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18:07 19.11.2019
Dr. Gregor Peikert. Quelle: Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer
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Dresden

Der Bund schlägt neue Wege bei der Ausbildung von Psychotherapeuten ein. Das löste unter Fachleuten bereits heftige Kritik aus. Jetzt äußert sich der Dresdner Gregor Peikert dazu. Er ist Präsident der ostdeutschen Psychotherapeutenkammer.

Herr Dr. Peikert, der Bundesrat hat die Reform der Psychotherapeutenausbildung durchgewunken. Nach einer etwa 15-jährigen Debatte. Haben Sie die Korken knallen lassen?

Ja, wir haben die Korken knallen lassen, weil es nun Klarheit bringt, wie es mit der Ausbildung weiter geht. Aber wir sind dabei auch etwas verhalten geblieben, weil, wie so oft in solchen Fällen, natürlich Kompromisse dahinter stecken. Da gibt es immer Gewinner und Verlierer in solchen Prozessen. Wir sind froh, dass es jetzt beschlossen ist und hoffen auf eine zukunftsfähige Ausbildung.

Welche Vorteile bringt die Reform?

Die Psychotherapeuten können jetzt besser in das System der Heilberufe in Deutschland eingeordnet werden. Ab kommendem Jahr wird es ein direktes Psychotherapiestudium geben. Früher gab es einen einheitlichen Diplom-Studiengang Psychologie, danach konnten die Absolventen die Ausbildung zum Psychotherapeuten machen. Mit der Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem gab es keine einheitlichen Studiengänge mehr. Dadurch war es für viele nicht leicht zu erkennen, ob sie mit einem Studiengang anschließend eine Psychotherapeutenausbildung machen können. Für viele war auch nicht nachvollziehbar, dass sie nach einem Hochschulstudium noch drei bis fünf Jahre eine Ausbildung machen müssen, bei der sie für ganz wenig Geld oder unentgeltlich tätig sind in einem sogenannten Praktikum. Das gehört nun der Vergangenheit an.

Reformpläne des Bundes

Es gibt verschiedeneWege zum Psychotherapeuten. Einmal können Ärzte nach ihrem Medizinstudium einen entsprechenden Facharzt machen. Für sie soll sich durch die Reform nichts ändern. Zum anderen können Absolventen eines fünfjährigen Psychologiestudiums nach einer zusätzlichen Ausbildung (drei Jahre) als psychologische Psychotherapeuten für Erwachsene arbeiten.

Die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten können auch Pädagogen und Sozialpädagogen absolvieren. Künftig soll ein Studium mit Bachelor und Master zum Psychotherapeuten führen. Die anschließende Weiterbildungszeit zur Spezialisierung auf Fachrichtung und Verfahren soll deutlich besser vergütet werden als bisher.

Damit wäre die vorbereitende Ausbildung als Psychologe nicht mehr notwendig, gleichzeitig entfällt der Zugang zur Psychotherapeuten-Tätigkeit für Pädagogen.

Fehlt es an Lebenserfahrung?

Wie ist es künftig?

Die Studenten machen ein Hochschulstudium, erhalten dann die Approbation, also die Zulassung zur Heilkunde, machen dann noch eine Weiterbildung. Sie können in dieser Zeit schon als Psychotherapeuten mit entsprechender Vergütung tätig sein, nicht mehr nur als Praktikanten.

Kritiker der Reform, wie beispielsweise der Dresdner Psychiatrie-Professor Veit Rößner, sehen in der sehr frühen Entscheidung für die Psychotherapeuten-Laufbahn, die künftig Interessierte im Alter von 17 oder 18 Jahren treffen müssen, ein Problem. Es fehle an Lebenserfahrung vor einer solchen Entscheidung, und an Erfahrung aus einem Psychologiestudium heraus beispielsweise. Wie sehen Sie das?

Ich sehe das Problem nicht. Auch jetzt hat sich ein Großteil schon zu Beginn des Studiums bereits entschlossen, später den Weg als Psychotherapeut zu gehen. Auch für mich selbst war das schon nach dem Abitur klar.

Sorge: Hochschulen bilden nicht genügend Studenten aus

Sie sind 1964 in Dresden geboren und haben dann an der Humboldt-Universität in Berlin Psychologie studiert…

Ja, zu DDR-Zeiten gab es damit schon etwas ähnliches, wie es jetzt wieder geplant ist. Das hieß damals Studium Klinische Psychologie. Ich habe mich schon vor dem Abitur dafür entschieden und habe es nicht bereut. Und es ist ja auch gewünscht, dass akademische Ausbildungswege nicht unnötig ausgedehnt werden.

