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Lokales Wie Dresdner Zeitungen über die Ereignisse vom Mauerfall bis zur deutschen Einheit berichteten
Dresden Lokales Wie Dresdner Zeitungen über die Ereignisse vom Mauerfall bis zur deutschen Einheit berichteten
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14:14 09.01.2020
Presseschau: Wie die Sächsischen Neuesten Nachrichten, das Sächsische Tageblatt und die Union im November 1989 berichteten. Quelle: DNN
Dresden

Als an jenem Donnerstag im November 1989 die Berliner Mauer fiel, entwickelten die Ereignisse in der DDR eine kaum vorstellbare Eigendynamik. Zu Beginn stand in der DDR die Frage nach einer Erneuerung des Sozialismus noch vor der Frage nach der schnellen deutschen Einheit. Auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl hatte anfangs eine Wiedervereinigung im Laufe von zehn Jahren im Blick. Es dauerte schließlich doch nur ganze 328 Tage, bis sich die Idee vom demokratischen Sozialismus erledigt hatte.

Auch die Dresdner erlebten auf dem Weg von der Grenzöffnung bis zur deutschen Einheit turbulente Zeiten, an die wir mit einer Presseschau aus Dresdner Tageszeitungen erinnern. Die Sächsischen Neuesten Nachrichten (SNN), das Sächsische Tageblatt (ST) und Die Union waren auf dem Weg der Erneuerung von Organen der DDR-Blockparteien LDPD, NDPD und CDU zu unabhängigen Medien. Im Ergebnis stand auch für sie die Einheit: Bereits am 1. September 1990 fusionierten SNN und Tageblatt. Im Dezember 1991 schloss sich auch die Union an. Es entstanden die Dresdner Neuesten Nachrichten.

Zeitungsausgaben im November 1989

11./12.  | 13.  |  14.  |  15.  |  16.  |  17. |  18./19.  | 20.  |  21.  |  22.  |  23.  |  24.  |  25./26.  |  27.  |  28.  | 29. |  30. 

Über die Grenzöffnung berichten konnten die Dresdner Zeitungen auch am Tag nach dem Mauerfall noch nicht. Als am Abend des 9. November Geschichte geschrieben wurde, waren die Ausgaben für den 10. November längst gedruckt.

Sonnabend/Sonntag, 11/12. November 1989

Jetzt ist Grenzöffnung auch bei den Dresdner Zeitungen angekommen: „Die Mauer – kein Hindernis mehr für freies Reisen / Einmal Kudamm und zurück“ titelt das Sächsische Tageblatt auf Seite 1.

Die Wahl von Lothar de Maizière zum Vorsitzenden der Ost-CDU nimmt den größten Teil der Titelseite der Union ein. In einem kleineren Beitrag zur Grenzöffnung heißt es „Nach historischer Entscheidung / So muss es bleiben“.

Organisatorischen Fragen der neuen Reiseregelungensind bei den Sächsischen Neuesten Nachrichten ausführlich Thema, über das historische Ereignis in Berlin melden die SNN aber nur auf Seite 2, mehrere hundert Bürger beider Teile der Stadt hätten in der Nacht zum Vortag die Staatsgrenze im Bereich des Brandenburger Tores verletzt.

Ein Aufruf zur Besonnenheit an die Dresdner, unterzeichnet von Ärzten und prominenten Bürgern der Stadt – darunter auch Manfred von Ardenne, ist Titelschlagzeile der SNN. „Jeder, der uns den Rücken kehrt“, heißt es darin, „hinterlässt eine schmerzliche Lücke“ und „Ringen Sie mit uns um das Neue, um eine bessere Lebensqualität“. Auch die anderen Zeitungen berichten über den Aufruf.

Die Ziele des „Neuen Forums“ erläutert die Union und druckt außerdem ganzseitig ein Gespräch von Redakteuren mit Offiziersschülern der Offiziersschule des DDR-Ministeriums des Innern.

Eine Erklärung des Rates der Stadt Dresden ist in SNN und Tageblatt abgedruckt. Die Stadträte weisen Kritik zurück, Gegenreden zu Diskussionsrednern der „Gruppe der 20“ am 6. November seien gezielte Störungen gewesen. Es sei dem neuen politischen Klima partnerschaftlicher demokratischer Aussprache abträglich, erklären die Abgeordneten, „wenn erneut Monopole auf Wahrheit erhoben und Gegenrede diskreditiert“ würden. Beide Zeitungen berichten, dass der Generalstaatsanwalt einen Untersuchungsausschuss der Volkskammer zur Korruption in der DDR-Wirtschaft vorschlägt.

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Montag, 13. November 1989

Die neuen Reiseregelungen seien von der Bevölkerung begeistert aufgenommen, vier Millionen Visa bereits erteilt worden, melden alle drei Zeitungen. In der BRD und in Berlin (West) verbreitete Gerüchte und Spekulationen über die Aufhebung der Reisefreiheit, betonen sie, entbehrten laut DDR-Innenministerium jeglicher Grundlage.

