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Dresden Lokales Welche Rolle spielten Islamisten beim syrischen Vorbild der Neumarkt-Busse?
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13:13 09.02.2017
Die Skulptur „Monument“ auf dem Dresdner Neumarkt sorgt schon wieder für Diskussionen. Quelle: Stephan Lohse
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Dresden

Die Skulptur „Monument“ auf dem Dresdner Neumarkt sorgt schon wieder für Diskussionen. Diesmal ist das syrische Vorbild der Aktion Stein des Anstoßes. Denn auf einem Bild der Original-Busse in Aleppo ist eine Fahne zu erkennen, die auf die islamische Miliz „Ahrar al-Scham“ verweisen soll. Diese wurde vom Generalbundesanwalt 2015 als terroristische Vereinigung eingestuft.

Linienbusse werden vor der Frauenkirche in Dresden senkrecht aufgestellt. Sie bilden die Skulptur «Monument» des syrischen Künstlers Manaf Halbouni. Die Skulptur soll eine Brücke von Dresden nach Aleppo schlagen.

„Das Bild der Barrikade aus den drei aufgerichteten Bussen existiert hundertfach im Internet. Das jetzt in den sozialen Medien von der Agentur Reuters stammende Motiv mit der Fahne der Organisation Ahrar al-Scham sehe ich zum ersten Mal“, so Künstler Manaf Halbouni, der für die Installation in Dresden verantwortlich ist. Er selbst habe von der Aktion 2015 zum ersten Mal erfahren, damals aus der britischen Zeitung „The Guardian“. Und die zeigte die Busse ohne Flagge. Zudem hätten verschiedene Quellen versichert, dass die Busse definitiv zum Schutz der Zivilbevölkerung aufgestellt wurden.

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Recherchebild von Manaf Halbouni

Ein Fotograf berichtet nun, die Islamisten hätten die Busse damals tatsächlich zum Schutz der Bevölkerung aufgestellt. Eine andere Vermutung ist, dass der Stadtteil, in dem die Busse aufgestellt wurden, irgendwann von der Miliz erobert wurde und dass die ihre Fahne aufgestellt haben. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Barrikade im Kriegsverlauf von verschiedenen Parteien in Anspruch genommen wurde. In der Situation dieses Krieges, unter der die Zivilbevölkerung leidet, gibt es viele Seiten“, sagt Halbouni. Er verweist zudem auf den syrischen Fotografen Nizam Najar. Der hatte 2016 verschiedene Aufnahmen der Barrikade angefertigt, ohne Flagge.

Recherchebild von Manaf Halbouni

„Das Kunstwerk veranschaulicht die Situation, in der die Zivilbevölkerung in Aleppo im Krieg leben muss. Es ist nicht die Intention des Kunstwerkes auf die komplexe Situation der unterschiedlichen Parteien dieses Krieges Bezug zu nehmen. Das Monument zeigt einen Ausschnitt aus dieser menschenunwürdigen Situation und ist ein Mahnmal gegen Krieg und Gewalt in jeglicher Form – auch gegen die Gewalt von Terroristen“, ergänzt Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin des Kunsthauses Dresden.

SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann lobte Halbounis Werk als „beeindruckendes Denkmal der Erinnerung an den Krieg – sei es der Krieg in Syrien oder der Zweite Weltkrieg“. Sie sei von dem Kunstwerk begeistert, so die Chefin der Staatlichen Kunstsammlungen.

„Der Künstler möchte unsere Wahrnehmungsfähigkeit auf subversive Art durch das Symbol der Mobilitätsfreiheit schärfen und auf die Zerstörung der Hochkultur, die Dresden und Aleppo gemeinsam ist, hinweisen. Die Errichtung des Kunstwerkes vor der Frauenkirche, deren Wiederaufbau in uns allen tief verankert ist, versteht sich als Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen, die durchaus aber auch gemeinsame Schicksale teilen.“

sl

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