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Lokales Wie ein Verein den Chinesischen Pavillon rettete
Dresden Lokales Wie ein Verein den Chinesischen Pavillon rettete
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07:34 07.08.2019
Malte von Bargen hat viel Engagement in den Pavillon gesteckt. Am Mittwoch feiert er seinen 90. Geburtstag. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Das Schicksal des Chinesischen Pavillons am Rande der Heide auf dem Weißen Hirsch hing 2005 am seidenen Faden. Das historische Gebäude war im August 1997 ausgebrannt und daraufhin zerstört und geplündert worden. Die Stadt hatte es aufgegeben, die Abrissbagger standen sozusagen bereit. Doch dann nahm sich Malte von Bargen der Sache an. Die Stadt bot an, das Haus zu kaufen. Das tat von Bargen, gründete einen Verein zum Erhalt des Pavillons und stand ihm ein Jahrzehnt vor. An diesem Mittwoch wird Malte von Bargen 90 Jahre alt.

Eine runde Million Euro sind mittlerweile in die Sanierung des Chinesischen Pavillons geflossen. Auf rund 300 000 Euro schätzt der Vereinsvorstand die Kosten für das, was noch zu tun ist. „Man muss immer wieder sehen, dass man den Pavillon im Gespräch hält“, hat von Bargen erkannt. Am Weißen Hirsch und am Elbhang ist das kein Problem, „aber in Pieschen oder Mickten ist der Chinesische Pavillon wohl kaum ein Begriff“, vermutet er.

„Man muss erst die Hirschler bei der Stange haben“

Deswegen war ihm klar, als es an die Vereinsgründung ging: „Man muss erst die Hirschler bei der Stange haben.“ Zehn Leute waren es, die sich 2005 in dem Verein zusammentaten. Darunter der damalige Loschwitzer Ortsamtsleiter Peter Rauch. Der schlug vor, jedes der Gründungsmitglieder sollte dem Verein 5000 Euro überlassen – als Ar­beitskapital und Verhandlungsmasse. Noch heute ist Malte von Bargen für diesen Vorschlag dankbar. „So konnten wir, wenn es um Fördermittel ging, auch einen eigenen Anteil vorweisen. Das hat uns sehr geholfen.“ 2017 gab es von der Ostsächsischen Sparkassenstiftung den ersten offiziellen Förderbescheid. Doch auch darüber hinaus sei „die Bereitschaft hier gut, ein solches Werk zu unterstützen.“

Das besondere Interesse von Bargens an der chinesischen Ruine war übrigens geweckt, als er entdeckte, dass es sich hier in der Tat um ein original chinesisches Gebäude handelte. Er hatte dazu in den Archiven der Stadt und des Freistaats recherchiert. „Größtenteils habe ich das zusammensuchen müssen“, erinnert er sich. Und an ein besonderes Erlebnis: Im Zuge der Gründung der Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Hangzhou kam eine Delegation aus der chinesischen Stadt an die Elbe. 2010 schickte deren Bürgermeister eine Expertendelegation zum Pavillon, da war ein Architekt und Denkmalfachmann dabei. „Plötzlich war der weg und tauchte erst nach gut zwanzig Minuten wieder auf“, erzählt von Bargen. Er habe alles sorgfältig vermessen, die Säulen, die Fenster, sagte der Mann aus Hangzhou. „Das sind original chinesische Maße; kein Deutscher kann so bauen.“ Mit bloßem Auge würde man das gar nicht sehen. Der Vereinsgründer war selig: „Das war die schönste Bestätigung.“

Kaufpreis? Unbekannt.

Das Grundstück und der Pavillon sind übrigens mittlerweile Eigentum des Vereins. An einen Verein in Gründung wollte die Stadt damals nicht verkaufen, im Vertrag wurde aber festgelegt, dass die Immobilie in den Besitz des Vereins übergeht. Der Kaufpreis damals? „Wir haben mit der Stadt vereinbart, darüber sprechen wir nicht“, lächelt von Bargen. Inzwischen hat er sein Geld längst vom Verein zurück. Auch die 5000 Euro, die jedes Gründungsmitglied als Einlage hingab, seien zurückgezahlt, kann von Bargen vermelden. Es sei ohnehin nie angetastet worden.

Der Pavillon und das Grundstück sind inzwischen Eigentum des Vereins. Quelle: Anja Schneider

Am 1. Oktober 2015 wurde der Chinesische Pavillon offiziell wiedereröffnet – als deutsch-chinesische Begegnungsstätte. Seitdem hat es dort rund 300 Veranstaltungen gegeben, meistens mit, manchmal auch ohne Bezug zu China: Vorträge, Lesungen, Konzerte, Diskussionsabende ... Auch für private Feiern kann der Pavillon gemietet werden, bis zu 70, 80 Personen finden Platz. Die Verpflegung allerdings muss ein Caterer übernehmen – das Untergeschoss ist, ebenso wie die Außenanlage, noch Baustelle. Eine Küche gibt es noch nicht.

Kein Fest ohne die Frau

Im Pavillon hätte auch Malte von Bargen seinen 90. Geburtstag gefeiert. Doch der Empfang ist abgesagt. Seine Frau ist schwer erkrankt, und ohne sie ... „Meine Frau hat mich immer selbstlos unterstützt“, sagt von Bargen. „Ich kann kein Fest machen, wenn sie nicht dabei ist.“ Dorothea von Bargen hat zudem ungewollt einen entscheidenden Anteil daran, dass ihr Mann sich dem Pavillon widmete.