Das Aktionsprogramm der SED „Schritte zur Erneuerung“ dokumentieren SNN und Tageblatt ausführlich.

Einen Brief von Pädagogen der Dresdner Kreuzschulean das Ministerium für Volksbildung der DDR drucken die SNN ab. Die Lehrer wenden sich gegen ideologische Einengung im Bildungssystem und fordern, dass „sich jene Partei- und Staatsfunktionäre, die die gegenwärtige Situation in der Volksbildung verschuldet haben, ihrer Verantwortung stellen“.

Eine Stellungnahme der Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) ist in der Union abgedruckt. Die SKD-Mitarbeiter wenden sich darin dagegen, dass immer noch Kunstgüter der DDR gegen Devisen ins Ausland verkauft werden.

Eine ganze Seite mit Leserbriefenzur aktuellen politischen Situation finden die Leser im Tageblatt.

Eine Pressekonferenz des Rates des Bezirkes zum gewaltsamen Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten am 7. und 8. Oktober in Dresden thematisieren die SNN unter der Überschrift „Wir werden nichts unter den Teppich kehren“ .

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Dienstag, 14. November 1989

Die Wahl von Günther Maleuda zum Volkskammerpräsidenten ist Titelthema der drei Zeitungen. Der Chef der Bauernpartei (DBD) hatte sich im zweiten Wahlgang gegen Manfred Gerlach, den Vorsitzenden der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD), durchgesetzt.

SNN, ST und Union berichten auch über die Aufhebung der Sperrzone an der Grenze zwischen DDR und BRD.

Die Union veröffentlicht die Entwürfe für ein Reisegesetz und ein Gesetz über die ständige Ausreise von DDR-Bürgern.

Union und Tageblatt drucken eine Erklärung des Solistenensembles der Semperoper, in der sich die Künstler gegen ideologische Schranken und die Ausgrenzung Andersdenkender sowie für Gewaltlosigkeit in der politischen Auseinandersetzung aussprechen.

Die SNN, Bezirkszeitung der Blockpartei NDPD, berichten über das NDPD-Aktionsprogramm für eine künftige Regierungspolitik.

Das Tageblatt, Organ der Blockpartei LDPD, veröffentlicht einen Aufruf des LDPD-Bezirksvorstandes, der unter anderem eine Verwaltungsreform, Gesetze wie Wahl-, Demonstrations-, Medien-, Parteien- und Vereinigungsgesetz, eine Überprüfung des Strafgesetzbuches sowie die Stärkung der DDR-Industrie durch Investitionen und Bürokratieabbau anmahnt.

Die Union druckt ein Kurzinterview zur Gründung des Jugendverbandes „Christlich Demokratische Jugend“ (CDJ) in der DDR mit dessen Vorsitzenden Henning Stoerk.

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Mittwoch, 15. November 1989

Die Wahl von Hans Modrow zum Ministerpräsidenten zwei Tage zuvor ist Thema in allen drei Zeitungen. Modrow erklärt, er habe ein schweres Erbe und ein schweres Amt angetreten. Zunächst gelte es, eine echte Koalitionsregierung zu bilden.

Die SNN titeln mit dem Beginn der Verhandlungen über eine Koalitionsregierung. Die NDPD erhebt die Forderung, dass ihr Grundsatzdokument vom 4. November eine gleichrangige Grundlage für das künftige Regierungsprogramm sein müsse.

Beim Tageblatt lautet die Schlagzeile auf Seite 1: „Beteiligung an Regierung nicht um jeden Preis“. Die LDPD wolle ihre liberaldemokratischen Positionen mit allem Nachdruck in die Verhandlungen einbringen. Gleichzeitig seien die Sondierungsgespräche mit den Bürgerbewegungen für eine „große Koalition der Vernunft“ beziehungsweise an einem „runden Tisch“ weiterzuführen.

Die Union berichtet über die Kundgebung auf dem Dresdner Fučikplatz vom 13. November mit 100.000 Teilnehmern. Vertreter der Blockparteien und basisdemokratischer Gruppen wie „Neues Forum“, „Demokratie jetzt“ „Gruppe der 20“ und „Ökumenischer Friedenskreis Johannstadt“ wenden sich gegen den festgeschriebenen Führungsanspruch der SED.

Die SNN drucken ein Interview mit dem westdeutschen Liedermacher Reinhard Mey, der während der Show von Gunter Emmerlich in der Semperoper aufgetreten war.

Die Union lässt einen Handwerksmeister zu Wort kommen, der die Benachteiligung des Handwerks gegenüber der volkseigenen Wirtschaft kritisiert, und berichtet über eine spontane Betriebsversammlung in der Dresdner Brotfabrik. Die Mitarbeiter kritisieren unter anderem Fehlinvestitionen und Schwindel bei den Hygiene-Inspektionen und fragen: „Inwieweit darf der Betriebsdirektor über einen Betriebs-Pkw verfügen?“.

