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Lokales Wenn Medikamente nicht helfen
Dresden Lokales Wenn Medikamente nicht helfen
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09:21 06.03.2018
Hier ist der systolische Wert mit 157 mmHg schon erhöht  Quelle: Anja Schneider
Dresden

Ab welchem Wert hat ein Mensch aus Ihrer Sicht zu hohen Blutdruck? Welche Faktoren spielen bei der Beurteilung dessen eine Rolle?

Optimal sind Werte bis 120/80 mmHg. Von einem arteriellen Bluthochdruck – also einer Hypertonie – spricht man, wenn der Blutdruck dauerhaft und situationsunabhängig einen Wert von 140/90 mmHg und höher erreicht. Dabei spielt es keine Rolle, ob der erste oder der zweite Wert erhöht ist oder beide Werte erhöht sind.

Der Wert von 140/90 mmHg gilt für die Messung beim Arzt. Wenn man zu Hause den Blutdruck misst, liegt der Grenzwert bei 135/85 mmHg. Denn in der gewohnten Umgebung ist man nicht so aufgeregt wie vielleicht beim Arzt. Deshalb ist der Blutdruck daheim in der Regel etwas niedrige

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Fakt ist, dass bereits bei einem „hochnormalen“ Blutdruck, wie wir in der Medizin sagen – also bei Werten zwischen 120/80 und 140/90 mmHg – das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt.

Was sind das für Erkrankungen?

Erhöhte Druckwerte schädigen langfristig wichtige Organe wie die Blutgefäße, das Herz, die Herzkranzgefäße, das Gehirn und die Nieren. Zu hoher Blutdruck kann zu einer Verkalkung in den Arterien führen, erhöht das Risiko für einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt. Es ist also wichtig, Bluthochdruck früh zu erkennen und gegenzusteuern, um den Schaden zu minimieren.

Um zu beurteilen, ob der Blutdruck wirklich dauerhaft hoch ist, sollte man aber mehrmals messen, oder?!

Ja, auf jeden Fall. Mindestens dreimal an zwei verschiedenen Tagen. Optimaler wäre eine Messung über 24 Stunden mit einem Langzeitblutdruckmessgerät. Außerdem sollte man vor der Messung keinen Kaffee und/oder Alkohol getrunken haben und wenigstens fünf Minuten zur Ruhe kommen. Gleich nach dem Treppensteigen Blutdruck zu messen wäre falsch.

Wie viel Prozent der Patienten des Dresdner Herzzentrums haben zu hohen Blutdruck?

Mit Sicherheit über 75 Prozent. Denn Bluthochdruck ist Risikofaktor Nr. 1 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und diese wiederum sind die häufigste Todesursache. Zwischen 20 und 30 Millionen Bundesbürger haben einen zu hohen Blutdruck. Glücklicherweise erreichen mittlerweile drei Viertel der Patienten unter Therapie gute Blutdruckwerte.

Welche möglichen Ursachen für Bluthochdruck gibt es?

Nur in etwa zehn Prozent der Fälle löst eine andere Krankheit Bluthochdruck aus. Das kann zum Beispiel eine Erkrankung der Nieren oder Nebennieren, der Schilddrüse oder auch ein Schlafapnoesyndrom sein.

In 90 Prozent der Fälle handelt es sich jedoch um die sogenannte primäre oder auch essenzielle Hypertonie. Deren Ursachen sind nur teilweise erforscht. Niere, Herz, Hirn und Gefäße und deren komplexe Wechselbeziehungen spielen eine Rolle. Da gibt es viele Stellschrauben, die den Blutdruck beeinflussen. Man hat aber herausgefunden, dass die Erbanlagen und der Lebensstil – also Bewegung, Ernährung, seelische Gesundheit – eine große Rolle spielen.

Vortrag zum Thema

Arterieller Bluthochdruck – eine Gefahr für Herz und Hirn; Vortrag am 28. März 2018, 16 Uhr, von Dr. med. Robert Höllriegel, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie; Veranstaltungsort: Hörsaal des Herzzentrums Dresden, Fetscherstr. 76, 01307 Dresden; Eintritt frei.

Wie macht sich zu hoher Blutdruck bemerkbar?

