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Lokales Wie ein Dresdner an die Fluggeschichte in der Region erinnern will
Dresden Lokales Wie ein Dresdner an die Fluggeschichte in der Region erinnern will
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12:54 27.11.2019
Andreas Lorenz präsentiert das Modell des Segelfliegers D-B 2, der vor rund 100 Jahren in Dresden gebaut worden ist. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Andreas Lorenz ist wohl das, was er selbst einen „Hypomotoriker“ nennen würde. Das ließe sich auch mit Energiebündel umschreiben. Selbst wenn er auf einem Stuhl sitzt und erzählt, ist er irgendwie ständig in Bewegung. Vor allem wenn es um den Modellbau geht, ist er elektrisiert. „Ich habe seit der 2. Klasse praktisch alles gebaut, was zu bekommen war“, sagt der heute 67-jährige Mann aus dem Erzgebirge, der jetzt am Stadtrand von Dresden wohnt. Inzwischen vertieft er sich in die Dresdner Segelfluggeschichte, und da steht ein großes Jubiläum ins Haus.

Andreas Lorenz tüftelt an einem Segelflieger. Quelle: Anja Schneider

Modellbau als handwerkliche Grundlage

Lorenz ist in Cranzahl-Sehmatal geboren. Er wuchs in einem Kantorenhaushalt auf. Ein enges Verhältnis zur Musik war ihm damit praktisch in die Wiege gelegt. Gleichzeitig faszinierte ihn der Modellbau, vor allem für Flugzeugmodelle. „Es gab damals die Flugzeuge aus der Kranichserie, die habe ich fast alle gebaut.“ Lorenz wird schließlich Musiker, spielt Oboe in der Sächsischen Staatskapelle. Das filigrane Arbeiten gehört auch dazu. „Die Mundstücke baut jeder selbst, der Modellbau hat mir dafür die handwerklichen Grundlagen gelegt“, erklärt Lorenz.

Nur während des Studiums an der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ hatte er kaum Zeit für seine private Leidenschaft. Später flog er mit der Kapelle um die ganze Welt, Gastspiele führten ihn nach Japan, in die USA, Europa sowieso. In der knappen Zeit zu Hause stürzte er sich auf seine Flugzeugmodelle. „Das hatte therapeutischen Charakter“, ist er sich bewusst. Es verhalf zu etwas Abstand zum Orchester, zur Ausbildertätigkeit und zu den freiberuflichen Auftritten. „Wenn sie in der Branche Phlegmatiker sind, kommen sie nicht weit“, begründet er seine Diagnose.

„Hypomotoriker“ trotz Ruhestand

Von seinen Kindern habe er in dieser Zeit nicht viel gehabt. Er und seine Frau haben einen Sohn, zwei Töchter und inzwischen acht Enkel. In seine Fußstapfen als Musiker ist keiner getreten. „Da war ich wohl ein abschreckendes Beispiel“, sagt er halb ernst, halb lachend.

Seit zwei Jahren ist er im Ruhestand – aber nur musikalisch. In die Fliegerei vertieft er sich noch mehr denn je. Jetzt hat es ihm die Geschichte in Dresden angetan. Der große Geburtshelfer der „Fliegekunst“ war natürlich Otto Lilienthal Ende des 19. Jahrhunderts. Anfang des 20. Jahrhunderts, Lilienthal war Jahre zuvor bei einem Absturz im brandenburgischen Havelland ums Leben gekommen, machte auch die Entwicklung motorisierter Flugzeuge große Fortschritte.

In Dresden konzentrierten sich ab etwa 1914 Fachleute im Flugtechnischen Verein der Technischen Hochschule (dem Vorläufer der TU Dresden) auf den Modell- und Segelflug. Im deutschen Dachverband war es üblich, den leistungsstärksten Regionalverband mit dem Präsidium, also praktisch der Führung, zu betrauen. Dazu wurden 1920 die Dresdner auserkoren. Und hier wurde aus der Sicht von Lorenz Geschichte geschrieben. Von der Elbe ging im März 1920 der „Dresdner Ruf“ an alle Gleit- und Segelfluginteressenten aus zu einem großen Wettbewerb auf der Wasserkuppe in der Rhön, der in der Zeitschrift „Flugsport“ veröffentlicht worden war. Die Veranstaltung im August 1920 betrachten die Luftfahrthistoriker laut Lorenz als „die Geburtsstunde des Segelflugs als Weltbewegung“.

Für die Vorführung seiner Flugzeuge muss Modellflieger Andreas Lorenz schon mit ausreichend Energie ausgestattet sein. Quelle: Anja Schneider

Faszination und Schrecken der Flugversuche

Alljährlich kam es zu den Wettbewerben in der Rhön. Ab 1921 bauten die Dresden jedes Jahr ein neues Fluggerät. Die Dresdner Baumuster (DB 1 bis DB 10) bezeichnet Lorenz als „studentische Meisterleistung“. Die Dresdner hätten mit ihren Initiativen wie der Veranstaltung in der Rhön einen beachtlichen Beitrag zum Vorantreiben der Grundlagenforschung zur Aerodynamik geleistet und damit auch die Basis für spätere Verkehrsflugzeuge wie das Passagierstrahlflugzeug 152 aus Dresden geschaffen. Die Motorflieger zu Zeiten des Ersten Weltkrieges seien dagegen doch „fliegende Schrankwände“ gewesen.

