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Lokales Wöhrl-Kaufhaus: Hotel-Pläne verunsichern Mieter
Dresden Lokales Wöhrl-Kaufhaus: Hotel-Pläne verunsichern Mieter
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08:18 09.07.2019
Von seiner Terrasse auf dem Wöhrl-Kaufhaus blickt Christian Avenarius auf Rundkino und Prager Straße. Wenn dort ein Hotel einzieht, muss er seine Innenstadtwohnung verlassen. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Es ist windig auf Christian Avenarius’ Terrasse. Von hier oben lässt sich der Hauptbahnhof erkennen, der Blick wandert auf die Südhöhe dahinter. Vor allem montags rieche es stark nach Popcorn – der Duft wehe vom benachbarten Rundkino hoch, sagt Susann Avenarius. Sonst merke man vom Trubel der Prager Straße und dem Verkehrslärm der St. Petersburger Straße so gut wie nichts. „Die Wohnung hier ist zentral, aber ruhig gelegen“, betont Avenarius. Sie befindet sich im fünften Obergeschoss des Wöhrl-Kaufhauses an der Prager Straße. Das soll nach Willen des Eigentümers in ein Hotel umgebaut werden.

Avenarius fordert Wohnungen statt Hotelzimmer

Von diesen kürzlich bekannt gewordenen Plänen hält Avenarius nichts. „Ein weiteres Hotel in Dresden braucht doch kein Mensch“, sagt er. Wohnraum dagegen schon, wie er findet. Derzeit sind es zugegebenermaßen wenige Wohnungen im Wöhrl-Plaza, einem Bau aus dem Jahr 1996, der sich zwischen Prager Straße, Ferdinandstraße und Rundkino erstreckt. Neun sind es im Gebäudeteil mit dem namengebenden Kaufhaus, noch einmal so viele im zweiten Teil des Komplexes – ebenfalls im Staffelgeschoss untergebracht.

Momentan dominiert die geschlossenen Fassade die Außenwirkung des Plaza Quelle: Dietrich Flechtner

Als Eigentümer-Vertreter Kevin Collin für die Gesellschaft DC Value die Umbaupläne der Gestaltungskommission vorstellte, war von den Mietwohnungen keine Rede. Es ging um die Gründe für den möglichen Kaufhausauszug – das geringe Interesse an den oberen Kaufhausetagen – und die weitreichende gestalterische Veränderung der Fassaden durch viele neue Fensteröffnungen. „Wenn man schon so grundlegend umbaut, dann sollte man doch an eine Wohnungsnutzung denken“, sagt Avenarius.

Interesse von Hotelgesellschaften

Davon hält der Eigentümer nichts. Man gehe nicht davon aus, dass die Gegend für eine Wohnnutzung attraktiv genug sei, sagt Madeleine Beil, Sprecherin für DC Values. „Für eine Hotelnutzung gibt es hingegen mehrere namhafte Interessenten“, sagt sie. Tatsächlich sehen Experten gerade für Hotels im Niedrigpreissektor noch gute Marktchancen in Dresden. Von einem Überangebot könne keine Rede sein, meint Hotelexpertin Daniela M. Bense vom Immobiliendienstleister Dr. Lübke & Kelber, die den Dresdner Hotelmarkt analysiert hat.

Es gehe darum, etwas aus dem Gebäude zu machen, das dem Standort an Dresdens Einkaufsmeile Nummer eins gerecht werde, sagt DC-Values-Sprecherin Beil. Das ist nach den Vorstellungen der Eigentümer Gewerbe im Untergeschoss, darüber Hotelzimmer und eine Öffnung zur Ferdinandstraße hin. Wohnungen spielen in dem Konzept keine Rolle. Sie gehe davon aus, dass der entsprechende Hotelbetreiber im Staffelgeschoss – das stark erhöht werden soll – „eine öffentliche Nutzung“ einrichten werde. Damit könnte ein Restaurant gemeint sein oder Veranstaltungsräume. Die Mieter seien informiert. Bei einem ersten Gespräch habe man mit sechs Parteien gesprochen, eine weitere Runde sei Mitte Juli geplant. Hilfe bei Umzügen und dergleichen mehr habe man angeboten.

Mieter sind verunsichert

Christian und Susann Avenarius, die seit April 2018 in der Zweizimmerwohnung leben, beklagen die Gesprächskultur von DC Values. Gerüchte würden ins Kraut schießen, die Mieter seien verunsichert. „Mit Nachbarn wurde zwar gesprochen, es blieb dabei aber vieles im Unklaren“, hat Christian Avenarius in Erfahrung gebracht. „Auf unsere Terminangebote wurde nicht eingegangen“, sagt der frühere Staatsanwalt. Als Sachsens Vertreter in Brüssel hat er einen vollen Terminkalender, konnte zum ersten angesetzten Gesprächstermin nicht, weil er in der belgischen Metropole weilte. An der Wohnung im Wöhrl-Kaufhaus schätzt er vor allem die Nähe zum Hauptbahnhof, wolle deshalb auch dort wohnen bleiben. „Wir werden sicher auch etwas anderes für uns finden, wenn auch nicht in dieser Lage“, sagt er. „Aber was ist mit unseren Nachbarn, die meist älter sind? Einer von ihnen ist gehbehindert – er ist auf die gute Infrastruktur vor Ort angewiesen.“

3365 Menschen leben an Prager Straße

Avenarius appelliert an die Stadt, sich für den Umbau in ein Wohnhaus einzusetzen. Im Rathaus entwickelt man in dieser Richtung jedoch wenig Ehrgeiz. „Das Gebäude ist Teil eines festgesetzten Kerngebietes, in dem Wohnen nicht allgemein zulässig ist“, heißt es zur Begründung. Man bezweifle, dass an der Prager Straße ausreichend „Wohnruhe“ herrsche. Avenarius widerspricht dem: „Es ist sicher kein Wohnen im Grünen, aber Wohnruhe herrscht hier schon.“ Es gebe genug Menschen wie ihn und seine Frau, für die die Vorteile der Innenstadtwohnung überwiegen: Barrierefreier Zugang, kurze Wege zum Nahverkehr und Bahnhof, Geschäfte vor der Haustür. Tatsächlich blickt Avenarius an Ferdinandstraße, Trompeterstraße und St. Petersburger Straße auf mehrere Wohngebäude, die bestens vermietet sind. 3365 Menschen wohnen laut Melderegister zwischen St. Petersburger Straße und Reitbahnstraße – also rings um die Prager Straße. Das ist nicht wenig.

Zwei Jahre Umbau

Nach jetzigem Stand werden es wohl bald etwas weniger. Im Herbst will DC Values eine Hotelgesellschaft gefunden haben, die nach dem etwa zweijährigen Umbau ins dann ehemalige Wöhrl-Kaufhaus einzieht. Die Mieter müssten wohl schon vor dem Umbau raus, heißt es auf Anfrage. Wann der beginnt, ist unsicher. Wöhrl bestätigt nur, dass man einen neuen Standort in Dresden suche. Aus informierten Kreisen heißt es, dass ein Umzug zum Ende diesen, Anfang des nächsten Jahres angedacht sei.

Von Uwe Hofmann

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