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Lokales Weiße Weihnachten in Dresden – ein seltenes Phänomen
Dresden Lokales Weiße Weihnachten in Dresden – ein seltenes Phänomen
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13:03 18.12.2018
Verschneit präsentierte sich Dresden im Jahr 2010. Der Schnee blieb sogar bis Weihnachten liegen. Die Aufnahme stammt vom 18. Dezember. Quelle: Matthias Hiekel/dpa
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Dresden

Jeder Schritt über verschneite Straßen, den Schlitten mit vor Vergnügen quietschenden Kindern hinter sich herziehend, knirscht behaglich. Vereinzelt fallen zarte Flocken vom Himmel. Weiße Weihnachten sind in Sachen Heimeligkeit unübertroffen. Doch davon bekommen die Dresdner im Regelfall nur wenig mit.

“Weiße Weihnachten im Tiefland sind ein relativ seltenes Ereignis”, weiß Meteorologe Jens Oehmichen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig. Der Wetterexperte hat für die Dresdner Neuesten Nachrichten das Weihnachtswetter der vergangenen 50 Jahre durchforstet und festgestellt: Weihnachten im Schnee gab es in diesem Zeitraum nur neun Mal.

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Eine dicke Schneedecke überzog Dresden im Winter 2010. Quelle: fkä/Archiv

Kurzer Exkurs zur Methodik: Als weiße Weihnacht gilt der 24. Dezember bei Oehmichen nur dann, wenn sich eine Schneedecke von mindestens einem Zentimeter über zwei Tage gehalten hat. Markante Winterweihnachten mit mehreren Zentimetern Schnee sind sogar noch seltener. Sechs solche richtigen Winter-Heiligabende hat Oehmichen in den vergangenen fünf Jahrzehnten identifiziert: 1969, 1981, 1986, 1996, 2001 und – daran dürften sich viele noch erinnern – 2010. Damals machten bis zu zweistellige Minusgrade den Spaziergang in pittoresker Schneelandschaft allerdings zur Tortur.

Je höher, desto schneereicher

Zum Vergleich: In Zinnwald ist fast jedes Weihnachten Weiß. Die Wetterstation Chemnitz verzeichnete immerhin 17 mal weiße Weihnachten seit 1968. Allerdings liegt die dortige Warte auch auf über 300 Metern Höhe, Dresden nur auf etwas mehr als 100 Metern. “Die Schneehäufigkeit ist sehr von der Höhenlage abgängig, deshalb sind weiße Weihnachten zum Beispiel im Erzgebirge deutlich häufiger”, erklärt der Meteorologe.

Doch es geht auch anders. Oftmals ist es in Dresden an Heiligabend einfach nur kalt, aber es fällt kein Schnee, wie zum Beispiel 1970 (-5 Grad Celsius). Manche Jahre sind auch rekordverdächtig warm. Seit dem kalten 2010er Winter verzeichnete der Wetterdienst an den folgenden Heiligabenden Temperaturen um die 10 Grad Celsius und mehr. 2015 wurden an der Station in Hosterwitz frühlingshafte 16,5 Grad Celsius gemessen. Das gab es bereits 1983. Damals registrierten die Wetterexperten ebenfalls 15 bis 16 Grad Celsius.

Die Aussichten für 2018: grün

Und 2018? Die Aussichten sind eher schlecht. Für den Raum Dresden prognostiziert der DWD mit ziemlicher Sicherheit grüne Weihnachten. „Es wird sehr ungemütlich, regnerisch und windig“, erklärt Oehmichens Kollege Florian Engelmann die Wetteraussichten. In den nächsten Tagen ziehen Ausläufer von Tiefdruckgebieten über die Region und bringen als „Geschenk“ Regen mit. Doch darüber können sich wohl nur trockenheitsgeplagte Landwirte und Brunnenbesitzer wirklich freuen.

Milde Temperaturen – „Wir kratzen an Heiligabend an der 10 Grad-Marke“ – machen den böigen Wind zumindest halbwegs erträglich. In höheren Lagen kann es dann am ersten Weinachtsfeiertag durchaus auch schneien. „Die Schneefallgrenze sinkt auf 600 bis 800 Meter – aber auch das nur kurzzeitig“, so der Meteorologe.

Von Franziska Kästner