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Lokales Wie das Dresdner RoRo-Gymnasium beim Geschichtswettbewerb abräumt
Dresden Lokales Wie das Dresdner RoRo-Gymnasium beim Geschichtswettbewerb abräumt
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08:23 26.06.2019
Plakat zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Quelle: Körber-Stiftung
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Dresden

Schulleiter Alfred Hoffmann hat allen Grund zur Freude: Beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten räumt das Dresdner Romain-Rolland-Gymnasium richtig ab. „Das ist eine schöne Ernte“, sagte Hoffmann auf DNN-Anfrage. Bei der Preisverleihung am Mittwoch in Leipzig gehen insgesamt zwölf Preise für den Landessieg (je 250 Euro) und zwölf Förderpreise (je 100 Euro) an Schülerinnen und Schüler aus Sachsen. Das Romain-Rolland-Gymnasium in Dresden erhält unter anderem den Preis als landesbeste Schule (1000 Euro).

Sechs Landessiege für das RoRo

„So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch“ lautete das Thema der 26. Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten. Bundesweit beteiligten sich 5582 Kinder und Jugendliche bei der aktuellen Runde und reichten insgesamt 1992 Beiträge ein.

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Seit 1973 richten die Hamburger Körber-Stiftung und das Bundespräsidialamt den Geschichtswettbewerb aus, der auf eine gemeinsame Initiative des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Stifters Kurt A. Körber zurückgeht. Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, Selbstständigkeit zu fördern und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Der nach Angaben der Stiftung „größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland“ wird in ei­nem zweijährigen Turnus zu wechselnden Themen ausgeschrieben.

In Sachsen kamen von 91 eingereichten Beiträgen rund 85 Prozent aus Gymnasien und dabei wiederum besonders viele aus dem „RoRo“. Entsprechend groß ist auch die Preisausbeute: Allein sechs Landessiege gehen an das Gymnasium auf der Dresdner Weintraubenstraße. Weitere Titel gehen an das Hans-Erlwein-Gymnasium und das Gymnasium Plauen (zwei). Bei den Förderpreisen sieht es ähnlich aus. Dreimal ehrt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Beiträge aus dem „RoRo“, einmal aus dem Er­lwein-Gymnasium und einmal aus dem Gymnasium Bühlau. Schließlich heimst das „RoRo“ aufgrund der Zahl der Landessiege und Förderpreise auch die Auszeichnung für die „Landesbeste Schule Sachsen“ ein.

Franco, Homosexualität und Hessen-Kassel

So beschäftigte sich Eduardo Perez Garcia (Klasse 10) mit dem Leben seines Urgroßvaters, der auf den Kanaren wohnte. Garcia wollte herausfinden, welchen Einfluss der Putschversuch von Francisco Franco und der Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 auf das Leben seines Vorfahren hatte. Floria Herget (Klasse 10) untersuchte ebenfalls ihre Familiengeschichte, die mit der Ansiedlung der Hugenotten und Waldenser in Hessen-Kassel im 17. und 18. Jahrhundert zusammenhängt. Flucht und Vertreibung durchzogen beide Geschichten.

Mit den Auswirkungen der Wende auf Schüler und das politische Ge­fängnis Bautzen II befassten sich die Arbeiten von Fabiola Schaible und Yasmin Maazaoui (beide Klasse 11). Die Zehntklässlerin Charlotte Michel nahm das Leben homosexueller Menschen in der DDR in den Blick, spannte den Bogen bis in die Nachwendezeit und fand heraus, dass es eine deutliche Differenz zwischen der postulierten Fortschrittlichkeit in der DDR-Politik und der Akzeptanz in der Bevölkerung gab.

Seit mehr als zehn Jahren gebe es am „RoRo“ Lehrer, die sich besonders um die Teilnahmen am Geschichtswettbewerb bemühen, beschreibt Hoffmann den Hintergrund für die starke Vertretung aus seinem Gymnasium. Auch aus dem Sprachprofil der Schule ergebe sich eine besondere Verbindung zu geschichtlichen Themen. „Die Schüler beschäftigen sich dann damit, betreiben stundenlange Recherchen, fahren zu Interviews und befassen sich fast ein Jahr lang mit ihrem Thema.“ Dieser Einsatz mache ihn „unheimlich stolz“, sagt der Schulleiter und freut sich darüber, dass eine hochrangige Jury das im Wettbewerb erkenne und würdige.

Von Ingolf Pleil