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Lokales Einatmen, ausatmen – schwerer als gedacht! Eine DNN-Volontärin im Selbsttest
Dresden Lokales Einatmen, ausatmen – schwerer als gedacht! Eine DNN-Volontärin im Selbsttest
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18:03 17.01.2020
DNN Volontärin Laura Catoni beim Meditieren – und mit der anschließenden Erkenntnis: Das ist deutlich schwerer, als es aussieht. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Einatmen, ausatmen, eins. Kribbeln in den Beinen, Schmerzen im Nacken, Fiepen in den Ohren. Ist das Tinnitus oder die Deckenlampe? Atmen! Einatmen, ausatmen, eins. Einatmen, ausatmen, zwei. Jetzt bis zehn. Ob unter dem Teppichboden wohl schöne alte Dielen liegen? Stopp, atmen! Und wieder von vorn. Einatmen, ausatmen, eins. Wie lange wir wohl schon sitzen? Links knurrt der Magen, rechts schnieft die Nase – wie soll man da zur Ruhe kommen? Atmen! Ob zu Hause noch Nudeln im Schrank liegen? Wie lang hat der Lidl am Bahnhof Neustadt eigentlich geöffnet? Und vor allem: Wieso produziere ich so viele Gedanken? Einatmen, ausatmen, eins.

Nüchternheit statt Prunk

Was sich wie ein Inferno im Kopf anfühlt, ist ein Selbstversuch in Sachen Meditation. Ruhiger werden, der Dauerbeschallung des Smartphones entkommen, einfach mal an nichts denken – das war der Plan, im Zendo-Meditationszentrum am Lah­mannring. Einatmen, ausatmen, eins.

Wer hier goldene, dickbäuchige Buddhas, Wände in Wohlfühlfarben und Räucherstäbchen erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen hellgraue Wände, hellgrauer Teppichboden, darauf etwa 20 identisch aussehende Meditationsplätze. Nüchternheit statt religiösem Prunk. Einatmen, ausatmen, zwei.

„Ordnung hat eine wichtige Funktion in der Zen-Praxis“, erklärt Bernd Groschupp, der das Zentrum seit 1999 leitet. „Je einheitlicher alles ist, desto weniger werden wir abgelenkt.“ In der Zendo-Ordnung heißt es daher auch: „Tragt neutrale und unauffällige Kleidung“. Und selbst die Meditationsdecke wird hier auf eine ganz bestimmte Art und Weise gefaltet. Von jedem. Zen bedeutet Präzision.

Was bedeutet Meditation?

Das Wort Meditation leitet sich vom lateinischen „meditatio“ ab, was „Ausrichtung zur Mitte“ bedeutet. Im Zusammenhang mit Buddhismus steht sie für eine Vielzahl von Praktiken und Techniken, die der Konzentration des Geistes dienen. Es gibt gegenstandbezogene Meditationsformen, bei der Meditierende den Fokus auf den Atem, Körperempfindungen oder Gefühle richten. Bei der gegenstandslosen Form der Meditation nimmt der Meditierende einfach nur wahr, ohne die Aufmerksamkeit auf ein spezielles Objekt zu richten. Alle Formen dienen der Beruhigung des Geistes und der Sammlung der Gedanken.

Was nutzt Meditation?

Zahlreiche Studien zeigten, dass regelmäßige Meditation sowohl Stresssymptome und psychosomatische Beschwerden lindern als auch bei chronischen Schmerzen, Angst und Depression hilfreich sein kann. Meditation ist sogar im Hirn sichtbar. So zeigten Studienergebnisse, dass regelmäßiges Meditieren zu einer erhöhten Anzahl von Neuronen in dem Teil des Gehirns führt, der unter anderem für die Aufmerksamkeitssteuerung und die Regulation von Gefühlen zuständig ist.