Bluthochdruck kann, muss aber zunächst nicht mit Symptomen einhergehen. Zudem können Symptome auftreten, die auch durch andere Krankheiten ausgelöst werden können. Brustschmerzen zum Beispiel, Sehstörungen, Schwindel, innere Unruhe oder auch verminderte Belastbarkeit. In solchen Fällen sollte man daran denken, auch den Blutdruck zu messen. Und jeder sollte den Gesundheitscheck, auf den gesetzlich Versicherte ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch haben, unbedingt nutzen. Er kann gesundheitliche Risiken aufdecken.

Kann man durch eine Änderung der Ernährungs- und Lebensweise seinen Blutdruck beeinflussen?

Ja, sehr gut sogar. Sie ist sogar ein ganz wichtiger Baustein in der Therapie des arteriellen Bluthochdrucks. In Abhängigkeit der Ausgangswerte kann man es dadurch sogar schaffen, seine Werte ohne Medikamente zu normalisieren.

Was konkret müssen denn Bluthochdruckpatienten an der Lebensweise ändern?

Die Ernährung umstellen und Normalgewicht anstreben. Also viel Obst und Gemüse essen sowie Fisch und Olivenöl, Fleisch nur zwei- bis dreimal pro Woche und den Salzverbrauch drastisch reduzieren. Richtwert sind 5 bis 6 Gramm Kochsalz pro Tag. Schon allein wer Fertiggerichte konsumiert oder Wurst verspeist ein Vielfaches davon.

Zudem sollte man nur mäßig Alkohol trinken. Männer maximal 30 g reinen Alkohol pro Tag – was etwa einem halben Liter Bier entspricht. Bei Frauen spricht man von 20 g pro Tag – das ist ungefähr ein Glas Wein (0,2 l).

Ganz wichtig sind ein Nikotinverzicht, regelmäßige sportliche Betätigung (möglichst 30 Minuten an 5 bis 7 Tagen in der Woche) und ein regelmäßiger Tagesablauf mit Pausen für Erholung und Entspannung.

Welche Möglichkeiten der Therapie des Bluthochdrucks gibt es – vor allem wenn blutdrucksenkende Medikamente nicht anschlagen?

In einem solchen Fall sollte man auf jeden Fall an die Möglichkeit einer sekundären Hypertonie denken und nach anderen Erkrankungen, die Auslöser für den Bluthochdruck sein können, schauen. Dies ist aber wie gesagt nur bei max. 10% der Patienten der Fall. Dann normalisiert sich der Blutdruck in der Regel, wenn die zugrunde liegende Krankheit behandelt wird.

Bei der primären Hypertonie gibt es mittlerweile neue Methoden, die wir auch am Herzzentrum Dresden anbieten. Zum einen handelt es sich um die Barorezeptor-Aktivierungstherapie. Bei dieser wird unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut eine Art Schrittmacher eingesetzt. Er stimuliert spezielle Zellen an der Halsschlagader. Diese leiten das Signal an das Gehirn weiter und täuschen dort einen dauerhaft erhöhten Blutdruck – höher als er schon ist – vor. Das Gehirn reagiert und löst körpereigene Mechanismen zur Blutdrucksenkung aus. Damit haben wir am Herzzentrum Dresden bei gut ausgewählten Patienten schon deutliche Erfolge erzielen können.

Eine weitere mögliche Art der Behandlung ist die „renale Sympathikus-Denervation“ – so der Fachbegriff. Was heißt das? Minimalinvasiv werden mit Hilfe eines speziellen Katheters Nervenfasern im Bereich der Nierenarterien verödet, die normalerweise Informationen zur Blutdrucksteigerung an das Gehirn senden. Beide Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile und können nicht bei jedem Patienten angewendet werden.

Medikationsplan

Patienten haben seit 1. Oktober 2016 Anspruch auf einen sogenannten bundeseinheitlichen Medikationsplan, wenn sie mindestens drei zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnete, systemisch wirkende Medikamente gleichzeitig einnehmen oder anwenden. Die Anwendung muss dauerhaft – über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen – vorgesehen sein.

Der Medikationsplan soll möglichst sämtliche verschreibungspflichtige Arzneimittel enthalten, die der Patient einnimmt, sowie die Selbstmedikation. Dazu werden unter anderem der Wirkstoff, die Dosierung, der Einnahmegrund und sonstige Hinweise zur Einnahme aufgeführt.

