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Lokales Zu Hause bei... Künstlerin Nadine Wölk
Dresden Lokales Zu Hause bei... Künstlerin Nadine Wölk
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09:14 12.01.2019
Zu Hause bei der Dresdner Malerin Nadine Wölk in einem Hinterhaus in der Neustadt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

„Das ist was für die Seele“, meint Nadine Wölk und begutachtet fröhlich die paar Mini-Stollen, die in Reih und Glied am Rand des großen Arbeitstisches liegen. Für Fans hatte sie zum Fest eine neue Kleinstserie des erfolgreichen Stollenprojekts aufgelegt, mit dem sie 2017 die DNN-Kunstauktion bereicherte.

Leben im einstigen Photohaus Emil Voss

Als Rohform stammt das Miniaturgebäck mit der Lizenz zum nächtlichen Leuchten inzwischen aus dem eigenen 3D- Drucker; die etwas abseits stehende Probe-Installation auf einer von allem Nippes befreiten Spieldose ist witzig: Zu „Stille Nacht, heilige Nacht“ dreht der Stollen tapfer seine Runden. „Das ist noch Work in Progress“, erklärt die Dresdner Malerin mit sichtlichem Vergnügen und fragt, ob Tee zum Pfefferkuchen in Ordnung ist.

Gang mit Wow-Effekt

Um Wasser aufzusetzen, muss sie den Raum nicht verlassen, aber eine ordentliche Distanz bis zur Küchenzeile zurücklegen. Denn seit Mai 2018 bewohnt sie zur Miete das einstige „Photohaus Emil Voss“. Das kleine Hinterhaus am Bischofsweg hat sie von einem Architekten übernommen, der den Industriecharme des Gebäudes voll zur Geltung gebracht hat. Vom Untergeschoss aus, wo sie arbeitet und schläft, geht es über eine schlichte stählerne Treppe nach oben. Ein Gang mit Wow-Effekt. Denn dort öffnet sich ein einziger, 60 Quadratmeter großer, sehr hoher Raum mit riesiger Fensterfront und Terrasse. Atemberaubend.

Glücksgriff

Nadine Wölk weiß um die Wirkung und hat noch immer ihre helle Freude daran: „Die Wohnung war für mich ein Glücksgriff“, sagt sie. Klar, das Haus ist kein Schnäppchen, aber es hebt die Lebensqualität enorm. „Nun habe ich endlich Wohnen und Arbeiten zusammen an einem Ort, bin nicht mehr so irre viel unterwegs. Ich kann hier meine Kurse anbieten – im Sommer sogar im Hof. Der Holunder und die riesige Eiche liefern üppig Schatten“.

Die Dresdner Malerin hat zuletzt mit großformatigen Kugelschreiberarbeiten auf sich aufmerksam gemacht. Wir haben sie in ihrem kleinen Hinterhaus in der Dresdner Neustadt besucht.

Noch ist der Umbau nicht ganz abgeschlossen, unten fehlt zum Beispiel noch eine Zwischenwand, um einen Lagerraum abzutrennen. Doch das Atelier zeugt schon von neuen, auch großformatigen Projekten. „Sobald ich mit meinen laufenden Aufträgen durch bin, will ich mir hierfür endlich wieder Zeit nehmen“, sagt Nadine Wölk.

Nein, sie jammert nicht, gar nicht. Aber man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass eine Dozentenstelle beim DRK, Kinder – und Erwachsenenkurse im Atelier, Galeriearbeit, Malerei, Privatleben und Hobbys eine straffe Organisation brauchen, um nicht im Chaos zu enden.

