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Lokales Wenn falsche Polizisten vor der Tür stehen – Ein 94-jähriges Opfer aus Dresden erzählt
Dresden Lokales Wenn falsche Polizisten vor der Tür stehen – Ein 94-jähriges Opfer aus Dresden erzählt
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14:58 15.08.2019
Gewiefte Trickdiebe geben sich als Polizeibeamte aus. Unter dem Vorwand, dass es angeblich einen Einbruch in die Wohnung gab, begehren sie Einlass. Quelle: imago stock&people
Dresden

Es war ein Mittwoch, daran kann sich Annemarie* noch genau erinnern. Und daran, dass es geregnet hat, als sie vom Rommé-Spielen nach Hause kam. Sie wollte eigentlich nur noch kurz zum Briefkasten gehen, da standen die beiden Herren schon hinter ihr im Hof. Dunkel gekleidete, breitschultrige Männer mittleren Alters, so beschreibt Annemarie das Duo.

Die beiden folgten der 94-Jährigen zum Haus. Warteten, bis sie die Eingangstür des fünfstöckigen Wohngebäudes geöffnet hatte, und schlüpften hinein. Wo sie denn hin wollen, fragte die Seniorin neugierig. Zu ihr, Frau Neumann, entgegnete einer der beiden freundlich. „Wir sind von der Kriminalpolizei. Bei Ihnen ist eingebrochen worden.“

Trickdiebe treiben ihr Unwesen

Was Annemarie in diesem Moment noch nicht wusste: Die beiden Männer sind mitnichten Beamte, sondern gerissene Trickdiebe, die seit Kurzem ihr Unwesen in Dresden treiben. Der Polizei sind drei Fälle aus der jüngeren Vergangenheit bekannt, in denen sich Betrüger als Polizeibeamte ausgaben, um in Wohnungen von älteren Damen zu gelangen. Ende Mai gingen Unbekannte in Mickten auf Beutezug, ihr Opfer war eine 93-Jährige. Anfang Juli dann ein Fall in Trachau. Aus der Wohnung einer 71-Jährigen stahlen die Täter rund 12 000 Euro Bargeld.

Annemarie aus der Johannstadt ist das dritte Opfer. Sie hätte misstrauisch werden müssen, als sie keinen einzigen Kratzer an ihrer Wohnungstür vorfand. Doch Annemarie befand sich in einer Drucksituation und fühlte sich überrumpelt. „Bitte öffnen Sie die Tür, damit wir uns am Tatort umsehen können“, meinte einer der vermeintlichen Polizisten. „Nun machen Sie schon.“ Die Rentnerin setzte den Schlüssel an und schloss auf.

„In dem Moment habe ich ausgesetzt, so wie das bei alten Menschen mal passieren kann“, meint sie später. „Ich bin übertölpelt worden. Getraut habe ich den Typen nicht – und doch hatte ich keine Kraft, mich durchzusetzen.“

Teuren Schmuck im Visier

Als die Trickdiebe gegen 17.30 Uhr in die Wohnung eintraten, ging alles recht schnell, erinnert sich Annemarie. Einer der Täter zeigte der Dame seinen nachgemachten Dienstausweis und verwickelte sie in ein Gespräch. „Der andere sprang derweil schon im Wohnzimmer umher“, erzählt die Ruheständlerin. Wo sie denn ihren Schmuck und ihr Bargeld aufbewahre, fragte der falsche Beamte.

Und dann, auf einmal, waren die Langfinger verschwunden – mit Schmuck im Wert von mehreren Tausend Euro. Eine Goldkette, ein teures Armband und verschiedene Ringe ließen sie mitgehen.

„Der Fall bildet eher die Ausnahme und ist als Masche nicht vorliegend“, erklärt Polizeisprecher Marko Laske. Grundsätzlich rät die Polizei dennoch dazu, keine Fremden in die Wohnung zu lassen. „Wenn Polizeibeamte vor Ort sind, weisen diese sich aus“, so Laske weiter. „Wer Zweifel an der Echtheit des Polizeibeamten hat, kann mit der von ihm benannten Dienststelle Rücksprache halten.“

Die Frau mit dem Hut

Annemarie hält sich geistig fit, sagt sie, mit Rommé und Kreuzworträtseln. Den beiden Tätern ist es dennoch gelungen, sie zu täuschen. „Das waren Deutsche, situierte Männer“, meint die 94-Jährige. „Die waren versiert und sprachgewandt, sie haben mich auf subtile Weise bedrängt – und gemerkt, dass ich ihnen geistig unterlegen bin.“

Warum es die Täter gerade auf sie absahen, kann sich die Rentnerin denken: „Wahrscheinlich bin ich ihnen aufgefallen, weil ich oft meinen roten Hut trage und modern gekleidet bin.“ Am Handgelenk trägt Annemarie eine goldene Uhr mit einem Ziffernblatt aus Perlmutt, an ihren Fingern prangen zwei Goldringe. Sie ist sicher: „Die Diebe müssen mich schon länger beobachtet haben. Sie dachten sich bestimmt: Wenn die so gekleidet ist, wird sie sicher etwas in ihrer Wohnung haben.“

Von der Polizei hat Annemarie seit dem Vorfall nichts mehr gehört. Sie sei vorsichtiger geworden, wenn sie das Haus verlässt. „Wer weiß, wer dich beobachtet und wer mit dem Vertrauen älteren Menschen spielt. Es kann jeden treffen“, meint die Seniorin. Einschränken lässt sie sich aber nicht: Ihren geliebten roten Hut wird Annemarie auch weiterhin auf der Straße tragen.

*Name von der Redaktion geändert

Von Junes Semmoudi

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