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Lokales Wie Dresden auf Schweinepest reagieren müsste
Dresden Lokales Wie Dresden auf Schweinepest reagieren müsste
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20:38 06.12.2019
Das Auftreten der Schweinepest in Sachsen hätte dramatische Folgen. Tausende Tiere müssten getötet werden, wie hier an einem Dummy gezeigt wird.
Langebrück

Ausgerechnet Dresden. Auf dem Gebiet der Landeshauptstadt, genauer gesagt im Stadtteil Langebrück, ist erstmals im Freistaat Sachsen die Afrikanische Schweinepest (ASP) in einem Hausschweinbestand ausgebrochen... So jedenfalls sah es das Szenario der mehrtägigen Großübung vor, welche das sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) in der vergangenen Woche im gesamten Freistaat durchgeführt hat.

Bei einem Ausbruch der Schweinepest in einem Tierbetrieb tritt ein Notfallplan in Kraft. Dieser schreibt alle einzelnen Schritte von der Desinfektion von Transportern bis zum Tötungsprozedere für den Tierbestand detailliert vor.

Nachdem bereits zu Beginn der Woche – alles im Rahmen des Übungsszenarios – in mehreren sächsischen Wäldern mit der gefürchteten Seuche infizierte Wildschweine tot aufgefunden worden waren, galt es nun, zum Abschluss den „Supergau“ zu simulieren. Denn: Sobald in einem Schweine haltenden Betrieb ASP festgestellt wird, muss der gesamte Bestand getötet werden.

Bei der Schweinezucht Pappendorf GmbH & Co. KG, die die Anlage in Langebrück betreibt, wären es im Fall der Fälle 2500 Ferkel, die möglichst schnell und gleichzeitig ohne unnötige Qualen getötet werden müssten. „Denn das steht bei unserem Handeln absolut im Vordergrund: Dass die Tiere nicht unnötig leiden müssen“, betont ein leitender Mitarbeiter der mit den erforderlichen Maßnahmen beauftragten Vetcon GmbH, der nicht namentlich genannt werden möchte. Das im niedersächsischen Dinklage ansässige Unternehmen hat sich auf die Seuchenbekämpfung und -prävention spezialisiert und handelt gemäß dem Notfallplan des SMS, von dem „keinerlei Abweichung statthaft“ ist.

Zugang nur noch durch Schleuse

Bevor irgendjemand oder irgendetwas auf das Gelände der betroffenen Stallanlage gelangt, baut Vetcon eine Schleuse auf. In dieser müssen sich sowohl Fahrzeuge als auch Personen einer gründlichen Säuberung und Desinfektion unterziehen. Die an der Tötung der Schweine beteiligten Mitarbeiter entkleiden sich im Schleusencontainer „bis auf die Unterhose“ und ziehen Spezialkleidung an, die nach dem Einsatz verbrannt wird. „Denn natürlich müssen wir mit allen Mitteln sicherstellen, dass das Virus nicht aus dem betroffenen Stall gelangen kann.“

Die Tötung selbst kann auf verschiedene Arten erfolgen: Mit Gas oder – und dies ist die gängige Methode – mit elektrischem Strom. „Dazu führen wir die Schweine einzeln oder in Gruppen direkt aus den Ställen in eine spezielle Box, wo den Tieren die Elektroden angelegt werden“, erläutert der Vetcon-Mitarbeiter das weitere Verfahren.

Zunächst wird der Strom auf den Kopf gegeben, um das Schwein zu betäuben. Erst danach erfolgt die Tötung durch Stromzufuhr zum Herzen: „Betäuben-Kontrollieren-Töten – nur mit diesem Vorgehen können wir den Anforderungen des Tierschutzes genügen.“ Die Stromstöße zum Kopf und zum Herzen dauern jeweils acht Sekunden, mehr als für die Tötung unbedingt erforderlich wäre: „Um absolut sicher zu gehen.“

Unterschiede zur Tötung im Schlachthof

Von der Tötung im Schlachthof unterscheidet sich das Verfahren fundamental, denn: „Hier soll das Fleisch ja nicht mehr zum Verzehr gelangen.“ Es gibt auch keinerlei Blutaustritt. Die Kadaver werden zur Tierkörperbeseitigungsanlage in Lenz (Landkreis Meißen) gebracht und dort sicher entsorgt.

Vor und nach der Tötungsaktion haben auch die zuständigen Ämter alle Hände voll zu tun. „Der Befall wurde festgestellt, nachdem der Eigentümer eine ungewöhnliche Häufung von Todesfällen unter den Ferkeln festgestellt hatte“, erläutert die Leiterin des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes Dresden, Kerstin Normann, das Szenario.

Nachdem die erforderlichen Untersuchungen einen positiven Befund erbracht hatten, erging eine „Tötungsanordnung“, wie es im besten Amtsdeutsch heißt. Gleichzeitig beginnen im Ernstfall umfangreiche Ermittlungen im betroffenen Betrieb, die vor allem einem Ziel dienen: Herauszufinden, wie der Virus in den Bestand hinein gelangen konnte. „Denn natürlich zählt Hygiene auch im Normalbetrieb zu den wichtigsten Anforderungen“, wie die Amtsleiterin betont. Jede Ein- und Ausfahrt eines Lkws, ja überhaupt jeden Besucherverkehr der zurückliegenden Wochen nehmen die Amtstierärzte penibel unter die Lupe. Auch die Tötung der Schweine muss von ihnen überwacht werden.

Nur noch eine Frage der Zeit?

Wie dringend nötig eine solche Übung gerade zu dieser Zeit – amtsintern war von „Schwei(h)nachten“ die Rede – ist, zeigt die aktuelle Entwicklung in Polen: „Die Afrikanische Schweinepest ist bis auf circa 40 Kilometer an die deutsche Grenze herangerückt“, so Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch (CDU). Viele Experten sehen es nur als Frage der Zeit, bis das Virus die Neiße überwindet. Dabei kann jeder dazu beitragen, dass es nicht dazu kommt: „Die größte Gefahr für die Einschleppung der ASP geht vom Menschen aus, etwa durch weggeworfene Lebensmittel in der Natur oder an Autobahnraststätten“, betont die Ministerin. Mit der Nutzung von verschließbaren Mülltonnen wäre schon viel gewonnen – damit es nicht in absehbarer Zeit heißt: Ausgerechnet Dresden. Oder irgendeine andere Region.

Schweinehaltung in Dresden

Auch wenn Dresden außerhalb des Freistaates als Metropolregion gilt, ist die Landeshauptstadt an ihren Rändern sehr ländlich geprägt. So gibt es hier 51 Schweinehalter mit insgesamt 3326 Tieren. Fünf Halter arbeiten gewerblich, die anderen verfügen über „Kleinstbestände.“ Das Szenario, dass die Seuche auf Dresdner Territorium ausbrechen könnte, ist also nicht aus der Luft gegriffen. Wahrscheinlicher ist dies jedoch etwa im Landkreis Bautzen: Hier gibt es 401 Betriebe mit circa 90 000 Tieren.

Von Uwe Menschner

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