im oberen Teil der Maisonnettewohnung. Dort nehmen wir an einem großen Tisch Platz, den Lars Seiffert wie auch die Regale und Küchenmöbel selbst gebaut hat. „Wir sind da ein gutes Team, ich habe eine Idee, er malt gleich alles auf und dann finden wir eine Lösung“, sagt Kerstin Seiffert. „Wir haben dabei immer darauf geachtet, dass es für die Kinder gut ist“, ergänzt ihr Mann. So kommt es, dass der Herd auf dem Kühlschrank steht, wo er aus der Reichweite kleiner Hände ist. Dafür ist unter der Kochplatte – also dort, wo die meisten Menschen ihren Herd einbauen, Platz für ein Regal entstanden. „An den Kochbüchern dort kann sich niemand die Finger verbrennen“, sagt Lars Seiffert.

Am großen Tisch nimmt nicht nur die Familie Platz, die sich inzwischen um Schwiegerkinder und zwei Enkel vergrößert hat. Regelmäßig sind Sonntagnachmittag auch Besucher zu Kaffee und Kuchen hier. Dafür ist eigens an einem Bücherregal eine ausklappbare Bank befestigt, die schnell aufgestellt werden kann und dann Sitzplatz bietet. „Unsere Gäste bringen etwas Gebackenes mit, wir rutschen alle zusammen und dann wird es gemütlich“, sagt Kerstin Seiffert.

Auf den Tisch kommen nur vegetarische Speisen. Die Familie ernährt sich seit 20 Jahren fleischlos. „Heute ist das modern, aber damals war es besonders in Gaststätten schwierig, vegetarische Kost zu bekommen, die nicht nur aus Beilagen bestand“, erinnert sich Kerstin Seiffert. Heute hat sich auch die Industrie auf fleischlose Ernährung eingestellt, was auch Einfluss auf das für Familien so wichtige Frühstücksritual bei Seifferts hat. Mutter Kerstin bereitet jetzt für alle Smoothies mit einem extra dafür angeschafften Mi­xer. „Das schmeckt und Morgenmuffel müssen nicht kauen“, sagt sie und lacht mit Blick auf ihre beiden jüngsten Töchter.

Ansonsten wird in der Küche von Familie Seiffert viel geschnippelt, gern auch gemeinsam. Auch das meint Kerstin Seiffert, wenn sie vom gemütlichen Beisammensein spricht. Obst und Gemüse – das Aus­gangsmaterial für die gemeinsame Speisezubereitung – findet sich in großen Körben, die auf einer Anrichte zu einer Art Gemüsebar zu­sammengestellt sind.

Nur ein Beispiel, wie die Wohnung den Lebensstil der Familie spiegelt. Denn die verzichtet nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf einen Fernseher und auf ein Auto. „Wir haben es vor vielen Jahren mal bewusst ohne ein Auto ausprobiert und dabei gemerkt, dass wir keines brauchen“, sagt Lars Seiffert. Für größere Fahrten und Urlaubsreisen wird ein passendes Gefährt gemietet, der Alltag mit dem Fahrrad oder den Öffentlichen Verkehrsmitteln be­stritten – so einfach geht das. Wobei mancher Weg ein schwerer sein kann. Etwa immer dann, wenn Familienvater Lars bei einem Ökohändler in der Albertstadt die oft auf dem Speiseplan stehenden Kartoffeln besorgt und die schweren Feldfrüchte über den Alaunplatz schleppen muss. „Die übrigen Einkäufe mache ich mit dem Fahrrad, da gehen 25 Kilogramm hinten und 25 vorn drauf – das langt“, sagt Ehefrau Kerstin.

Und der fehlende Fernseher? „Den braucht man nicht, um sich zu informieren – dafür haben wir Internet und nutzen dort auch die Mediathek“, sagt Lars Seiffert. Eine Mattscheibe hätte er in der gemütlichen Wohnküche auch nur als störend empfunden. Statt der Glotze und einer ebenfalls im Seiffert’schen Domizil fehlenden Sitzgruppe dominiert dort der große Tisch und ein Klavier den Raum. Dort spielt mal Lars Seiffert, mal Tochter Sirid. „Wir mögen Hausmusik, spontan oder mit Gästen“, sagt Lars Seiffert, der häufiger noch als in die Klaviertasten zum Cello und zur Flöte greift.

Musik spielt auch sonst eine große Rolle in dem Haushalt, auch wenn sie nicht selbstgemacht ist. Als die ältesten Kinder zur Tanzstunde gingen, wollten auch die Eltern mithalten und haben nach den ersten Schritten auf dem Parkett Feuer gefangen. „Als ich neben dem Beruf studierte, waren die Tanzstunden mit meiner Frau die einzige Zeit, die wir nur für uns hatten“, sagt Lars Seiffert. Gemeinsam schwoften sie durch Anfänger-, Fortgeschrittenen- und Profikurse und wirbeln jetzt wenigstens einmal im Monat bei einem Ball in Dresden oder der Region über die Tanzfläche. Favorit des Paares: der Theaterball der Landesbühnen in Radebeul. In der Wohnküche hängt deshalb eine Diskokugel samt Lichttechnik – die ausgefeilten Choreografien wollen schließlich geübt werden.

