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Lokales „Die Lochis“ sorgen für Kreischalarm in Dresden
Dresden Lokales „Die Lochis“ sorgen für Kreischalarm in Dresden
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14:53 19.10.2018
Die Zwillinge Lochmann waren im Alten Schlachthof zu Gast.
Die Zwillinge Lochmann waren im Alten Schlachthof zu Gast. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Am Donnerstagabend reihten sich Eltern gemeinsam mit ihren Kindern am Alten Schlachthof in einer ellenlangen Schlange. Nein, es gab kein Eis umsonst – sondern Roman und Heiko Lochmann, besser bekannt als „Die Lochis“, waren zu Gast in Dresden.

Die Lochmanns sind die wohl aktuell berühmtesten Zwillinge Deutschlands. 2011 kam bei den Brüdern der Wunsch auf, selbst Videos für YouTube zu produzieren. Auf dem Online-Kanal präsentieren sie seitdem Songparodien, eigene Musik und Sketche. 2013 landeten ihre ersten eigenen Tracks zunächst in den iTunes Charts. Kurz darauf stiegen sie mit „Durchgehend Online“ offiziell in die deutschen und österreichischen Singlecharts ein.

Unter dem Tourtitel „#What is life“ touren “Die Lochis“ nun zum zweiten Mal durch Deutschland – mit der Tournamensgebung konnten sich die Teenager durch ihre Masse an Lebenserfahrung sicherlich von Anfang an identifizieren.

Die untypische Publikumszusammensetzung im Dresdner Schlachthof ähnelte dabei eher einem Elternabend, als einem Konzert. Etwas war aber wie immer: die Ansprachen, sich ja nicht von ihren Aufsichtspersonen zu entfernen und schön im elterlichen Blickfeld zu bleiben.

Das konnte den jugendlichen Enthusiasmus jedoch nicht stoppen. Schon vor dem Konzert gaben die jungen Fans bei Kreischkonzerten im Ultraschallbereich ihr Bestes. Doch dann bekamen auch die Eltern Regeln aufgebrummt – von den Lochis höchstpersönlich.

Wer nicht textsicher sei oder nicht tanzen wolle, wurde von vorneherein gebeten, sich doch lieber an den Rand zu begeben. Außerdem legten die Sänger ihren Fans nahe, die Handys doch mal für zwei Stunden in den Hosentaschen zu lassen – um besser „feiern“ zu können. Ganz bescheiden wiesen sie außerdem auf die Rettungssanitäter hin. Diese würden ihre Pflicht erfüllen, falls dem einen oder anderen Teenie während des Konzerts die Luft wegbleibt.

Dann ging es endlich los: Die Selfiesticks wurden ausgefahren, man begann, sich gemeinsam in Ekstase zu schreien. Endlich fiel der Vorhang und „Die Lochis“ standen höchstpersönlich auf der Bühne – im feinsten Home-Outfit mit weitem Shirt und Jogginghose. Einigen Eltern war das anscheinend schon genug. Sie sparten sich das Zuschauen gleich komplett und verbrachten den Abend lieber am Getränkestand.

„Nice, dass ihr dabei seid“, begrüßten die Zwillinge ihre Fangemeinde, bevor sie anfingen, über die Liebe und das Leben zu singen. Zu Textzeilen wie „Dieser Beat ist ein Monster“ oder „Der Boden ist Lava“ stimmten sie ihre Fangemeinde auf den Abend ein. Ein paar Pyro-Effekte und eine Mini-Choreo sorgten derweil für weitere Atemaussetzer im Zuschauerbereich.

Danach wurde zu eintönigen Discobeats gesungen – Zeilen wie „Oh Baby, du machst mich crazy“ oder „Ich bin nur ein Fan von dir, so weit entfernt von dir“ dürften dabei auch auf viele der weiblichen Fans zugetroffen haben. Während des Konzerts filmten einige Mütter trotz Verbot fleißig weiter, um ihren Kindern die Show ihres Lebens zu ermöglichen. Diese reckten derweil fleißig ihre Hände ihn die Luft und formten damit Herzen für ihre Idole.

Ein weiteres Highlight des Abends: „Die Lochis“ gaben ihren Fail des Tages zum Besten. Etwa die tragische Geschichte, als man mit dem Kopf im T-Shirt hängen blieb und sich den großen Zeh stieß. Dann auf einmal tauchten die Sänger sogar im Publikum auf – in ihre eigenen Tourpullis gehüllt, für die erstmal noch die Werbetrommel gerührt wurde.

„Die Lochis“ zum Anfassen, das haute die Masse komplett vom Hocker. Hörbar wurde dies durch eine Oktavensteigerung des Kreischkonzerts. Mit „Das geht raus an die Besten“ stimmten sie zu einem Taschenlampenkonzert mit „ihrer Crew“ an, was der Höhepunkt für jede filmende Mutter gewesen sein dürfte.

Eine besondere Überraschung hatten „Die Lochis“ noch am Ende für ihre Fans. Ein Geheimnis, das sie nur ihnen – und allen anderen vorherigen Tourbesuchern – verraten: Am 16. November erscheint eine Lochi-Dokumentation über die sechs wöchige Albumproduktion in Thailand. Eine laut eigenen Angaben der Musiker sehr intensive Zeit: „Ohne Scheiß, es war so krass.“

Die Inhalte der Texte an diesem Abend lassen sich in wenigen Worten zusammenfassen. Es ging immer darum, eine gute Zeit zu haben, über Liebe, Freunde und eine Portion eigenes Selbstbewusstsein. Die Musik glich dabei eher einer Chartkopie und besaß leider weder Persönlichkeit noch Individualität.

Der jungen Fangemeinde hat’s trotzdem gefallen. Am Ende des Abends jubelten die tausend Kinderkehlen wieder, vielleicht ein wenig heiserer als zuvor. Sie hatten auf jeden Fall den „geilsten Abend ever“ im sogenannten Lochuniversum.

Von Annafried Schmidt