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Lokales Zastrow: Kein Ankerzentrum in Dresden
Dresden Lokales Zastrow: Kein Ankerzentrum in Dresden
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07:50 23.06.2018
Die Hamburger Straße soll kein Ankerzentrum werden, fordert FDP-Landesvorsitzender Holger Zastrow. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Holger Zastrow, Vorsitzender des FDP-Landesverbandes Sachsen und der Dresdner Stadtratsfraktion FDP/Freie Wähler, lehnt die Einrichtung eines sogenannten Ankerzentrums für Asylbewerber in der Hamburger Straße ab. „Das schadet der Stadt“, findet Zastrow und fragt: „Wie kann man nur auf so eine Idee kommen?“

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Bundesweit formiere sich der Widerstand gegen die Ankerzentren. „Wieso man da in Sachsen ohne Not ’Hier!’ rufen muss, erschließt sich mir nicht“, erklärte der Politiker. Das Grundproblem der Asylpolitik sei es, Menschen ohne Anspruch auf Schutz abzuschieben. „Da das nicht gelingt, werden sie sehr lange auf engstem Raum in diesem Ankerzentrum leben müssen.“

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Diese Situation führe automatisch zu Konflikten und binde Kapazitäten bei der Polizei, die so für die Bevölkerung nicht zur Verfügung stünden. „Dresden steht oft genug im Fokus. Das verstößt gegen die eigenen Interessen.“ Ministerpräsident Michael Kretschmer denke zu kurz, wenn er ein Ankerzentrum befürworte, so Zastrow.

Das geplante Ankerzentrum in der Hamburger Straße soll auf der nächsten Stadtratssitzung am Donnerstag auf Antrag der SPD-Fraktion debattiert werden. Sozialdemokraten, Grüne und Linke im Stadtrat stehen der Einrichtung skeptisch bis ablehnend gegenüber. In einem Ankerzentrum sollen Asylbewerber bis zum Abschluss ihres Verfahrens bleiben. Abgelehnte Antragsteller sollen direkt aus diesem Zentrum in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden.

Neben einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber sollen auch ein Abschiebegewahrsam und eine Abschiebehaftanstalt im Ankerzentrum etabliert werden. Auch Außenstellen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und des Verwaltungsgerichtes könnten nach Plänen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in einem solchen Zentrum eingerichtet werden. Die sächsische Staatsregierung steht den Plänen aufgeschlossen gegenüber.

Von Thomas Baumann-Hartwig