„...inselbegabt, würde ich sagen“

Allerdings: Prioritäten setzen kann die Künstlerin gut.1979 in Wenigenjena geboren – „gottfrei, aber leider nicht in einer freien Welt“ – musste sie nur zehn Jahre warten, ehe die DDR das Zeitliche segnete und ihr für die Zukunft neue Wege offen standen. Wo ihre Stärken liegen, wusste sie jedoch schon lange vorher. „Ich kann nicht tanzen oder singen, bin nicht wirklich sportlich, habe weder Talent für Sprachen noch für Zahlen. Aber sobald ich Papier und Stifte in die Hand bekam, war die Welt in Ordnung. Ich bin total visuell und haptisch veranlagt. Farben und Strukturen bedeuten mir alles ... inselbegabt, würde ich sagen“.

Nadine Wölk lacht ihr breites Nadine-Lachen, ehe sie weiterredet. „Es hat sich ergeben, dass ich einen Großteil meiner Lebenszeit damit verbringe, kreativ zu sein. Und das sind keine kurzen Arbeitsprozesse. Das braucht Geduld. Beim Zeichnen und Malen habe ich das Gefühl: Das bin ich.“

Star Wars und der Glaube an die innere Stärke

Dieses Gefühl der eigenen Stärke, das sie aus ihren Kindertagen in Jena ins Heute gerettet hat, holt sich die Cineastin auch aus Filmen – vor allem aus Science Fiction-Streifen, die die Regale füllen. „Star Wars, was sich oft wie ein roter Faden durch meine Arbeiten durchzieht, hab ich zum ersten Mal mit zehn gesehen. Das hat mein Leben verändert, mich zu einer völlig neuen Sicht auf Dinge und Zusammenhänge gebracht. Diese Filme – vor allem der erste von 1977 – hatten eine völlig neue Erzählstruktur und diese eine Grundbotschaft: Du musst Deiner inneren Stärke vertrauen, dann kannst Du viel erreichen. Das hat mich damals total abgeholt. May the force to be with you“ , zitiert sie noch mit dramatisch tiefer Stimme, ehe sie verkündet, dass das bis heute ihre Lebensphilosophie prägt. „An sich glauben, über sich hinauswachsen, dieses Grundpositive, das hat mich immer über Wasser gehalten“.

Anfangen, nicht barmen!

Wer sie fragt, wie viele Stunden und wie viele Kugelschreiber sie für ihre zuweilen 4 mal 1,50 Meter messenden Großformate der „Parker Edition“ drangeben müsse, bekommt einen Rat gratis: „Es ist viel besser, sich nicht den furchtbar langen Weg vorzustellen, sondern einfach anzufangen und sich zwischendrin zu freuen, wenn man wieder ein Stück geschafft hat. Barmen über zu viel Arbeit ist einfach nicht konstruktiv“.

Spricht’s und erzählt, dass die Kugelschreiber-Arbeiten, mit denen sie zuletzt in der Öffentlichkeit reüssierte, eher ein Zufallsgriff waren. „Eigentlich wollte ich weiter an einer Mischtechnik feilen. Doch dann hab ich mal eine ganze Fläche nur mit Kugelschreiber gefüllt, bin nach zwei Stunden zurückgetreten und dachte: gar nicht schlecht!“

Beim Eintauchen in die neue Technik lernte sie, dass Kugelschreiber nicht gleich Kugelschreiber ist, dass es dokumentenechte gibt und solche, deren Farbe etwas gedeckter ist als das übliche Königsblau. Inzwischen spielt sie damit sehr bewusst.

Bilder voller Symbole

Die Arbeit mit Strukturen ist Nadine Wölks großes Thema, obwohl sie natürlich auch ganz klassisch in Öl und Acryl malen kann. Doch nicht umsonst hat sie in München Kommunikationsgrafik studiert, ehe sie in Dresden das Diplom als Malerin und Grafikerin ins Visier nahm. Logos, Schilder, Typografie, Streetart, Neon- und Signalfarben, Berufskleidung, Codes oder die Adidas-Streifen – sie sammelt alles, was ihr begegnet. Ihre Bilder sind voller Symbole. „Die drei weißen Streifen tauchen nicht so oft auf, weil ich Werbung für Adidas mache. Das ist nur Mittel zum Zweck. Zum einen steckt da natürlich Zeitgeist drin, doch vor allem kann ich damit Spannung erzeugen. Bei Bewegung zerhackt es die Streifen in Fragmente – gut für Bildfindung und Blickführung. Die Geschichten lassen sich so einfach leichter verorten. “