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Donnerstag, 16. November 1989

In den Sächsischen Neuesten Nachrichten (SNN) melden sich Teilnehmer des NDPD-Monatslehrgangs zu Wort. Sie wollen, dass sich die Blockpartei, die die SNN herausgibt, demokratisch erneuert und dem Führungsanspruch der SED eine Absage erteilt.

Das Sächsische Tageblatt (ST) thematisiert Probleme der Zollorgane mit Schmugglern und Spekulanten nach der Öffnung der Grenzen. So seien seit 3. November 2000 Rechtsmaßnahmen gegen über 1000 polnische Bürger eingeleitet worden und zum Beispiel 2000 Paar Schuhe, 2000 Stück Untertrikotagen und 300 Kilogramm Pfeffer beschlagnahmt worden. Zudem warnt der Zoll vor der Möglichkeit eines zunehmenden Drogenschmuggels aus der BRD. Darüber berichten auch die SNN.

Union, SNN und Tageblatt melden, Staatsbank-Vizepräsident Bruno Meier sehe keinen Ansatz für eine Abwertung der DDR-Mark infolge „bestimmter ökonomischer Begleiterscheinungen der seit 9. November gültigen Reiseregelungen“.

Die Union titelt mit einem Gesetzentwurf, der Richtern in der DDR eine unabhängige Stellung sichern soll. Sie sollen künftig nicht mehr von den örtlichen Volksvertretungen gewählt, sondern vom Justizminister berufen werden. Auch ein Rehabilitierungsgesetz für Menschen, die aus politischen Gründen für Dinge bestraft wurden, die keinen kriminellen Gehalt hatten, sei in Arbeit. Darüber berichtet auch das Tageblatt.

Die SNN drucken einen Aufruf von Prof. Manfred von Ardenne, in dem dieser eine Effizienzerhöhung der Volkswirtschaft und die Rückkehr zum Geld als Maßstab fordert, sowie Vorschläge des NDPD-Hauptausschusses für eine sinnvolle Umweltpolitik. Auf der Dresdner Lokalseite erläutert Stadtrat Dr. Axel Viehweger Konzepte für die künftige Energiepolitik.

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Freitag, 17. November 1989

Titelthema des Tageblattes ist die Neuausrichtung des Instituts für Marktforschung der DDR auf einen Angebotsmarkt und die Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung. Das ST berichtet zudem über ein Interview des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker für DDR-Journalisten. Zur Zukunft der Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten, sagt von Weizsäcker, die Menschen in der DDR sollten ihren Weg selbst wählen können, ohne unerbetene Ratschläge, und mahnt auf Besonnenheit auf beiden Seiten an.

Die Union berichtet über eine Konferenz der Kirchenleitungen, auf der diese ihre Bereitschaft zur Mitarbeit an der Erneuerung der Volksbildung erklären und darüber, dass ab 1. September 1990 der Staatsbürgerkundeunterricht neue Inhalte bekommen soll.

Die SNN berichten von einer Sitzung der NDPD-Volkskammerfraktion. Der Parteivorsitzende Günter Hartmann setzt sich für eine neue Verfassung ein, die durch Volksentscheid in Kraft gesetzt werden müsse und fordert ein neues Wahlgesetz. In einem weiteren Beitrag unterstützt die die NDPD Forderungen der Domowina nach einem Erhalt der sorbischen Kultur.

Vorschläge von Gregor Gysi für einen Rechtsstaat DDR sind bei den drei Zeitungen Thema auf der Titelseite.

Die SNN drucken ein Interview der Nachrichtenagentur ADN mit Automobilforschern der TH Zwickau, in dem diese erklären, durchaus Vorschläge für moderne Autos gehabt zu haben. Der Trabant 603 sei aber bereits 1969 in der Schublade verschwunden.

Das Tageblatt veröffentlicht auf zwei kompletten Seiten Leitsätze der LDPD für die Erneuerung des demokratischen Sozialismus in der DDR.

Die Union druckt einen offenen Brief der SED-Grundorganisation der Fachschule des Ministeriums des Innern an den Chef der Bezirksdirektion Dresden der Volkspolizei. Die ganze Verantwortung für die Gewalt gegen Demonstranten im Oktober werde auf die handelnden Kräfte abgewälzt, heißt es darin, während jene, die aufgrund falscher Lageeinschätzungen falsche Befehle erteilt hätten, sich nicht zu ihrer Verantwortung bekennen.

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Sonnabend/Sonntag, 18./19. November 1989

An diesem Wochenende bestimmt die Regierungserklärung von DDR-Ministerpräsident Hans Modrow die Titelseiten der drei Zeitungen, die aber nicht nur ausführlich daraus zitieren, sondern ebenso ausführlich über die Standpunkte der drei Blockparteien dazu informieren.

So bezeichnet CDU-Chef Lothar de Maizière in der Union Toleranz als die Basis weiterer Entwicklung. Die CDU trage als Koalitionspartei die Regierungserklärung in ihren Grundlinien mit. Die Partei sei der Überzeugung, nicht der Sozialismus sei am Ende, „wohl aber seine administrative, diktatorische Verzerrung“. In einem Brief an die Mitglieder der Partei, kündigt de Maizière zudem die Einberufung eines CDU-Sonderparteitages für den 15./16. Dezember an, auf dem „weitreichende Struktur- und Personalentscheidungen“ zu treffen seien.

