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Lokales Zahl der Waschbären steigt stark, Biber haben sich Reviere in Dresden aufgeteilt
Dresden Lokales Zahl der Waschbären steigt stark, Biber haben sich Reviere in Dresden aufgeteilt
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07:51 16.05.2019
Waschbären sind Kletterkünstler. Hier ein Schnappschuss an der Jägerstraße in Dresden. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Wildtiere haben längst die Stadt für sich als Lebensraum erschlossen. Dass in der Morgendämmerung Reinecke Fuchs seinen Weg quer über den Postplatz nimmt, oder an der Einmündung der Bremer auf die Hamburger Straße im abendlichen Verkehr auch schon mal seelenruhig mitten zwischen den Autos über die Kreuzung spaziert, ist keine Seltenheit. „Füchse leben nahezu im gesamten Stadtgebiet. Sie werden weniger intensiv bejagt, da sie als wichtige Beutegreifer die Ratten- und Mäusepopulationen mindern“, heißt es aus der Stadtverwaltung Dresden.

Aufmerksam schaut dieser Fuchs, der unter einem alten Fahrzeug Deckung gesucht hat, in die Umgebung. Quelle: Bernd Lichtenberger

Wildschweine „baggern“ Löcher in Grünflächen

Auch Wildschweine machten in der Vergangenheit Schlagzeilen, wenn sie Gärten und Freibadanlagen auf der Suche nach Nahrung zerwühlten oder durch ein Gartencenter liefen.

„Das Einwandern von Tieren in den Siedlungsraum ist ein inzwischen deutschlandweiter Trend, der damit zusammenhängt, dass die siedlungsgebundene Grünstruktur relativ konstant besteht und die umliegenden durch industriell betriebene Landwirtschaft entstandenen Agrarwüsten vielen Tieren kaum noch Lebensmöglichkeiten bieten“, heißt es aus der Dresdner Stadtverwaltung.

Wilder Fasan am Bahndamm

Irgendwie ist es ja auch reizvoll, wenn in Gorbitz zum Beispiel richtige Hasen über die Wiese hoppeln, auf dem Gelände des Wasserwerkes in Hosterwitz die Rehe grasen oder man den Biber an der Elbe beobachten kann. Sogar Fasane kommen in Dresden vor, seien allerdings nicht sehr häufig, heißt es aus der Stadtverwaltung. Tatsächlich gibt es Augenzeugen, die schon mehrmals einen Fasan am Bahndamm in Dresden Strehlen gesichtet haben.

Dieser Rehbock auf dem Gelände des Wasserwerkes Hosterwitz kam sogar neugierig an den Zaun an der Pillnitzer Landstraße, ließ sich kurz fotografieren und suchte dann mit seinen Artgenossen das Weite. Quelle: Catrin Steinbach

„Der Fasan ist ursprünglich ein zentralasiatischer Steppenvogel, der bei uns eingebürgert wurde zum Zweck der Jagd. Er pflanzt sich zwar bei uns auch fort, aber oft nicht konstant, weshalb auch heute noch in Deutschland junge Fasane von Jägern ausgesetzt werden. Fasane bevorzugen gebüschbestandenes Offenland als Lebensraum“, so das Umweltamt auf eine Anfrage der DNN.

„Im Osten von Dresden ist ein kleinerer Besatz an Fasanen heimisch“, ergänzt die Untere Jagdbehörde. „Wenn der Prädationsdruck vor allem durch Füchse und Hunde nicht zu groß ist, können Fasane gut auch im städtischen Bereich leben.“

Virus rafft Wildkaninchen dahin

Wildkaninchen allerdings sieht man nur selten in Dresden. Noch vor Jahren konnte man sie zum Beispiel auf den Grünflächen am Pirnaischen Platz vom Auto aus beobachten, wenn man an der Kreuzung warten musste. Aber das ist vorbei. „In Dresden gibt es keinen nennenswerten Besatz an Wildkaninchen mehr“, bestätigt die Untere Jagdbehörde.

„Der Rückgang von Wildkaninchen in Dresden ist kein subjektiver Eindruck, sondern objektiv bedingt durch mehrfache Ausbrüche der Myxomatose. Diese Viruserkrankung ist für Kaninchen tödlich und die Tiere stecken sich untereinander leicht an“, so die Erklärung aus dem Umweltamt.

