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Lokales Wenn der Pulli wie eine Discokugel leuchtet
Dresden Lokales Wenn der Pulli wie eine Discokugel leuchtet
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20:08 21.10.2019
Claudia Keibler-Willner vom Institut FEP zeigt im Fraunhofer-Institutszentrum an der Winterbergstraße Organische Leuchtdioden der neuesten Generation. Diese sind zum Beispiel für Autobauer interessant. Quelle: Heiko WeckbroDt
Dresden

Mit einer neuen Generation organischer Leuchtdioden (Oled) wollen Dresdner Fraunhofer-Forscher die Träume von Autodesignern und Modeschöpfern wahr machen: Sie haben biegsame lange Leuchtstreifen aus organischer Elektronik entwickelt, deren Farbe und Leuchtstärke sich Segment für Segment einzeln verändern lässt. Mit solchen Oled-Streifen lassen sich beispielsweise Jacken entwerfen, die in veränderbaren Farb-Nuancen leuchten, erklärt Ingenieurin Claudia Keibler-Willner vom Dresdner Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP).

Audi und BMW setzen bereits Oleds für Rücklichter ein, die ein ganz einzigartiges Aussehen haben“, erklärt die Abteilungsleiterin für Organiktechnologie. Auch Mercedes arbeite mit organischen Leuchten. „Mit unseren neuen Oled-Streifen eröffnen sich da auch für den Autoinnenraum besondere Alleinstellungsmerkmale: Durch dynamische Warnhinweise oder individuelle Farbbegrüßungen für jeden Fahrer kann sich ein Fahrzeug-Hersteller von seinen Wettbewerbern absetzen.“

Bisher kaum mehr als Unikate

Diese Ausrichtung der Dresdner Fraunhofer-Ingenieure auf Anwender, die auch vergleichsweise teure Lichtkonzepte finanzieren können, hat gute Gründe: Seit über zehn Jahren entwickeln die Sachsen bereits Oled-Technologien. Doch bisher haben sich alle Hoffnungen zerschlagen, hierzulande eine jobträchtige Massenproduktion aufzubauen.

Das Dresdner Oled-Know-how nutzen beispielsweise die Koreaner, um ihre Spitzen-Smartphones und -Fernseher mit hochwertigen Bildschirmen zu versehen. Derweil ist der Oled-Einsatz für Lampen über Unikate kaum hinausgekommen – obwohl die organische Leuchten klare Vorteile gegenüber normalen LEDs oder Glühbirnen bieten: Sie sind sehr dünn, biegsam, bei Bedarf auch durchsichtig, wenn man sie ausschaltet. Sie verbrauchen wenig Strom und brauchen keine Steueroptiken.

Aber Oleds sind eben immer noch ziemlich teuer. Und: „In der Vergangenheit wurde viel am Markt vorbei entwickelt“, meint Ingenieurin Keibler-Willner. Deshalb wollen sie und ihre Kollegen nun enger mit potenziellen Kunden zusammenarbeiten, wenn sie ihre Oleds verfeinern. „Da gilt es klären: Was genau brauchen die Anwender?“, sagt sie.

Biologisch verträgliche Hirnimplantate

Neben den neuen Designmöglichkeiten in Autos und an Kleidern könnten Oleds auch bemerkenswerte Fortschritte in der Lebensmittel-Überwachung und Medizintechnik ermöglichen: Gekoppelt mit organischer Elektronik und Sensorik können Oled-Module zum Beispiel einen Bakterienbefall in Milchprodukten rasch erkennen. Oder sie können als biologisch verträgliche Hirnimplantate Epileptiker vor nahenden Anfällen warnen.

Mit Senorics gibt es inzwischen in Dresden bereits eine Ausgründung der Technischen Universität Dresden, die organische Sensortechnik für die Lebensmittelindustrie und Medizintechnik einspannt. Und in diesen Branchen sieht Keibler-Willner noch viele Chancen für die Fraunhofer-Projekte: „Das Potenzial der Oleds ist noch längst nicht ausgeschöpft“, sagt sie.

Von Heiko Weckbrodt

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