Für die LDPD erklärt deren Vorsitzender Manfred Gerlach im Tageblatt, die Entscheidung der Partei, neuerlich Regierungsverantwortung zu übernehmen, schließe konstruktiv-kritische Positionen ein. An die Stelle der blockpolitischen Räson – sprich Zustimmungspolitik – der vergangenen Jahre trete nun staatspolitische Räson.

Günter Hartmann, Parteichef der NDPD, die ebenfalls zur Regierungskoalition gehört, spricht sich in den SNN für eine baldige territoriale Neugliederung der DDR in die Länder Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg aus und verspricht der Regierung die Hilfe seiner Partei dabei, die DDR-Wirtschaft aus der Krise zu führen.

Das Tageblatt berichtet darüber, dass erstmals Journalisten die Untersuchungshaftanstalt auf der Bautzener Straße besichtigen durften und über eine geplante liberale Jugendorganisation als Alternative zur FDJ.

Die SNN berichten, das Hellergelände sei für den Neubau eines Minol-Tanklagers im Gespräch.

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Montag, 20, November 1989

Die Wahl der neuen DDR-Regierung auf der 12. Tagung der Volkskammer ist Titelthema bei Union, SNN und Tageblatt.

Die Titelseite der SNN wird von der Haltung der NDPD zur politischen Situation bestimmt. In einem Interview, das Parteichef Günter Hartmann der National-Zeitung gegeben hatte, geht es um die Aufgaben in der Regierung, in einem Bericht über weitere Interviews von NDPD-Politikern um die Forderung eines neuen Umweltkonzeptes. Ausführlich berichtet das Blatt über die Demonstration der Künstler und Kulturschaffenden in Dresden, auf der auch der NDPD-Bezirksvorsitzende Christian Schmidt gesprochen hatte. Ein Foto zeigt SNN-Mitarbeiter mit einem eigenen Transparent, auf dem steht: „Für die ganze Wahrheit SNN“.

Auch das Tageblatt berichtet über die Künstler-Demo in Dresden und die dort vorgebrachten Forderungen nach einer Verfassungsänderung, die „Gesinnungsterror“ und den Führungsanspruch der SED beenden soll.

Bei der Union nimmt der Bericht über die Demo in Dresden die halbe Titelseite ein.

Das Tageblatt berichtet über die erste Kundgebung des Neuen Forums in Leipzig, Kritik von LDPD-Gewerkschaftern an der Führung des FDGB sowie die Gründung einer Stadtgruppe der Sozialdemokratischen Partei (SDP) in Dresden.

Unter der Zeile „Bauen, warten – bauen, warten“ berichten die SNN, der Bau des Feierabendheimes in Radeberg schleppe sich dahin.

Die Union druckt den Bericht des Generalstaatsanwaltes an die 12. Volkskammertagung. „Im Spätsommer des Jahres 1989 verschärften sich innere Widersprüche in unserem Land, die von den dafür Verantwortlichen nicht rechtzeitig erkannt und gelöst wurden“, heißt es darin. den Demonstrationen am 7. und 8. Oktober in Dresden heißt es, deren Charakter sei als antisozialistisch und damit falsch eingeschätzt worden.

Das Tageblatt druckt, wie einige Tage zuvor die SNN, ein Kurzinterview mit dem Liedermacher Reinhard Mey über die Eindrücke bei seinem ersten Auftritt in der DDR.

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Dienstag, 21. November 1989

Die außerordentliche Sitzung des Bezirkstages Dresden ist in den drei Zeitungen Thema. Die Lage sei ernst. Als Probleme werden unter anderem die Abwanderung von Arbeitskräften, die medizinische Versorgung, mangelnder Umweltschutz und in Berlin gebundene Baukapazitäten genannt, die der Stadt fehlen.

Union, SNN und Tageblatt berichten über das 4. Rathausgespräch mit der Gruppe der 20. Mit OB Wolfgang Berghofer sei ein Kompromiss ausgehandelt worden, der den Bürgerrechtlern bis zu den nächsten Wahlen die ständige Teilnahme an den Stadtverordnetenversammlungen ermöglicht. Die Gruppe der 20 fordert eine Untersuchungskommission zu Übergriffen der Polizei auf Demonstranten rund um den 7. Oktober und kritisiert, der Baustopp für das geplante Reinstsiliziumwerk in Gittersee scheine noch nicht konsequent festgeschrieben.

Unter der Überschrift „Was möglich gewesen wäre: Der DDR-Golf fünf Jahre vor dem VW“ druckt das Tageblatt das ADN-Interview mit Wissenschaftlern der Technischen Hochschule Zwickau, in dem diese auch kritisieren, dass im Automobilbau erwirtschaftetes Geld stets in andere Industriezweige geflossen sei.

