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Lokales Wie Dresden die Radon-Gefahr in der Stadt einschätzt
Dresden Lokales Wie Dresden die Radon-Gefahr in der Stadt einschätzt
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12:30 17.07.2019
Eine Lehrkraft in ihrem Element: Reinhard Koettnitz, nicht nur Leiter des Schulverwaltungsamtes, sondern auch Honorarprofessor an der Technischen Universität Dresden, erläutert in einer Pressekonferenz die Hintergründe von möglichen Radonbelastungen. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Die Stadt Dresden intensiviert die Anstrengungen gegen die Radon-Belastung in Gebäuden. Schulamtsleiter Reinhard Koettnitz stellte dazu die aktuellen Pläne für Schulgebäude vor. Die DNN beantworten in einer Analyse wichtige Fragen.

Gibt es eine neue Gefahr aus dem Untergrund?

Nein. Radon ist ein natürliches, farbloses, geruchloses und radioaktives Edelgas, das in Dresden an vielen Stellen vorkommt. Es ist ein Zerfallsprodukt von Uran und Thorium. Die Verbreitung hängt mit dem Bergbau in der Vergangenheit zusammen. „Es gibt keinen Grund zur Panik, aber wir nehmen das Thema Ernst“, erklärt Schulamtsleiter Reinhard Koettnitz. Meistens reiche es, gut zu lüften.

Worin besteht das Problem?

„Radon kann Krebs auslösen, muss es aber nicht“, sagt Amtsleiter Koettnitz. Das Gas wird aus dem Boden freigesetzt, verdünnt sich aber schnell mit der Luft. Problematisch wird es, wenn es in Räume eindringt und sich ansammelt. Die EU hat in einer Richtlinie vor Jahren 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft festgelegt. Das ist eine Referenzwert, kein verpflichtender Grenzwert. 2017 wurde die Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt.

Aus Messungen übers Jahr hinweg kann eine Strahlenbelastung ermittelt werden. Bei einem Referenzwert handelt es sich nach der Definition um einen Wert, „...oberhalb dessen Expositionen als unangemessen betrachtet werden, auch wenn es sich nicht um einen Grenzwert handelt, der nicht überschritten werden darf“, erläuterte das sächsische Umweltministerium gegenüber DNN.

Bestehen Gesundheitsgefahren?

Eine Überschreitung des Referenzwertes ist nicht unmittelbar gesundheitsschädlich. Aber natürlich sollte versucht werden, die Radonkonzentration auf ein geringstmögliches Maß zu reduzieren, heißt es aus dem Dresdner Ministerium. Bis Ende 2020 müssen die Kommunen Radonvorsorgegebiete ausweisen, in denen der Richtwert überschritten werden könnte. In Arbeitsräumen in Kellern und Erdgeschossen in diesen Gebieten muss dann innerhalb von 18 Monaten die Radonkonzentration gemessen werden.

Wo gibt es Probleme?

Die Stadt hat nun zunächst an Schulgebäuden die Belastungen gemessen. In neueren Objekten verhindern in der Regel die Bodenplatte und die Wände das Eindringen des Gases. In älteren Gebäuden reichen die früheren Baustandards dafür nicht aus. Außerdem können Risse, Fugen, Einlässe für Abwasser- oder Heizungsleitungen oder Kommunikationskabel dem Gas das Einströmen ermöglichen.

Die Stadt hat bei Messungen in 65 Schulen zehn Schulen ermittelt, in denen gehandelt werden muss. Das sind die 14. Grundschule und die Förderschule Robinson (Schweizer Str.), das Berufliche Schulzentrum (BSZ) für Gastgewerbe (Wachsbleichstraße), die 80. Grundschule (Oskar-Seyffert-Str.), das BSZ für Elektrotechnik (Strehlener Platz), das Gymnasium Plauen (Kantstraße), das Sportgymnasium (Messering), die 93. Grundschule (Dobritzer Weg), die 71. Grundschule (Franzweg) und die 48. Grundschule an der Seminarstraße.

Was unternimmt die Stadt?

Schulamtsleiter Reinhard Koettnitz stellte am Dienstag die Arbeiten an der 48. Grundschule vor. Grundsätzlich wird zunächst versucht, das Problem mit einem besonderen Lüftungsmanagement zu lösen. Wenn das nicht hilft, sind meist bauliche Veränderungen nötig. An vielen Standorten betrifft es einzelne Räume besonders stark, darunter Fachkabinette, die Hausmeisterwohnung und anderes.

Derzeit wird an 48. Grundschule mit einer speziellen Entlüftung versucht, die Radonbelastung niedrig zu halten. Quelle: Dietrich Flechtner

An der 48. Grundschule ist es der Raum für den Werkunterricht. Aus einem benachbarten Technikraum strömt das Gas in den Unterrichtsraum. Dieser ist jetzt gesperrt. Der Bodenbereich soll mit einer Folie abgedichtet werden. Die Tür des Technikraums wird in den Flur verlegt und luftdicht gestaltet. Bis zum Ferienende sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Was kostet das Problem die Stadt?

Die Kosten sind noch nicht abschätzbar, erläutert Koettnitz. Jeder Einzelfall kann anders sein. Klar ist, dass es nicht bei den Schulen endet. Auch in anderen öffentlichen Gebäuden muss in den nächsten Jahren das Radonproblem untersucht und gegebenenfalls beseitigt werden.

Wie können sich private Hausbesitzer informieren?

Im Internet gibt es beim sächsischen Umweltministerium eine Karte zum Radon-Potenzial. Außerdem bietet das Land eine Radon-Beratungsstelle. Eine ausführliche und umfassende Beschreibung vor allem baulicher Maßnahmen kann der Broschüre des Ministeriums „Radonschutzmaßnahmen“ entnommen werden, die kostenlos hier publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/26126 heruntergeladen werden kann. Seit Mai 2019 gibt es ein kostenloses Messprogramm des Bundesamtes für Strahlenschutz an dem sich Privathaushalte beteiligen können. Das ist unter www.kemski-bonn.de/index.php?show=fv_beschreibung zu finden. Weitere Recherchemöglichkeiten gibt es unter www.umwelt.sachsen.de/umwelt/strahlenschutz/2350.htm auf der Internetseite des Freistaats.

Von Ingolf Pleil

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