Hasen gibt es in nahezu allen Dresdner Grünanlagen, selbst in der Innenstadt. Quelle: dpa

Feldhasen sind „schon ziemlich zahm“

Feldhasen würden dagegen von dieser Krankheit nur äußerst selten befallen. „Es gibt Hasen praktisch flächendeckend in allen Dresdner Grünanlagen, selbst in der Innenstadt. Und sie sind inzwischen auch schon ziemlich zahm“, heißt es aus dem Dresdner Umweltamt.

Der Biberbestand in der Landeshauptstadt Dresden sei weitgehend konstant und liege bei 35 bis 45 Tiere, die in 12 bis 13 Revieren leben. Dass es nicht mehr Biber werden hänge damit zusammen, dass inzwischen fast alle geeigneten Bereiche durch Biberreviere belegt seien.

„Beispielsweise ist die Elbe flächendeckend quer durch Dresden mit Bibern besetzt, das bedeutet, dass der Bibernachwuchs abwandern muss, um sich neue Reviere zu erschließen“, erfahren wir aus dem Umweltamt. Man finde heute Biber sogar schon im Schönfelder Hochland.

Maschendraht oder Farbe schützen Bäume vor Bibern

Um Bäume vor dem Biber zu schützen, habe sich ein Schutz mit Maschendraht bewährt. Die Stadt hatte zum Beispiel am Johannstädter Elbufer nach den ersten Fällungen großer Bäume durch Biber den landschaftsbildprägenden Baumweiden „Drahthosen“ aus Maschendraht verpasst. Auch an der Weißeritzmündung gepflanzte Jungeichen bekamen vorbeugend einen solchen Schutz. Dieser sei allerdings arbeitsaufwendig, so die Auskunft aus der Stadt.

Eine andere Möglichkeit, Bäume zu schützen, sei das Anstreichen der Stämme mit Verbissschutzfarbe. Dieser Anstrich müsse allerdings witterungsabhängig nach einigen Jahren wiederholt werden. „Insgesamt sind die Schäden durch Biber weitaus unbedeutender als anderer Wildverbiss, vor allem durch Rehe“, ist das Fazit des Umweltamtes.

Der Biberbestand ist in Dresden weitgehend konstant und beträgt zwischen 35 und 45 Tieren. Quelle: Bernd Lichtenberger

Waschbären, die im Gegensatz zum Biber nicht unter Naturschutz stehen, sind ein Problem. „Die Zahlen der Jagdstrecke lassen den Begriff Plage an vielen Orten nicht unangemessen erscheinen“, drückt sich Frank Meyer, der Sprecher des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, vorsichtig aus.

Zahl der Waschbären steigt weiter

Informationen zur Zahl der Waschbären in den einzelnen Gebieten gibt es nicht. Hinweise zur Höhe der Population gebe jedoch die Anzahl der erlegten Waschbären in den Landkreisen und kreisfreien Städten, heißt es aus dem Ministerium. Sachsenweit steigt die Zahl der erlegten Waschbären von Jahr zu Jahr. 2017/18 waren es 15 443 Tiere. Ein Jahr zuvor 11 191. Allein in der Stadt Dresden weist die Statistik 263 erlegte Waschbären für die Jagdsaison 2017/18 aus, ein Jahr zuvor waren es 196. Zahlen für 2018/19 liegen noch nicht vor.

Die Untere Jagdbehörde spricht von einem „starken Anstieg“ der Population des „inzwischen als invasiv eingestuften Waschbären“. Und zwar „nicht nur in Dresden sondern in ganz Deutschland.“

Waschbären haben hier keine natürlichen Feinde. Sie können erhebliche Schäden in der Landwirtschaft – zum Beispiel im Weinbau – oder auch an Gebäuden anrichten. Zudem würden sie „örtlich ein Problem für den bodenbrütenden Kiebitz, Amphibien oder auch den Rotmilan“ darstellen, schreibt der Naturschutzbund auf seiner Internetseite.

