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Lokales Zeitgenössische Rückbesinnung im Dresdner Albertinum
Dresden Lokales Zeitgenössische Rückbesinnung im Dresdner Albertinum
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18:30 03.12.2019
„Rose cut“ von Olaf Holzapfel ist die jüngste Erwerbung der Gesellschaft für Moderne Kunst. Quelle: Foto: Oliver Killig, dpa
Dresden

Es ist die jüngste Erwerbung der Gesellschaft für Moderne Kunst e.V.: Das 2019 geschaffene Strohbild „Rose cut“ des gebürtigen Görlitzers Olaf Holzapfel, der seine Kunst in den letzten Jahren verstärkt in Verbindung mit traditionellen handwerklichen Techniken und Materialien brachte. Man erinnere sich nur an Holzskulpturen – etwa die ebenfalls vom Verein erworbene Arbeit „Zwei Brücken“, die an die Ständerbauweise von Fachwerkhäusern, aber auch Einbauten in alten Bergwerken erinnert. Gleichwohl ist diese Rückbesinnung ganz zeitgenössisch determiniert, entstehen die Entwürfe doch digital. Die exakte, ja feine Ausarbeitung, unter anderem bei den Strohbildern, ist vielleicht gerade deshalb möglich. Und es ist auffallend, wie diese Symbiose von Traditionellem und Zeitgenössischem Verbindungen schlägt zu konstruktiven Werken von Klassikern wie Hermann Glöckner, Wilhelm Müller oder Karl-Heinz Adler, wobei von den beiden letztgenannten ebenfalls Arbeiten unter den 46 Erwerbungen der Gesellschaft für Moderne Kunst sind, die als ständige Leihgaben in den Bestand der Galerie Neue Meister beziehungsweise des Albertinums eingegangen sind und auch hier verbleiben würden, sollte sich der Verein auflösen.

Reges Vereinsleben

Vor 25 Jahren, exakt am 9. September 1994, ist die Gesellschaft für Moderne Kunst in Dresden e. V. aus der Taufe gehoben worden, was dieser Tage Anlass war, mit einem Pressetermin und einer Festveranstaltung Bilanz zu ziehen. Die Ausgangsidee, die der damalige Direktor der Galerie Neue Meister Ulrich Bischoff sowie Axel Bauer, Jurist und bis heute Vorsitzender des Vereins, hatten, war, Menschen zusammenzubringen, die sich besonders für die Förderung zeitgenössischer Kunst einsetzen und damit auch die Sammlung bereichern wollten. Und so ist es gekommen: Seit Jahr und Tag unterstützen die 150 Mitglieder des Vereins mit Beiträgen und Spenden den Erwerb von Kunstwerken der Gegenwart, mit denen die jeweiligen Direktoren – heute Hilke Wagner – den Bestand des Albertinums bereichern wollen. Gleiches gilt für Ausstellungen oder Publikationen.

Zugleich existiert die Gesellschaft für Moderne Kunst letztlich nur dank ihres regen Vereinslebens. Die Mitglieder setzen sich mit zeitgenössischer Kunst auseinander, reisen in Museen im In- und Ausland beziehungsweise zur documenta – weitgehend organisiert von Barbara Bauer, der Geschäftsführerin des Vereins. Schließlich gehe es darum, so Axel Bauer, dass „Menschen auch wissen sollen, wofür sie spenden“. Angesichts des Fokus auf die gegenwärtige Kunst kommt man sich wohl mit der seit 1967 bestehenden Gesellschaft der Freunde der Dresdner Galerie Neue Meister e.V. kaum ins Gehege, die etwa mit ihrer Veranstaltungsreihe „Begegnung der Künste“ die Perspektive auf die gesamte Breite der Kunst im Albertinum richtet und dementsprechend ebenso mit einer Reihe Ankäufe und anderen unterstützenden Leistungen aufwarten kann.

Eine stattliche Bilanz

Alles ist sehr verdienstvoll. Dabei ist die Finanzkraft der Gesellschaft für Moderne Kunst den jeweiligen Museumsdirektoren sicher sehr willkommen. Denn, so Ulrich Bischoff, von 1994 bis 2013 Direktor der Galerie Neue Meister, die Museen könnten zwar auf die öffentliche Hand im Grundsätzlichen bauen, hätten hier ihr „Standbein“, aber das „Spielbein“ sei angesichts enger Ankaufsetats bürgerschaftliches Engagement, wie es die Gesellschaft für Moderne Kunst in Dresden e.V. darstellt. Auch Hilke Wagner, seit fünf Jahren Direktorin des Albertinums, hatte auf die Rolle solchen Engagements verwiesen: So hätte Georg Treu ohne dieses wohl nicht die zu seiner Zeit umstrittenen Werke Rodins in die von ihm begründete Skulpturensammlung eingliedern, ebenso wie später Hans Posse ohne den Patronatsverein nicht hätte Werke der „Brücke“ erwerben können, zumal es in beiden Fällen auch viel Widerstand gegeben habe. Für sie, so Hilke Wagner, sei „die finanzielle und moralische Unterstützung durch die Gesellschaft für Moderne Kunst unverzichtbar“.

Und es ist wirklich eine stattliche Bilanz, die man ziehen kann. Ganz am Anfang etwa gelang der Ankauf der „Kriegskinder“ von Maria Lassnig, die die Dresdner zuvor in einer Ausstellung der Reihe „4 x 1 im Albertinum“ hatten kennenlernen können. Später kamen Werke von weiteren international bekannten Künstlern wie Dan Graham, Luc Tuymans, Miriam Cahn, Emo Verkerk, David Claerbout oder Marlene Dumas hinzu. Oft war dies wohl der Beginn des Entstehens einer Werkgruppe eines Künstlers oder auch eine mögliche Vervollkommnung. Unbedingt erwähnenswert ist die große Gruppe von Werken von Künstlern der jüngeren Generation, die häufig in den 1990er Jahren an den Kunsthochschulen in Dresden, Leipzig, Berlin oder München ihr Diplom erworben hatten. Zu einem wichtigen Impuls wurde in diesem Zusammenhang sicher die Ausstellung „Fehlfarben“. In der Folge kamen etwa Arbeiten von Florian Thomas, Eberhard Havekost, Thoralf Knobloch, Rosa Loy, Wolfgang Koethe, Johannes Kahrs, Peter Krauskopf und Sophia Schama ins Haus. Zu nennen sind auch Erwerbungen von älteren Dresdner Künstlern wie Petra Kasten, Wolfgang Petrowsky oder Stefan Plenkers.

Spiegelnde Bereicherung

Wenn auch nicht alle Künstler hier erwähnt sind, so wird an den aufgezählten Namen deutlich, dass es sich um eine, vor allem jüngere und jüngste internationale Entwicklungen spiegelnde Bereicherung der Sammlung handelt. Dass Erwerbungen auch dazu dienen können, die Gastfreundlichkeit des Hauses zu erhöhen, sei noch angemerkt: Im riesigen, überdachten Innenhof des Albertinums hat seit einiger Zeit Andreas Angelidakis’ „Demos“ von 2016 Platz gefunden – eine vielteilige Sitzmodulserie, die für die documenta 14 entstand. Nun verleiht sie dem Raum unter den „schwebenden“ Depots den Charakter einer zu Gespräch und Austausch einladenden Agora.

Von Lisa Werner-Art

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