Biografie

Dr. Gregor Peikert ist seit 2019 Präsident der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK). Er ist 1964 in Dresden geboren und war unter anderem von 1990 bis 1996 als Psychologe am Sächsischen Krankenhaus Arnsdorf tätig. Seit 1996 ist er in Jena unter anderem am Universitätsklinikum aktiv. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Da es künftig keinen Zugang zur Psychotherapeutenausbildung mehr für Pädagogen geben wird, befürchten Kritiker vor allem einen Nachwuchsmangel bei den Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und damit in diesem Bereich noch längere Wartezeiten für Patienten. Können Sie das nachvollziehen?

Diese Sorge kann ich teilen. Es ist tatsächlich so, dass an die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an dieser Stelle nicht sehr gedacht worden ist. Es wird vor allem die Aufgabe der Hochschulen sein, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie rechtzeitig im Studium zu lehren und die Studenten dafür auch zu motivieren, sich dafür zu entscheiden. Bislang gab es den Zugang für Pädagogen oder auch für Sozialpädagogen aus Fachhochschulen wie in Mittweida, die in den Kinder- und Jugendlichenbereich gingen. Das wird es nicht mehr geben. Da wird die Politik zum gegebenen Zeitpunkt gegensteuern müssen.

Kurzfristig keine Versorgungslücken

Sehen Sie drohende Versorgungslücken im Kinder- und Jugendbereich, von denen Professor Rößner spricht?

Kurzfristig befürchten wir keine Versorgungslücken, weil das „alte“ Ausbildungssystem noch gut funktioniert und auch in den nächsten Jahren Kindertherapeuten „nachwachsen“ werden. Aber in etwa zehn Jahren könnte ihre Zahl allmählich abnehmen, wenn Hochschulen und Politik nicht gegensteuern.

Wie sind die Hochschulen auf die neuen Studiengänge vorbereitet, wird es rechtzeitig genügend geben?

Dafür werden neue Lehrstühle geschaffen werden müssen. Einige Hochschulen, die Psychotherapie ausbilden, haben derzeit keine speziellen Lehrstühle für klinische Kinderpsychologie. Es wird eine sportliche Aufgabe und in den ersten ein, zwei Jahren werden es wohl noch nicht genügend sein. Die Länder haben jetzt die Aufgabe, die Hochschulen mit genügend Finanzmitteln auszustatten. Zudem müssen auch ausreichende Praktikumsmöglichkeiten geschaffen werden. Bislang besteht da ein struktureller Mangel. Bei den Ärzten gibt es ja die akademischen Lehrkrankenhäuser, so etwas muss auch bei den Psychotherapeuten eingerichtet werden. 150 bis 180 Studienplätze sollte es einmal in Sachsen geben. Das wird eine große Herausforderung für die Hochschulen in Dresden, Leipzig und Chemnitz.

„Wir hoffen auf Verbesserungen im stationären Bereich“

Derzeit warten Menschen mit psychischen Problemen im Schnitt fünf Wochen auf einen Ersttermin und dann weitere fünf Monate auf den Therapiebeginn. Wird die Reform daran etwas ändern?

Die Reform soll zunächst das Versorgungsniveau auf Dauer halten. Es sollen quantitativ ausreichend Fachkräfte bereitgestellt werden. Wir hoffen auf Verbesserungen im stationären Bereich. Wie es im ambulanten Bereich wird, muss man abwarten. Es ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass plötzlich deutlich mehr Psychotherapeuten ausgebildet werden als bisher.

Sind hier Chancen der Reform verpasst worden aufgrund der Kompromisse, von denen Sie sprechen?

Es hätte mehr erreicht werden können. Die Profession hat immer gesagt, wir müssen mehr für die Kinder und Jugendlichen tun. Auch die Finanzierung der Weiterbildung ist nicht ausreichend bedacht worden. Daher sehen wir die Gefahr, dass sich nicht genügend Absolventen dafür entscheiden werden und der Bedarf nicht gedeckt wird. Sie bekommen zwar ein gewisses Gehalt künftig, müssen davon aber weiterhin große Teile für die Kosten der privaten Weiterbildung aufbringen. Hier hätte es eine Einigung mit den Kostenträgern, den Krankenkassen, geben müssen.

Von Ingolf Pleil

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