100.000 DDR-Bürger seien seit Anfang November in die BRD übergesiedelt, melden SNN und Tageblatt auf der Titelseite.

Immer größeren Raum nehmen auch Tipps für Autofahrerein, die mit der Reisefreiheit vor neuen Herausforderungen stehen. Die Union erläutert Unterschiede der Straßenverkehrsordnung in DDR und BRD.

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Mittwoch, 22. November 1989

Die SNN titeln mit Forderungen des Bezirksausschusses Dresden der Nationalen Front an den Nationalrat. In einem Brief bemängeln die Dresdner im Namen der „noch über 30. 000 ehrenamtlichen Mitglieder“ von Ausschüssen in Städten und Gemeinden die Sprachlosigkeit und Handlungsunfähigkeit des Gremiums.

Titelthema im Tageblatt ist die Konstitution der Jugendorganisation „Liberal-Demokratische Jugend“, die der LDPD nahesteht, aber selbstständig sein soll. Außerdem berichtet das ST über eine Einladung der Initiative „Demokratie jetzt!“ an die Partien und Bürgerbewegungen, einen „Runden Tisch“ zu bilden.

Unter der Schlagzeile „Inhalte der ökumenischen Versammlung jetzt politikfähig machen“ berichtet die Union von der Tagung des CDU-Hauptvorstandes. Die Bestimmung der Partei sei nur über das „C“ im Namen möglich, sagt Parteichef Lothar de Maizière.

Immer größeren Raum nimmt auch das Thema Umwelt ein. Union, Tageblatt und SNN berichten über den kritischen Zustand der Gewässer im Bezirk Dresden. Union und Tageblatt drucken auf ihrer Lokalseite wöchentlich Messdaten für die Luftbelastung.

Tageblatt und Union berichten über die Pläne für ein Minol-Tanklager auf dem Dresdner Heller. Die Standortgenehmigung sei unaufschiebbar, weil das Lager auf der Bremer Straße Ende 1995 die Versorgung einstelle.

Eine Zeile auf der SNN-Titelseite lautet: „Dresden bleibt Tal der Ahnungs­losen“. Die Ausstrahlung von ARD und ZDF über den Fernsehturm sei technisch zu aufwendig. Auf Seite 2 berichten die SNN über Pläne für eine 5-Tage-Schulwoche und variable Ferien in der DDR.

Die Union drucktRedeauszüge von einer Kundgebung der Dresdner Kulturschaffenden.

Tageblatt und SNN melden, dass die Bezirksparteischule der SED in Mittweida (Bezirk Karl-Marx-Stadt) ab sofort als Arbeiterwohnheim genutztwird.

In den drei Zeitungen sind in diesen Tagen auch dieEreignisse in der ČSSR Thema, wo die Bürger für mehr Demokratie auf die Straße gehen und die Polizei in Prag gegen eine Studentendemo eingesetzt wurde.

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Donnerstag, 23. November 1989

Die Union titelt mit der Einberufung eines CDU-Sonderparteitages für den 15./ 16. Dezember. Es sollen Zeichen der Erneuerung der CDU zu einer Volkspartei gesetzt werden.

Auch die LDPD will Volkspartei werden, titelt das Tageblatt. Man arbeite an einem neuen Parteiprogramm, sagt Parteichef Manfred Gerlach internationalen Medien. Über Koalitionsabsichten hält er sich bedeckt. Weiteres Thema sind Gespräche der LDPD-Parteispitze mit der bundesdeutschen FDP.

Die SNN titeln mit der Dresdner Stadtverordnetenversammlung, wo OB Wolfgang Berghofer fordert, die Kommunen weiter zu demokratisieren. Diese müssten, wie in Hans Modrows Regierungserklärung versprochen, selbst über Einnahmequellen wie zum Beispiel den Tourismus entscheiden dürfen.

Union und SNN berichten über 14 Forderungen zu einem Zivildienst in der DDR, mit denen sich Bausoldaten an Regierung und Öffentlichkeit wenden.

Tageblatt und SNN berichten über ein Interview, das Hans Modrow der Zeitung „Sowjetskaja Rossija“ gegeben hatte. Darin erklärt Modrow die Bereitschaft zu einem neuen Kurs gegenüber der BRD und hebt die Verantwortung beider Staaten für den Frieden in Europa hervor.

Die Union druckt eine Glosse mit dem Titel „Genosse Computer. Dieser sei nun endlich von Egon Krenz als Verantwortlicher für den Wahlbetrug vorgestellt worden. Der Text endet in Anlehnung an ein Honecker-Zitat mit dem Satz: „Die Wahrheit in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Egon auf“.

Die SNN berichten, der Demokratische Aufbruch wolle sich als Partei konstituieren. Außerdem druckt das Blatt einen langen Gastbeitrag des Architekten Gunter Just, in dem dieser die Misere im DDR-Bauwesen anprangert und erklärt, er leide seit 30 Jahren unter der Ohnmacht seines Berufsstandes.