Und auch eine weitere Leidenschaft der Familie lässt sich am Interieur ablesen. Die Radwanderkarten im Bücherregal, die sorgsam verstauten Faszienrollen, die Klimmzugstange im Türrahmen. „Die Küche wird auch oft zum Gymnastikzimmer“, sagt Kerstin Seiffert. Alle ihre Kinder seien sportlich. Sportbegeistert ist jedoch vor allem ihr Mann. Im November ist er unter 50 000 anderen den Marathon in New York gelaufen, in diesem Jahr stehen der Oberelbe-Marathon und der Berlin-Marathon auf dem Plan.

Eine echte Leidenschaft verbindet ihn mit dem Rad. Damit legt er nicht nur den Weg zu beruflichen Terminen in der Stadt zurück, sondern rollt auch regelmäßig mit dem Sohn durch den Urlaub. Meist in Gegenden, in denen über längere Distanzen Radrouten ausgewiesen sind. Vor allem die Schweiz hat es ihm angetan. „Natürlich gibt es dort lange, kräftezehrende Auffahrten. Aber die herrliche Landschaft und die langen Abfahrten belohnen die Anstrengung“, schwärmt Lars Seiffert. „Für die Kinder ist es wichtig, dass wir auch mal Zeit nur mit ihnen verbringen“, sagt Kerstin Seiffert zur dieser Vater-Sohn-Auszeit. Mit Tochter Sirid war Lars Seiffert deshalb im vergangenen Jahr auf Paddeltour.

Bleibt eine Frage: Trennen sich Seifferts von der Neustadt-Wohnung, jetzt, wo die Kinder so langsam raus sind? „Diese Frage kam schon, als Lars Vorstand wurde: Und zieht ihr jetzt ins Haus im Grünen?“, erinnert sich Kerstin Seiffert. „Wir ziehen vielleicht mal in eine altersgerechte Wohnung, aber bestimmt nicht aus der Neustadt weg“, gibt sie prompt die Antwort. „Wir haben hier alles, was wir brauchen“, fügt Lars Seiffert an. „Und zu erleben gibt es hier schließlich auch immer etwas.“

Zur Person

Kerstin Seiffert ist 1967 in Dresden, Lars Seiffert 1969 in Zschopau.

Kerstin Seiffert hat 1984-86 Straßenbahnfahrerin gelernt und arbeitet seit 1991 – nach einem Aufenthalt in Thüringen – in diesem Beruf in Dresden. Lars Seiffert kam nach Abitur und Wehrdienst im Jahr 1990 nach Dresden. Er nahm zunächst ein Studium der Elektrotechnik auf, arbeitete dann nach Quereinstieg als Straßenbahnfahrer.

Das Paar lernt sich kennen und heiratet 1994 – ausgerechnet am 11.11. Es bekommt einen Sohn und fünf Töchter, die heute 24, 22, 21, 18, 14 und 9 Jahre alt sind. Es hat zwei Enkel.

Lars Seiffert hat während der Arbeit 2002-2006 ein Fachschulstudium der Verkehrstechnik/Verkehrsmanagement abgeschlossen und 2007-2012 ein Maschinenbaustudium absolviert. Er hat eine steile Karriere bei den Dresdner Verkehrsbetrieben hingelegt. Stationen: 1996-1999 Techniker, 1999-2003 stv. Betriebsleiter Trachenberge, 2003-2012 Leiter zentrale Dienstbesetzung, 2012-2015 Assistent seines Vorgängers Hans-Jürgen Credé, seit 2015 DVB-Vorstand und seit Jahresbeginn Arbeitsdirektor bei Drewag und Enso.

Von Uwe Hofmann

Die eilig errichtete, aber nie bezogene Unterkunft in Johannstadt soll bis Mai abgebaut werden. Einige der Blechbehausungen werden nun doch noch ihrem ursprünglichen Zweck dienen.

16.01.2019

Die Benefizregatta hat in Dresden noch einmal mehr Geld gesammelt als im letzten Jahr. Davon profitieren vier Angebote für Dresdner Krebspatienten – und es gab noch einen Rekord.

15.01.2019

Im Februar bringt die Revue „Holiday on Ice“ mit der Show „Atlantis“ die Legende um das versunkene Inselreich in Dresden auf die Eisfläche. Profiläufer und TV-Stars werden zu erleben sein – und ein junges Mädchen aus Dresden.

15.01.2019