Flugzeug mit dem Namen D-B 2 „Doris“

Das Original-Flugzeug mit dem Namen D-B 2 „Doris“ erbaute der Flugtechnische Verein der Technischen Hochschule Dresden in den Jahren 1921/22. Es hatte eine Spannweite von 12,20 Meter. Die Länge betrug 5,30 Meter. Das Leergewicht lag bei 118,5 Kilogramm.

Das Modell davon, das Andreas Lorenz betreibt, ist etwa 4,5 Kilogramm schwer. Es hat eine Spannweite von 3,20 Metern. Um bei Vorführungen unabhängig zu sein, ist es mit einem Motor ausgestattet, den es beim historischen Vorbild nicht gab. Da es keine Abdeckung für die Pilotenkabine gibt, hat in dem Modell eine Fledermaus Platz genommen. Die Luftverdrängung durch den Piloten ist für die Flugeigenschaften von Bedeutung.

Nach den „wackelig-waghalsigen Konstruktionen“ von Otto Lilienthal hätten auch die Dresdner immer solidere und aerodynamisch durchdachtere Objekte entwickelt. In der Anfangszeit, als die Segelflugzeuge in der Rhön mit Manneskraft oder Gummiseilen in die Luft befördert wurden, ging es nur darum, so lange wie möglich geradeaus zu fliegen. Häufig endete der Flug mit einer Bruchlandung. „Das Wichtigste war damals der Leim“, bringt Lorenz das Risiko der Flüge auf den Punkt. Jährlich habe es bei den neuen Geräten beachtliche Entwicklungssprünge gegeben. Regelmäßig aber auch Opfer bei den Flugversuchen.

Die DB 10 der Dresdner, DB steht dabei für Dresdner Baumuster, habe als Hochleistungssegler 1935 sogar einen Streckenweltrekord aufgestellt. Doch der Flugtechnische Verein war 1933 aufgelöst worden, geriet in Vergessenheit - und mit ihm die technischen Leistungen der Dresdner Forscher, bedauert Lorenz.

100 Jahre Lufthistorie in Sachsen

Das will Lorenz mit seiner kleinen Interessengemeinschaft „Lufthistorie Dresden/Sachsen im Modellflug“ ändern. Im kommenden Jahr müsse zum 100. Jubiläum der Veranstaltung in der Rhön an die Leistungen von vor 100 Jahren erinnert werden. Er hofft, dass sich dabei auch das Verkehrsmuseum und die Technischen Sammlungen in Dresden mit einbringen. Mit Modellen der Segelflugzeuge aus den 20er-Jahren wollen Lorenz und seine Mitstreiter in der Interessengemeinschaft auf das Jubiläum aufmerksam machen.

Die D-B 10, das Vorbild für dieses Modell, erzielte in den 1930er-Jahren einen Streckenweltrekord. Quelle: Anja Schneider

Für drei Modelle aus der DB-Reihe seien die Bauunterlagen überliefert. Die D-B 2 und die D-B 10 hat die Interessengemeinschaft schon nachgebaut. Ein halbes Jahr kann das schon kosten. Die Konstruktion und der Rohbau stammen vom Annaberger Tischlermeister Joachim Nestler. Kiefernleisten, Sperrholz-Planken und Antik-Gewebe zur Verkleidung wurden dann zum Flugmodell zusammengefügt. Vierstellige Euro-Beträge kommen da auf der Kostenseite auch schnell zusammen.

Flugzeug D-B 10

Das Flugzeug D-B 10 wurde 1931/32 von der AKA-Flieg, der Akademischen Fliegergruppe, der Technischen Hochschule Dresden gebaut. Die Spannweite betrug 20 Meter, die Länge des Flugzeugs 7,50 Meter. Die Rüstmasse (Leergewicht) lag bei 220 Kilogramm.

Als Modell ist das Flugzeug acht Kilogramm schwer und hat eine Spannweite von fünf Metern. 1935 wurde mit dem Original ein Streckenweltrekord für ein Segelflugzeug aufgestellt. Nach 504 Kilometern von der Wasserkuppe bis nach Brünn konnte erstmals ein so langer Segelflug gelandet werden.

Die Freiheit über den Wolken

Die Fliegerei hat für ihn etwas Befreiendes. Stundenlang könne er beispielsweise auf dem Flugfeld der Modellfluggruppe Großerkmannsdorf an der Luft sein, Sonne und Wind genießen. „Die Greifvögel sind unsere Freunde, manchmal begleiten sie in der Luft jede Bewegung unserer Modelle“, beschreibt es Lorenz. Auch die Störche seien sofort da. Noch nie habe er eine Attacke erlebt. Für das Jubiläum des „Dresdner Aufrufs“ im kommenden Jahr wünsche er sich natürlich etwas mehr Interessenten, sagt der Modellbauer, springt auf und holt wieder etwas heran. Es ist ein Dokumentarfilm über den Bau von Mundstücken für die Oboe. „Die aerodynamischen Gesetze für schwingende und strömende Luft sind die gleichen“, erklärt Lorenz. Die Flugzeuge und sein Instrument haben viel miteinander zu tun.

Auf dem Flugfeld in Großerkmannsdorf bei Dresden kann Andreas Lorenz seine Modelle vorführen, die an die sächsische Flugzeuggeschichte erinnern. Quelle: Anja Schneider

Er selbst hat es mit dem Fliegen jedoch nie so richtig probiert. In den 1990er-Jahren sei er mal mit dem Gleitschirm unterwegs gewesen. „Da habe ich aber gesehen, wie sich andere die Knochen brechen.“ Schließlich hatte er Familie und war mit Hausbau beschäftigt. „Da konnte ich doch kein Risiko eingehen.“

Von Ingolf Pleil

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