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Freitag, 24. November 1989

„Der Blaue als Kaufausweis“ titeln die SNN und berichten über Beschlüsse der DDR-Regierung, die einen Ausverkauf der DDR-Konsumgüter ins Ausland verhindern sollen. Neben verstärkten Zollkontrollen wird angeordnet, dass bestimmte Waren nur noch gegen Vorlage des Personalausweises an DDR-Bürger und Ausländer, die in der DDR arbeiten, verkauft werden dürfen. Auch das Tageblatt berichtet unter der Zeile „Brötchen auf Personalausweis?“ darüber. Die Union behandelt die Kabinettssitzung etwas länger, aber auch nüchterner. „40 neue Gesetzentwürfe werden vorbereitet“ heißt es auf Seite 1.

Im Tageblatt ist ein Personalwechsel an der Spitze des LDPD-Bezirksvorstandes Leipzig Titelaufmacher. Ebenfalls auf Seite 1 steht ein Interview mit Hannovers OB Herbert Schmalstieg, in dem dieser erklärt, im Westen wolle helfen, aber nicht überheblicher Wohltäter sein.

Die Union meldet, dass die Bischofskonferenz und der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR den Vorschlag eines Runden Tisches begrüßen.

Die SNN drucken ein Interview mit FDGB-Sekretär Fritz Rösel zum Stand der geplanten Regelungen für Rentenerhöhung, Rentenalter und Rentengesetz und ein Interview mit dem NDPD-Politiker Werner Reimann zum Umweltschutz.

Das Tageblatt berichtet über einen Aufruf von Arnold Vaatz (Neues Forum Dresden), indem es heißt, das Neue Forum suche Fachleute, um schnell zu politikfähigen Konzeptionen zu finden.

Die Union druckt eine aktuelle Liste aller Grenzübergänge zur BRD.

Unter der Zeile „Harrys Schwarzwild-Falle“ berichtet das Tageblatt über das eigene Reich, das sich der frühere FDGB-Chef Harry Tisch in einem Wald im Kreis Ribnitz-Damgarten schuf.

Die drei Zeitungen berichten auch über die Ereignisse in Prag, wo die Bevölkerung ebenfalls für mehr Demokratie auf die Straße geht.

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Sonnabend/Sonntag, 25./26. November 1989

Die Unterzeichnung einer Vereinbarung über die Wirtschaftskooperation der DDR mit Österreich ist wichtiges Thema auf der Titelseite der drei Zeitungen.

Über den Besuch von Volkskammer-Vizepräsident Werner Jarowinsky im Kombinat Großhandel Dresden berichten die SNN. Dabei kommt zur Sprache, dass die 4300 Beschäftigten trotz schwerer Arbeit nur einen geringen Lohn erhalten und dass der Bezirk Dresden als einziger in der DDR keinen Lagerneubau für Waren des täglichen Bedarfs hat. Weitere Themen auf Seite 1 sind Vorschläge der NDPD für einen runden Tisch der gesellschaftlichen Kräfte und für die Außenpolitik der DDR.

Titelaufmacher beim Tageblatt ist ein Bericht von der Sitzung des LDPD-Zentralausschusses.

Die Union berichtet unter der Schlagzeile „Sozialismus nicht als Worthülse benutzen“ über ein Treffen von Lothar de Maizière mit Volker Rühe, dem Generalsekretär der West-CDU.

Breiten Raum nimmt in den SNN die Berichterstattung über eine Fernsehreportage über das Luxusleben der DDR-Spitzenfunktionäre in der Waldsiedlung Wandlitz bei Berlin ein. Die Union kommentiert zum Thema Wandlitz, man könne die DDR-Führung in ihrem Elite-Internierungslager fast bedauern, wenn sie damit nicht das Land DDR zu einem Massen-Internierungslager entwertet hätte.

Das Tageblatt meldet, laut einer Meinungsumfrage von Berliner Soziologen die habe SED nur noch 19 Prozent Zustimmung bei der Bevölkerung. Auf der Lokalseite geht es u. a. um eine „hoffnungsvolle Auftaktveranstaltung“ der Jungliberalen Alternative in der Pädagogischen Hochschule Dresden.

Die Union druckt einen langen Artikel des Schriftstellers Martin Walser über seinen mehrtägigen Dresden-Besuch im Oktober, der in der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ erschienen war.

Auf Seite 2 berichtet das Tageblatt über den Ausschluss von Ex-Wirtschaftsminister Günter Mittag aus der SED und die Sorge von Parteichef Manfred Gerlach angesichts der politischen Lage in Prag. Die SNN erwähnen den Parteiausschluss Mittags fast beiläufig in einer Meldung unter der Zeile „Mitteilung der Zentralen Parteikontrollkommission“.

Alle drei Zeitungen melden die Wiederaufnahme zahlreicher aus politischen Gründen ausgeschlossenen Autoren in den Schriftstellerverband der DDR. Weiteres Thema sind zoll- und devisenrechtliche Regelungen durch die Regierung.

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Montag, 27. November 1989

Die SNN titeln mit Vorschlägen der NDPD zur Bildungspolitik. Eine Forderung ist die Abschaffung von Prozentangaben für die Zulassung von Kindern bestimmter sozialer Schichten zu einzelnen Bildungswegen.