Einatmen, ausatmen, eins. Wir machen eine Atemmeditation. Heißt: 25 Minuten lang still sitzen und den Atem beobachten. Hierzu zählen wir jede Atemeinheit. Schieben sich Gedanken dazwischen, geht es wieder bei eins los. Einatmen, ausatmen, eins. Einatmen, ausatmen zwei. Warum das Ganze? Die Beobachtung des Atems soll die Aufmerksamkeit von den Gedanken weg leiten. In den USA machen sogar Soldaten der Elite-Einheit des Militärs Atemmeditationen gegen Symptome Posttraumatischer Belastungsstörungen, Ängste und Schreckreflexe. Einatmen, ausatmen, eins. Auf mich wirkt die Übung weniger beruhigend. Was die anderen wohl ins Zendo geführt hat? Warum denke ich so viel? Zurück zum Atem! Einatmen, ausatmen, eins.

Für den Fall, dass der Geist vom Atem wegkommt und auf Wanderschaft geht, hat der Kursleiter eine Metapher aus der Welt der Meteorologie parat: „Gedanken sind wie Wolken am Himmel. Wir nehmen sie wahr, halten allerdings nicht an ihnen fest.“ Keine Bewertung der Gedanken. Einatmen, ausatmen, eins. Einatmen, ausatmen, zwei.

„Es gibt keinen Zen ohne Schmerzen“

Ich sitze unter einer einzigen Wolkendecke aus Gedanken. Bilder, Fragen, Erinnerungen schießen wie Pilze aus dem Boden. Kaum ein Gedanke verpufft, taucht auch schon der nächste auf. In meinem Kopf geht es zu wie am Hauptbahnhof zur Rushhour. Einatmen, ausatmen, eins. Einatmen, ausatmen, zwei. Und jetzt bis zehn! Und das war ein Gedanke. Alles auf Anfang. Schon wieder. Frust macht sich breit. Dabei sollen wir doch nicht bewerten. Also zurück zum Atem. 25 Minuten einfach nur zu sitzen strengen mehr an als jede Sporteinheit.

Klopfen auf Holz – das Signal zur Gehmeditation. Meine Beine sind mindestens seit Minute zehn eingeschlafen und mittlerweile völlig taub. Aber: „Es gibt keinen Zen ohne Schmerzen“, hieß es zu Beginn der Stunde. Mit den ersten Schritten fängt das Blut an, wieder zu zirkulieren.

Gehen ist im Zen nicht gleich Gehen. Pro Sekunde ein Schritt, ganz achtsam, lautete die Instruktion zuvor. Mit der Anmerkung, dass das Ziel der nächste Schritt und nicht, wie sonst so häufig, der nächste Kopierer sei. Ich laufe zu schnell. Und denke an eine Studie aus England, laut der Großstadtmenschen in den vergangenen Jahren im Durchschnitt zehn Prozent schneller geworden sind. Spitzenreiter: Singapur. Unbeholfen versuche ich, meine Schritte in den richtigen Takt zu bringen. Atem? Völlig vergessen.

Zurück aufs Kissen. Noch mal Sitzmeditation. Mein Geist schwankt zwischen Gedanken und Respiration. „Lass die Gedanken vorbeiziehen. Achte auf deinen Atem“, sage ich mir mantraartig. Einatmen, ausatmen, eins. Einatmen, ausatmen, zwei. Einatmen, ausatmen, drei. Rekord! Und dann: Kribbeln in den Beinen. Schon wieder. Schlafen den anderen nicht die Beine ein? Einatmen, ausatmen, eins.

Klopfen auf Holz – die Sitzung ist vorbei. Ich öffne langsam meine Augen, bleibe aber noch sitzen. Erleichterung macht sich breit, dass es geschafft ist. Und plötzlich, ganz ungeahnt, gesellt sich zu dem Gefühl der Erleichterung ein Gefühl von Friedlichkeit. Alles fühlt sich wohlig, ruhig und entspannt an. Der Gedankenmarathon auf einmal vorbei. Oder um in der Welt der Meteorologie zu bleiben: Ein beinah wolkenloser Himmel. Mal sehen, wie lange.

Von Laura Catoni

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