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Lokales Wie eine junge Biotech-Firma aus Dresden in den USA Fuß fasst
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14:25 14.11.2019
Lipid-Pionier Kai Simons hat die Dresdner Biotech-Firma „Lipotype“ 2012 aus dem Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik Dresden ausgegründet. Quelle: Lipotype/André Wirsig
Dresden/Boston

Ist von Digitalisierung und Globalisierung die Rede, denken nicht Wenige an Jobverluste und andere negative Begleiter des weltweiten Wandels. Doch für kleine Unternehmen, die sich zum Beispiel gerade erst frisch aus einer Uni heraus gegründet haben, ist die globale Vernetzung ein Riesenvorteil: Per Internet wird die ganze Welt zur erreichbaren Zielgruppe. Dadurch sind heute selbst Nischenprodukte rentabel, die früher keine Chance hatten, weil es für manch exotische Innovation einfach zu wenige potenzielle Käufer auf dem regionalen Markt der Gründer gab und gibt.

„Neugegründete Technologieunternehmen sollten vom ersten Tag an global agieren“, rät Oliver Uecke von der Dresdner Biotech-Firma „Lipotype“. Das 2012 vom Lipid-Pionier Kai Simons aus dem Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik Dresden gegründete Unternehmen ist auf innovative Fett-Analysen spezialisiert und baut derzeit in Boston seine US-Präsenz aus.

Wer erfolgreich sein will, muss sich verkaufen können

„Die Kontakte können Sie über das Internet knüpfen. Und dann mag ein Start-up klein anfangen: Mit Vor-Ort-Informationsveranstaltungen für die internationalen Kunden zum Beispiel. Dafür braucht man keine Riesen-Ressourcen. Was man aber braucht, ist ein überzeugendes Produkt – und die Gabe, dem amerikanischen Kunden oder Investor deutlich zu erklären, welchen Mehrwert er davon hat.“

Oliver Uecke von Lipotype kümmert sich um die US-Expansion der Dresdner Biotech-Firma. Quelle: German Accelerator

Das sieht Stefan Beerhalter ganz ähnlich. Er ist Vizepräsident im Bundesförderprogramm „German Accelerator“ und hat den Dresdnern dabei geholfen, in der Biotech-Metropole Boston einen Fuß in die Tür zu bekommen. „Wer in der Biotechnologie unterwegs ist, kommt um die USA nicht herum“, betont er. „Aber viele junge Unternehmer unterschätzen die Größe, die Dynamik und den Wettbewerbsdruck in diesem Markt: Wer dort erfolgreich sein will, muss sich verkaufen können.“ Und eben das falle vielen deutschen Gründern, insbesondere Wissenschaftlern oder Ingenieuren, die eben von der Uni gekommen sind, oft schwer. „In Präsentationen vor Investoren muss man klar die Einzigartigkeit des eigenen Produktes herausstreichen und herausstechen. Denn Sie können darauf wetten: In den USA gibt es garantiert zu jeder Geschäftsidee bereits ein Dutzend Firmen, die etwas ähnliches machen.“

Erste Außenstelle entstand im kalifornischen „Silicon Valley

Als Lotse inmitten solch hart umkämpfter Märkte hatte das Bundeswirtschaftsministerium 2012 den „German Accelerator“ gegründet. Von München aus unterstützt dieses Netzwerk mit über 300 Mentoren die internationale Expansion junger deutscher Unternehmen. Die erste Außenstelle entstand im kalifornischen „Silicon Valley“. Seitdem sind weitere Dependancen in New York, Singapur und Cambridge bei Boston hinzugekommen. Letztere Filiale hat sich darauf spezialisiert, Gründer aus der Biotechnologie, aus der Medizintechnik und anderen „Lebenswissenschaften“ den Zugang auf den US-Markt zu erleichtern.

„Uns hat das sehr geholfen“, betont Lipotype-Geschäftsentwickler Oliver Uecke. „Die Accelerator-Leute haben uns Kontakte hinein in die wichtigen Biotech-Netzwerke vermittelt. Sie haben uns aber auch die kulturellen Unterschiede zum Beispiel bei Geschäftsessen und Symposien in Deutschland und in den USA erklärt. Und wir dürfen Büros und Konferenzräume in einem großen Biotech-Inkubator kostenlos nutzen. Das ist viel wert – Boston ist ein teures Pflaster.“

„Wir sehen viel Potenzial in dieser Dresdner Firma“

All dies sei sehr nützlich gewesen, um auf einem ganz wichtigen Markt die Kunden direkt ansprechen zu können, betonte Uecke. So hätten die Dresdner auch Produkte entwickeln können, die auf die speziellen Bedürfnisse des US-Marktes zugeschnitten seien – darunter einen Fettanalyse-Service für die frühe Phase bei der Entwicklung neuer Medikamente. „Wir können dadurch unsere Präsenz in den USA deutlich ausbauen.“ Dies wiederum sichere Arbeitsplätze daheim in Dresden.

Auch Stefan Beerhalter vom Accelerator ist zuversichtlich: „Wir sehen viel Potenzial in dieser Dresdner Firma“, sagt er. „Was Lipotype macht, ist wissenschaftlich fundiert – und das nehmen ihnen auch die Amerikaner ab.“ Denn alles, was mit den deutschen Max-Planck-Instituten zu tun hat, genieße in den USA einen guten Ruf. „Und dass als Gründer ein international angesehener Forscher wie Professor Kai Simons dahinter steht, war ebenfalls ein Pluspunkt.“

Ähnliche Stärken sehe er bei weiteren Biotech-Firmen aus Sachsen. „Nach meiner Wahrnehmung sind in der deutschen Biotechnologie zwar vor allem die Standorte München und in Nordrhein-Westfalen führend“, schätzt der Accelerator-Manager ein. „Aber gerade in der Dresdner Gegend macht dieser Sektor große Fortschritte.“ Das mag auch daran liegen, das hier viele Biotech-Gründungen aus angesehenen Instituten hervorgehen. Stefan Beerhalter: „In Dresden wird bemerkenswert viel aus dem wissenschaftlichen Bereich ausgegründet.“

Von Heiko Weckbrodt

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