Die Union widmet eine ganze Seite einem internationalen Symposium in Dresden zu psychosozialen Faktoren an Arbeitsplatz. Es geht zum Beispiel um die Auswirkungen von Schichtarbeit, Stress, Hektik und Lärm auf die Gesundheit.

Das Tageblatt berichtet ausführlich über einen überraschenden Besuch von Egon Krenz in Leipzig. Er sei herzlich begrüßt worden, man habe ihm aber auch reinen Wein eingeschenkt, zum Beispiel über den Zustand maroder Industrieanlagen. Die Einladung zu einer der nächsten Montagsdemos lehnte Krenz unter Verweis auf die fehlende Zeit wegen der Vorbereitung eines SED-Sonderparteitages ab.

Der Pfarrer Friedrich Schorlemmer sagt in einem Tageblatt-Interview mit Blick auf die politischen Veränderungen, die DDR sei das interessanteste Land der Welt. Das Volk sei vor der Wende Opfer einer großen Lüge geworden, „an der wir alle teilgehabt haben“.

Unterschiedlich ist der Blick auf den ersten Sonderzug aus Dresden in die Partnerstadt Hamburg. Während das Tageblatt von einem Wochenendtrip schreibt, bei dem 900 Dresdner die Partnerschaft mit Leben erfüllten, ist in den SNN wegen der schon im Vorfeld kritisierten Auswahl der Teilnehmer von einer umstrittenen Fuhre die Rede.

Wie zuvor bereits die SNN veröffentlicht auch das Tageblatt die Abrechnung des Dresdner Architekten Gunter Just mit den Zuständen im Bauwesen der DDR. Breiten Raum nimmt auch die Diskussion auf dem Bezirkstag über politische Veränderungen ein.

Die Union druckt ausführliche Erwiderungen von Gunther Emmerlich und Ludwig Güttler auf Kritik an ihren Äußerungen auf der Demonstration der Künstler und Kulturschaffenden. Die Redaktion kritisiert dabei auch direkt die Sächsische Zeitung, die in ihren Leserbriefspalten Diffamierungen und Drohungen gegen die Künstler Raum gebe.

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Dienstag, 28. November 1989

SNN, Union und Tageblatt berichten auf den Titelseiten über ein Treffen von Ministerpräsident Hans Modrow mit der FDGB-Vorsitzenden Annelis Kimmel. Modrow sichert den Gewerkschaften Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu. Die drei Zeitungen melden auch, dass Dresdens OB Wolfgang Berghofer eine Kandidatur als SED-Generalsekretär gegen Egon Krenz auf dem Sonderparteitag im Dezember nicht ausschließt.

Auch über die politischen Veränderungen in der CSSR berichten Union, Tageblatt und SNN auf Seite 1.

Weiteres Thema sind neue politische Organisationen. SNN und Tageblatt melden, dass der Demokratische Aufbruch sich als Partei etablieren will, die Union, dass sich die „Grüne Partei in der DDR“, gegründet hat. SNN und Union berichten über einen Aufruf zur Gründung eines Behindertenverbandes.

Die Union meldet, der Wahlbetrug in Radebeul sei nun aktenkundig. Am 7. Mai 1989 habe es 12,03 Prozent Gegenstimmen gegeben und nicht 2,35 Prozent, wie von der Wahlkommission verkündet. Das Neue Forum habe Strafanzeige beim Generalstaatsanwalt erstattet. Auf einer Veranstaltung des Neuen Forums habe OB Dr. Kunze erklärt, ihm sei die Offenlegung des Wahlergebnisses unter Androhung disziplinarischer Maßnahmen untersagt worden.

Die SNN berichten über einen Katalog der Bauakademie zu Mängeln im DDR-Bauwesen, der unter anderem eine verfehlte Investitionspolitik und ein jährliches Manko von 25 bis 30 Milliarden Mark an Bauleistungen auflistet.

Die Union dokumentiert auf zwei vollen Seiten den Entwurf für ein Positionspapier zur Zukunft der CDU in der DDR, das Tageblatt auf einer Seite die Rede von Parteichef Manfred Gerlach auf der Vorstandstagung der LDPD.

Das Tageblatt berichtet über die Diskussionen zum geplanten Bau einer Verbrennungsanlage für schadstoffbelasteten Müll im Arzneimittelwerk Dresden. Das AWD belaste die Luft schon jetzt stark mit Staub, Ruß und Schwefeldioxid, heißt es unter anderem.

Die SNN berichten über die hohe Schadstoffbelastung der Elbe.

Das Tageblatt berichtet über die Neuausrichtung des DDR-Fernsehensund darüber, dass ARD und ZDF in Dresden weiterhin nur per Satellit empfangen werden können.

Thema in den SNN sind auch Unterschiede der StVO in DDR und BRD sowie versicherungsrechtliche Fragen bei Pkw-Reisen in die BRD.