Im Untergeschoss harrt eines der Großformate seiner Vollendung, das ein bekanntes Sujet zeigt: eine Figur am Wasser. „Von meinem Großvater hab ich ein umfangreiches Dia-Archiv geerbt, daraus stammt das Motiv. Nur dass ich das Familienmitglied immer durch einen Fremden ersetzt hab, oft mit heutigen Bezügen und – der Spannung wegen – mit Adidas-Sachen“.

Nadine Wölks Figuren am Wasser und in der Nacht schälen sich aus dem Hintergrund, schauen weg, wenden sich ab, tragen Sonnenbrillen, scheinen grell überbelichtet. „Ich nenne sie verlorene Portraits. Portraits, die im herkömmlichen Sinn keine sind“, sagt die Malerin.

Angeln, wenn die Fische frühstücken

Wasser ist aus Nadine Wölks Alltag auch sonst nicht wegzudenken. Sie ist passionierte Anglerin, seit 2016 versucht sie sich im Fliegenfischen. „Schon als ich in der ersten Klasse war, war ich mit meinem Vater und meiner Schwester angeln“, erzählt sie. Es folgt die Geschichte vom Teupitzsee bei Berlin, wo die Familie in einem Wohnwagen mit Vorzelt Urlaub machte und die zwei Mädels mit einem spektakulären Karpfenfang zum Ortsgespräch wurden. Damals wuchs ihre Leidenschaft. Wiedererweckt aber wurde sie erst 2009, als der befreundete Maler Paul Pretzer sie einmal mitnahm zum Alberthafen. Nadine Wölk machte flugs den nötigen Schein, lernte Angelprofis kennen, die heute zu ihren engsten Freunden zählen und ist, so oft es geht, draußen oder mit auf Reisen ins Ausland: „Angeln ist für mich der Ausgleich zum Atelier. Man muss zur richtigen Zeit und an den richtigen Stellen am Wasser sein, am besten zum Lichtwechsel, dann, wenn die Fische aufstehen und frühstücken“, erklärt sie mit Verschwörermiene.

„Manchmal fühle ich mich wie ein Komponist“

Das kann ganz schön früh am Morgen sein, doch extreme Sachen sind für die Malerin eher Ansporn als Hürde. Anspruchsvoll? Spaß? Natur? Neue Eindrücke? Her damit, hört man sie fast rufen – egal, ob es um Arbeit, Hobbys, Freunde oder Filme geht. Die kleine Frau mit den dunklen Locken und den leuchtenden Augen hat viele Interessen, einen beeindruckenden Freundeskreis und jede Menge neue Ideen für ihre Kunst. Nach der Parker-Edition, also den Kugelschreiber-Arbeiten, will sie sich mehr aufs Graphit konzentrieren – „hell und dunkel, tiefes schwarz, weiß und dazwischen zig Abstufungen von Grau, das finde ich reizvoll. Manchmal fühle ich mich wie ein Komponist, sage zum Beispiel der Schraffur, dass sie Details hervortreten lassen oder verbergen soll. Manchmal komme ich vom Weg ab und fange wieder neu an. Aber auf den Abwegen entstehen oft jene Dinge, die einen künstlerisch weiterbringen.“ Sagt’s und lacht und setzt den Stift an.

Nadine Wölk

1979 geboren in Wenigenjena (Thüringen)

1998 – 2001 Staatlich geprüfte Kommunikationsgraphikerin (München)

2001 – 2006 Studium Malerei | Graphik an der HfBK Dresden

2006 – 2008 Meisterschülerin bei Prof. Martin Honert, HfBK Dresden

2006 Diplom Malerei, HfBK Dresden

seitdem freischaffend, lebt und arbeitet in Dresden

Künstlerin bei Facebook

Von Barbara Stock

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