Waschbär verdrängt andere Tierarten“

„Artenschutzrelevant ist, dass er durch sein radikales Auftreten die heimischen Tierarten, auch unsere Raubtiere, massiv aus ihren ursprünglichen Lebensräumen verdrängt und sich auch von Tierarten ernährt, die streng geschützt und auf der Roten Liste aufgelistet sind (z.B. Birkwild oder Feuersalamander). Er hat eine große Vorliebe für Gelege von Bodenbrütern, Jungwild, Amphibien usw., denn diese sind für ihn relativ leicht zu erbeuten. Da er auch ein großer Kletterkünstler ist, wirkt sich die Nesträuberei bei Vogelnestern zudem ebenfalls negativ auf das Ökosystem aus. Diese Meinung vertreten nicht nur die Jäger und Förster, sondern alle fachlich versierten Naturschutzverbände“, antwortet Andree Friedrich von der Agentur für Wildökologie & Forst im Auftrag des Landesjagdverbandes Sachsen auf eine Anfrage der DNN.

Waschbär auf der Jägerstraße. Quelle: Anja Schneider

Jagdverband spricht sich für intensive Bejagung aus

Aus Friedrichs Sicht ist „die intensive Jagd auf den Waschbären unter Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften (Tierschutzgesetz) ...die einzige Möglichkeit, die mit seiner Ausbreitung einher gehenden Probleme (Verdrängung, Artenschwund, Krankheitsübertragung auf Menschen und Haustiere usw.) einzudämmen“. Die Jagd stelle somit einen aktiven Beitrag zum Arten- und Naturschutz dar.

„Dies ist am effektivsten möglich mit professionellen und auf die regionalen Gegebenheiten abgestimmten Jagdkonzepten und speziell ausgebildeten Jägern, die sich mit den Lebensgewohnheiten, der Wildbiologie und den unterschiedlichsten Fangtechniken auskennen sowie ausreichend Zeit haben, um zielgerichtet, tierschutzgerecht und selektiv die Fangjagd auszuüben“, so der Revieroberjäger und akademische Jagdwirt Andree Friedrich weiter.

Nabu sieht in Bejagung der Waschbären keine Lösung

Der Naturschutzbund sieht dagegen in der Jagd auf den Waschbären keine Lösung und lehnt sie ab. „Insbesondere die in Jagdkreisen oft behaupteten „Schäden“ an Niederwild oder Jungvögeln selbst in Bundesländern mit wesentlich höheren Beständen konnten bisher nicht schlüssig nachgewiesen werden. Zudem ist ein Zurückdrängen der Art durch Bejagung eher ausgeschlossen“, argumentiert Sebastian Kolberg, Referent für Artenschutz beim Naturschutzbund Deutschland. „Untersuchungen in Skandinavien haben gezeigt, dass eine intensive Bejagung die Reproduktion und Ausbreitungsgeschwindigkeit eher verstärkt.“

Der Waschbär sei in Deutschland etabliert, das könne auch durch gesteigerte Bejagung nicht wieder rückgängig gemacht werden, so Sebastian Kolberg. Ziel müsse sein, mit dem Waschbär zu leben.

Ein Waschbär an der Jägerstraße sucht in einem Eimer nach etwas Essbarem. Quelle: Anja Schneider

Wichtig sei, dass der Mensch die Waschbären nicht füttere und dafür sorge, dass Mülltonnen und andere potenzielle Nahrungsquellen für den Waschbären nicht zugänglich seien. Habe der Waschbär lokal nachweislich einen negativen Einfluss auf bedrohte Arten, sollten „Managementmaßnahmen zur Schutz der bedrohten Art umgesetzt werden“. Diese müssten nach Auffassung des Nabu immer den Aspekt der Lebensraumverbesserung einbeziehen, „so dass natürliche Schutzmechanismen wie Rückzugs- und Deckungsmöglichkeiten und bessere Lebensbedingungen Einzug halten“.

Diese Maßnahmen könnten auch durch jagdliche Methoden begleitet werden, räumt Kolberg ein. Diese müssten jedoch „lokal und zeitlich begrenzt sein“ und „nur unter der Voraussetzung eingesetzt werden, dass der Waschbär eine entscheidende Gefährdung für die lokale Population der zu schützenden Art darstellt. Managementmaßnahmen müssen durch ein stetiges, wissenschaftliches Erfolgsmonitoring begleitet werden.“

Von Catrin Steinbach

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