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Lokales Wie Gefängniszellen in Dresden sicherer werden
Dresden Lokales Wie Gefängniszellen in Dresden sicherer werden
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06:25 20.10.2018
Justizminister Sebastian Gemkow in dem gitterlosen Haftraum.
Justizminister Sebastian Gemkow in dem gitterlosen Haftraum. Quelle: dpa
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Dresden

Gitter – wohl nichts symbolisiert ein Gefängnis so sehr wie Gitter. Ironisch sagt man oft auch: „Der sitzt hinter schwedischen Gardinen“. Das hat nichts mit Ikea-Stores zu tun, sondern mit dem Stahl aus Schweden, der früher als besonders stabil galt. Deshalb wurden aus ihm oft die Gitter fürs Gefängnis gemacht – eben schwedische Gardinen. In der Dresdner JVA auf dem Hammerweg ist jetzt ein neuer Haftraumtyp in Betrieb gegangen, der auf Gitter verzichtet – korrekt „Präventions- und Sicherheitshaftraum“, kurz PSR genannt.

Der wurde speziell für die Unterbringung von Gefangenen entwickelt, die als suizidgefährdet gelten oder von denen eine Gefahr für Bedienstete und andere Gefangene ausgeht. Die JVA Dresden übernimmt damit eine Vorreiterrolle, so das Justizminister Sebastian Gemkow (CDU), der die Zelle am Freitag persönlich den Medien präsentierte. „Die Unterbringung gefährlicher und gleichzeitig suizidgefährdeter Gefangener stellt den Justizvollzug vor große Herausforderungen. Eine Arbeitsgruppe aus sächsischen Vollzugspraktikern hat einen neuen Haftraum konzipiert, der sowohl der Gefährdung der Bediensteten als auch der Gefahr der Selbsttötung des Gefangenen Rechnung trägt.“

Anlass war der Selbstmord des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr in der JVA Leipzig, der 2016 für viel Aufsehen sorgte. Der 22-jährige Syrer hatte sich am Gitter seiner Zellentür erhängt. Das kann nun nicht mehr passieren, es gibt keine Zwischengitter mehr, die die Wärter vor potenziell gefährlichen Gefangenen schützen sollen. Nach der Haftraumtür ist eine zusätzliche Sicherheitstür aus Stahl und besonderem Plexiglas eingebaut, mit einer Öffnung zur Fesselung des Häftlings oder zur Verabreichung von Medikamenten.

Das gesamte Mobiliar ist bruchsicher und unkaputtbar, Ecken und Kanten verblendet, Waschbecken und Toilette nicht aus Porzellan, das man zerschlagen könnte, sondern aus Edelstahl. Man hat sich für viele Eventualitäten etwas einfallen lassen, die Handtuchhalter zum Beispiel kippen ab einem bestimmten Gewicht um, so dass sich niemand erhängen kann. Auch Heizkörper gibt es nicht, die Zelle hat eine Fußbodenheizung. Die Steckdosen sind abgeschaltet und werden nur bei Bedarf vom Überwachungsraum nebenan zugeschaltet. Durch eine Plexiglasscheibe können die Beamten den Häftling ständig beobachten und einschreiten, wenn es Probleme gibt.

Im Unterschied zu den vorhandenen „besonders gesicherten Hafträumen“, in denen nur eine kurzfristige Unterbringung möglich war, können in der neuen Zelle Gefangene länger inhaftiert werden und die Justizbeamten müssen nicht als „Sitzwache“ stundenlang vor der Tür sitzen. Das macht es sicher beiden Parteien etwas angenehmer – auch wenn das Ganze seinen Preis hat – stolze 120 000 Euro. Weitere dieser „gitterlosen“ Zellen sollen in Sachsen folgen – geplant sind zunächst 17 Zellen mit einem angrenzenden Aufsichtsraum, 17 ohne diesen.

Eine hundertprozentige Sicherheit und Garantie wird es nicht geben, aber die Möglichkeiten, sich selbst oder andere zu verletzen, werden so doch erheblich eingeschränkt. Im Durchschnitt bringen sich pro Jahr in sächsischen Gefängnissen zwischen vier und sechs Häftlinge um, in diesem Jahr war es erst einer. Weitere Sicherheitsmaßnahmen sollen folgen. „Wenn die gesetzlichen Grundlagen vorliegen, können die „besonderen Zellen“ auch videoüberwacht werden, so Gemkow.

Von Monika Löffler