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Mittwoch, 29. November 19889

Titelthema bei Union und Tageblatt ist die Haushaltsdebatte im Bundestag. Kanzler Helmut Kohl erklärt seine Strategie „Erst Konföderation, dann Wiedervereinigung“. Jochen Vogel, SPD-Chef und Oppositionsführer, wendet sich gegen ultimative Forderungen an die DDR.

SNN und Union berichten auf Seite 1 über einen Aufruf prominenter Persönlichkeiten zur Bewahrung der Eigenständigkeit der DDR, dessen Endfassung von der Schriftstellerin Christa Wolf erarbeitet wurde, das Tageblatt über einen Besuch von Edward Kennedy und Willy Brandt in der DDR-Hauptstadt Berlin.

Tageblatt und SNN nehmen Bezug auf einen Bericht der Zeitung „Freie Erde“ über das Anwesen von Ex-DDR-Regierungschef Willi Stoph. „Schlaraffenland in den Müriz-Wäldern“ titelt das Tageblatt, „Die Doppelmoral des Willi S.“ die SNN.

Die Union druckt eine Erklärung des Kölner Erzbischofs Kardinal Joachim Meissner, in der dieser seine „Landsleute in der DDR“ bittet, „nun zu Hause zu bleiben, Hand anzulegen und das eigene Haus neu zu bestellen. “.

Die SNN berichten darüber, wie der Komiker O. F. Weidling in der DDR erst gefeiert, dann gefeuert und mundtot gemacht wurde.

Das Tageblatt berichtet über Vorschläge des Dresdner LDPD-Stadtrates Axel Viehweger zur DDR-Energiepolitik.

Die SNN berichten, der Dresdner OB Wolfgang Berghofer wolle bei der Wahl des SED-Generalsekretärs nun doch nicht gegen Egon Krenz kandidieren.

Die Union berichtet über die Montagsdemos in Dresden und Zwickau und Forderungen nach einer Aufarbeitung der DDR-Geschichte sowie nach einem Ausschluss des Ex-FDGB-Chefs Harry Tisch aus dem Gewerkschaftsbund. Man solle die ehemaligen DDR-Spitzenfunktionäre nicht ausschließen, sondern ihnen den Prozess machen, kommentiert das Blatt.

Die SNN drucken den Entwurf für ein neues Reisegesetz, das Tageblatt kündigt das für den nächste Ausgabe an.

Auf einer Belegschaftsversammlung der Dresdner Krankentransporteure, über die die Union berichtet, werden Mehrarbeit durch Personalmangel und die geringe Entlohnung kritisiert.

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Donnerstag, 30. November 1989

Die SNN berichten über eine internationale Pressekonferenz der NDPD. Parteichef Günter Hartmann sagt, die NDPD wolle, dass der demokratische, menschliche und freiheitliche Sozialismus, der in der DDR auf friedlichem Wege geschaffen werde, auch ein nationales Antlitz hat.

Das Tageblatt titelt mit einer Gedenkveranstaltung der LDPD zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution. Zur aktuellen Situation in der DDR heißt es, die Partei gehe davon aus, dass Demokratie im Sozialismus nicht etwas völlig der bürgerlichen Demokratie Entgegengesetztes ist.

Titelaufmacher der Union ist ein Treffen des belgischen Außenministers Marc Eyskens mit DDR-Außenminister Oskar Fischer und CDU-Parteichef Lothar de Maizière in Berlin.

Tageblatt und Union veröffentlichen wie am Tag zuvor die SNN den Entwurf für ein neues Reisegesetz.

Die SNN melden den Rücktritt von Präsidium und Sekretariat auf der Tagung des FDGB-Bundesvorstandes und drucken ein Interview mit einem Sprecher der Grünen in der DDR zu den Zielen der Partei.

Das Tageblatt druckt einen offenen Brief der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) an die LDPD, in dem diese ihre Vorstellungen zu einem Wahlgesetz darlegt und bittet, diese zu veröffentlichen, da sie keinen Zugang zu den Medien habe.

Die Union widmet sich ausführlich sozialen Fragen, berichtet über Konzepte zur Verhütung von Alkoholmissbrauch und Alkoholismus und darüber, dass die Scheidungsratesich in den vergangenen 40 Jahren verdoppelt habe und die DDR damit weltweit auf Platz 3 hinter den USA und der UdSSR liege.

Die SNN drucken ein Essay des Schriftstellers Rolf Schneider aus der Zeitschrift „Sonntag“ über „das deutsche Problem und die Zukunft des Sozialismus“. Schneider warnt, die Gefahr der Niederschlagung der friedlichen Revolution sei noch nicht gebannt.

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Die Stadtverwaltung arbeitet an einem Hochhaus-Leitbild, um einen Wildwuchs an solchen Bauten zu verhindern. Aber wo dürfen Hochhäuser gebaut werden? Die Dresdner haben eine klare Meinung.

29.11.2019

Er sammelte Kunst und malte auch selbst. Der Nachlass des „betrunkenen Sachsen“ wird für einen guten Zweck versteigert. Dabei sind auch Stücke aus seinem privaten Leben und Bühnenrequisiten. Aber es gibt außerdem richtig teure Sammlerstücke.

29.11.2019