Zusätzlich ist ein Barcode auf dem Papier-Medikationsplan aufgebracht. Er enthält die Information des Plans in digitaler Form und ermöglicht, dass dieser unabhängig von der jeweiligen Praxis- oder Apothekensoftware per Scanner eingelesen und aktualisiert werden kann. So ist eine unkompliziertere Aktualisierung in Praxen, Apotheken und auch in Krankenhäusern möglich.

Der Arzt, der den Medikationsplan erstellt hat, ist auch zur Aktualisierung verpflichtet. Aber auch andere Ärzte des Patienten sowie Ärzte in Krankenhäusern können den Plan aktualisieren. Am einfachsten geht dies elektronisch via Barcode und Scanner. So kann der Plan direkt eingelesen, aktualisiert und wieder ausgedruckt werden. Die Verantwortung für die verschriebenen Arzneimittel liegt auch hier beim jeweils verschreibenden Arzt.

Den Medikationsplan erstellt in der Regel der Hausarzt. Er ist zum Ausstellen von Medikationsplänen verpflichtet. Nur wenn Patienten keinen Hausarzt haben, sind auch Fachärzte verpflichtet, einen Medikationsplan auszustellen. Dabei sollte dies der Facharzt übernehmen, der für den Patienten anstelle des Hausarztes die überwiegende Koordination der Arzneimitteltherapie übernimmt.

Zunächst gibt es den Plan nur auf Papier. Künftig soll der Medikationsplan auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden können.

Die Einführung des bundeseinheitlichen Medikationsplans hatte der Bundestag mit dem E-Health-Gesetz beschlossen. Ziel ist es, den Patienten bei der richtigen Einnahme seiner Arzneimittel zu unterstützen.

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Nicht selten werden Bluthochdruckpatienten mehrere Medikamente gleichzeitig verordnet, weil eines nicht ausreicht. Gerade ältere Menschen nehmen oft auch noch Medikamente gegen andere Beschwerden. Kann da nicht ein gefährlicher Cocktail entstehen, der am Ende mehr schadet als nützt?

Natürlich können durch die Einnahme mehrerer Medikamente Wechselwirkungen auftreten. Es ist auch meine Aufgabe als Hypertensiologe am Herzzentrum Dresden bei der Auswahl der Medikamente zur Blutdrucksenkung auf die Nebenwirkungen und möglichen Interaktionen mit anderen Medikamenten bzw. anderen Erkrankungen des Patienten zu achten.

Abgesehen davon ist es wichtig, dass Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen müssen, ihren Anspruch auf einen Medikationsplan nutzen. Den stellt in der Regel der Hausarzt oder auch das Krankenhaus aus. Aus diesem Plan ist ersichtlich, welche Medikamente mit welchen Wirkstoffen verordnet wurden, in welcher Dosierung und warum sie eingenommen werden. Den Plan sollten die Patienten bei sich führen, beim Arzt vorlegen und wenn nötig immer wieder aktualisieren lassen.

Blutdrucksenkende Medikamente können Nebenwirkungen haben, die die Lebensqualität negativ beeinflussen. Manche leiden unter diesen Nebenwirkungen. Da der Hausarzt aber keinen anderen Rat weiß, setzen sie die Medikamente ab. Was raten Sie solchen Patienten, die sich einfach nicht anders zu helfen wissen?

Auf keinen Fall den Blutdruck unkontrolliert lassen. Selbst wenn man bereits zwei oder mehr Medikamente nicht vertragen hat, gibt es eine Vielzahl an Alternativen. Bei schwierigen Blutdruckeinstellungen sind besonders geschulte Ärzte – sogenannte Hypertensiologen – sehr hilfreich. Diese können dann auch den Patienten hinsichtlich möglicher Alternativen beraten.

Für Medikamente gibt es oft mehrere Hersteller. Kann es sein, dass Medikamente zwar den gleichen Wirkstoff aber unterschiedliche Zusatzstoffe enthalten? Und kann das dazu führen, dass das eine Medikament vertragen wird und das andere nicht?

Ja. Manchmal ist eben auch einfach ein anderes Medikament der gleichen Wirkstoffklasse schon die Lösung.

Von Catrin Steinbach

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