Malte von Bargen wurde 1929 in Riga geboren, sein Vater war Diplomat. Die Kriegsjahre verbrachten seine Mutter, er und seine zwei Schwestern nach verschiedenen Stationen vornehmlich im Kreis Neumark, Königsberg, östlich der Oder, im heutigen Polen. Zum Kriegsende verschlug es sie zu Verwandten in die Elbmarsch zwischen Hamburg und Cuxhaven. Von Bargen hatte sich freiwillig zur Wehrmacht gemeldet – in Lüneburg. „Alle sagten: Wenn man bei der Wehrmacht angenommen ist, lässt einen die SS in Ruhe.“ Doch der Krieg war ohnehin schon so gut wie vorbei.

Dresden isses“

1947 macht Malte von Bargen Abitur in Stade, beginnt ein landwirtschaftliches Betriebspraktikum auf einem Gut. Zum Studium verschlägt es ihn nach Tübingen, Jura. Er bekommt die Gelegenheit, sich mit einem Fulbright-Stipendium in New Orleans weiterzubilden. 1954 geht er als Assessor zum Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, wird danach Finanzvorstand zunächst bei der Allianz-Versicherung in Stuttgart, dort heiratet er auch 1958, ab 1973 ist er dann bei der Victoria Lebensversicherung in Düsseldorf.

Mitte der 80er Jahre nimmt er dort seinen Abschied. Die Entwicklungen im internationalen Finanzbereich hätten ihm Sorge gemacht, sagt er. „Als die Finanzwelt anfing etwas merkwürdig zu ticken, da wollte ich nicht mehr mitmachen.“ Stattdessen macht er sich als Anwalt und Berater für gemeinnützige Organisationen selbständig. So kommt er auch nach der Wende auf den Gedanken, sich bei Behörden zur Rückerstattung enteigneten Vermögens vorzustellen. Ein Versuch in Greifswald, wo er persönliche Beziehungen hatte, läuft ins Leere, aber dann werden Berlin oder Dresden angeboten. „Da hab ich dann sehr schnell gesagt: Dresden isses.“ Am 1. April 1992 fängt er in Dresden an beim Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen.

Historie und Kontakt

1911: Der Chinesische Pavillon und eine Pagode werden auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden von Mai bis Oktober gezeigt; Im Dezember kauft die Gemeinde Weißer Hirsch den Pavillon

1912: Eröffnung des Pavillons als Lesehalle

1913: Eröffnung der Trinkkurhalle von „Pfunds Molkerei“

1917: Schließung aufgrund des Ersten Weltkriegs

1919: Wiedereröffnung der Lesehalle im Pavillon

1943: Schließung aufgrund des Zweiten Weltkriegs

1951: Gaststätte im Pavillon

1956: HO-Gaststätten-Betrieb übernimmt

1961: Eröffnung eines Lesecafés

1974: Bildungseinrichtung für Hotel- und Gaststättengewerbe

1990: Sitz einer Werbeagentur

1992: Erstes chinesisches Restaurant in Dresden: „Jasmin“

1997: Ein Feuer zerstört den Pavillon.

2005: Gründung des Vereins „Chinesischer Pavillon zu Dresden e. V.“

2006: Ministerpräsident Georg Milbradt übernimmt Schirmherrschaft für den Pavillon; sie ist ans Amt gebunden, nicht an die Person

2007: Beginn des Wiederaufbaus

2015: Wiedereröffnung

Kontakt: Der Pavillon steht an der Bautzner Landstraße 17A; www.chinesischer-pavillon.de; E-Mail: info@chinesischer-pavillon.de

Der Mitgliedsbeitrag beträgt 50 Euro pro Jahr und Person, für Paare 80 Euro.

Eine informative Broschüredes Vereins heißt „Der Chinesische Pavillon auf dem Weißen Hirsch in Dresden – Seine Geschichte von der 1. Internationalen Hygiene-Ausstellung 1911 bis heute“, ISBN 978-3-00-059636-0.

Das sei für ihn auch eine Rückkehr gewesen, sagt er. Sein Großvater und sein Urgroßvater stammten aus Dresden. „Ich bin also schon ein halber Heimkehrer, nicht bloß ein Zuwanderer.“ Dennoch: Als er in den Ruhestand ging, war die Frage, wohin nun. Zurück nach Düsseldorf, zurück nach Tübingen, wo ein schönes Haus bereitgestanden hätte ... Und da sagte seine Frau den entscheidenden Satz: „Oder wir können hierbleiben.“

Ziel: Pavillon als Stadtteilzentrum etablieren

So kam es, wie man ja nun weiß. 1985 gab von Bargen den Vereinsvorsitz ab, seitdem leitet der frühere CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Dieter Reinfried die Geschicke des Vereins. Die nächsten Ziele: Es gibt Überlegungen, den Pavillon auch als Stadtteilzentrum zu etablieren. Und die Zahl der Mitglieder könnte steigen, derzeit sind es etwa 90. Denn aus Mitgliederbeiträgen, Einnahmen aus Veranstaltungen, Spenden finanziert der Verein den weiteren Aufbau. Zudem müssen Fördermittel eingeworben werden. Und er verkauft Große Stifterbriefe über 1000 Euro.

Was wünscht sich nun aber der Jubilar zu seinem 90. Geburtstag? „Dass das Land, in dem ich lebe, sich in Frieden weiterentwickeln kann. Ich möchte dazu auch, soweit ich es noch kann, gerne etwas beitragen“, sagt er. „Es ist ein unverdientes Geschenk, dass man seit 1945 ohne weiteren Krieg hier gelebt hat. Das ist ein großes Geschenk. Viele Menschen sind sich nicht im Klaren, dass man das man das hüten und pflegen muss und müssen erst durch Personen wie Donald Trump und Boris Johnson darauf aufmerksam gemacht werden, dass es auch anders kommen kann. Aber eigentlich wusste man das doch ...“

Von Bernd Hempelmann

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