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Lokales Was der Dresdner Galerist Holger John mit Rammstein gemein hat
Dresden Lokales Was der Dresdner Galerist Holger John mit Rammstein gemein hat
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15:54 11.06.2019
Rammstein-Sänger Till Lindemann (r) und Galerist Holger John bei der Vernissage von "In stillen Nächten" im Dezember 2013. Quelle: Andreas Weihs
Dresden

Kaum eine deutsche Rockband kann größere Erfolge verbuchen als Rammstein. Brachialer Sound und knallharte Videos, tiefgründige Texte und feurige Pyroshows – das scheint auch über die Landesgrenzen hinaus Anklang zu finden. Am Mittwoch und Donnerstag gibt die Berliner Gruppe zwei ausverkaufte Konzerte im Rudolf-Harbig-Stadion. Die DNN haben einen Dresdner besucht, der die Bandmitglieder besonders gut kennt: den Galeristen und Künstler Holger John.

Wunderbarer Krach

„Man ist sich im Ostberlin der 80er Jahre unweigerlich über den Weg gelaufen“, erinnert sich John an das erste Zusammentreffen mit den Musikern. „So ist das halt, wenn die verrückten, jungen Künstler allesamt in Prenzlauer Berg ihr Bohème-Leben führen.“

Dazumal stand der studierte Grafiker John insbesondere mit dem späteren Rammstein-Keyboarder Christian Lorenz und dem Gitarristen Paul Landers in Kontakt. „Die waren schon damals auffällig anders als die angesagten Bands in der DDR-Rockszene“, meint John und lacht. „Sie haben einfach wunderbaren Krach gemacht.“

Im Jahr 1994 etablierten sechs Musiker schließlich ein bis dato ungekanntes Format: Rammstein. „Der Stil war von Anfang an frisch, frech, laut und dreckig. Quasi über Nacht hat es irgendwann geknallt, und Rammstein haben die Welt im Sturm erobert“, erzählt John.

Am kometenhaften Aufstieg der Rockgruppe war der Dresdner Künstler nicht ganz unbeteiligt: Immer wieder arbeitete er mit Rammstein zusammen. John richtete Veranstaltungen für die Rockband aus, etwa die Verleihungsgala der „Rammstein Music Awards“ 2005 im Berliner Olympiastadion. Die skurrile Prozession, mit der die Band 2011 ihr Best-of-Album bewarb, gestaltete der 59-Jährige maßgeblich mit.

Feuchte Träume und Dildos

Rammstein-Frontmann Till Lindemann und Holger John verbindet der Mut zur Veränderung. Gemeinsam betraten die beiden Künstlerkollegen im Dezember 2013 fremdes Terrain: Für seine erste Ausstellung als Galerist fragte John den Sänger an, der damals wiederum als bildender Künstler und Poet debütierte.

Die Exposition mit dem Titel „In stillen Nächten“ zeigte neben Originalschriften von Lindemann auch Reliquien der Band. Lindemann wusste die Dresdner von Anfang an zu schocken: Steife Glieder, feuchte Träume, Schenkel und Laken waren in der Galerie zu sehen und zu lesen.

„Auf der Bühne mimt Till Lindemann den Anführer, die Galionsfigur von Rammstein. Hinter der Fassade steckt ein hochintelligenter, feiner und überaus inspirierender Künstler“, sagt John. Im Sommer 2015 stellte er erneut Werke des Leadsängers aus. Unter dem Titel „Skills in Pills“ waren nicht minder aufsehenerregende Skulpturen und Fotos zu erleben: Die Galerie Holger John säumten ausgestopfte Tiere, Fotos von nackter Haut sowie dutzende Plastikdildos.

Lindemann ist keine leichte Kost

Till Lindemanns Gedichte und Skulpturen sind, wie auch seine Musik, keine leichte Kost. Wenn er Blumenbilder malen würde, wäre das aber auch nicht wirklich glaubhaft“, meint John. „Die Werke haben eine ganz eigene, poetische Ausstrahlung. Auch wenn vielleicht nicht alles bis zum Ende gedacht ist, so bilden die Plastiken und Texte doch ein kreatives Gesamtwerk.“

Beide Ausstellungen wurden heftig bestürmt, besonders von einem neuen Galerie-Klientel: Noch heute schauen sich Rammstein-Fans regelmäßig in Johns Galerie im Barockviertel um, erzählt der Impresario. Und das, obwohl Lindemanns Kunstwerke längst neuen Ausstellungsstücken gewichen sind.

Wagner-Festspiele, nur anders

Das anhaltende Interesse an der Galerie beweist einmal mehr das „Phänomen Rammstein“. John meint, das Erfolgsrezept entschlüsselt zu haben: „Die Musiker halten der Gesellschaft den Parabolspiegel vor. Das ist nicht immer bekömmlich. Doch je öfter man die Songs hört und die Videos sieht, desto klüger erscheint die Botschaft dahinter.“

Hinzu kommen natürlich die fulminanten Live-Shows der Band. Rammstein-Konzerte sind Welttheater, sagt John, Wagner-Festspiele der etwas anderen Art. „Und zwar für jede Gesellschaftsschicht und jede Generation. Die Auftritte werden von Firmenchefs genauso wie von Kunststudenten, Maurern oder Sekretärinnen besucht. Das Wichtigste: Die Jungs haben immer noch Spaß an dem, was sie auf der Bühne veranstalten.“

Nichtsdestotrotz werden Rammstein immer wieder in eine rechte Ecke gestellt. Das geschieht unter anderem, weil die Musiker diese Assoziation bewusst hervorrufen, sei es durch derbe Songtitel oder missverständliche Video-Teaser. John nennt das „spielerische Provokation“. Er weiß aber: „Im Herzen sind die Musiker Ostberliner Jungs geblieben – sehr bodenständig und mit guter Gesinnung. Nie würden sie in irgendein politisches Extrem abdriften.“

Wiedersehen alter Freunde

Rammstein haben eine gewisse Affinität zu Dresden. Die Bandmitglieder schmissen in den 90ern wilde Tiefgaragenpartys im heutigen Penck-Hotel. Und einmal, erzählt der Künstler, erschienen sie inkognito auf einem venezianischen Maskenball im Schloss Pillnitz.

„In Dresden finden Rammstein ein treues Publikum vor – nicht ohne Grund waren die beiden Dresden-Konzerte nach wenigen Stunden ausverkauft“, sagt John. Er wird sich die Bühnenshow im Rudolf-Harbig-Stadion selbstverständlich nicht entgehen lassen. Holger John freut sich schon – auf Welttheater und auf ein Wiedersehen mit alten Freunden.

Informationen zur Anreise

Die Rammstein-Konzerte im Rudolf-Harbig-Stadion beginnen heute und morgen jeweils um 19.30 Uhr. Zuschauer können bequem mit Bus und Bahn anreisen. Die Eintrittskarte gilt jeweils am Tag des Konzertes ab 12.30 Uhr bis zum Morgen des Folgetages um 4 Uhr als Fahrkarte für Straßenbahnen, Züge und Busse im gesamten Bereich des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO).

Das Stadion ist mit den Linien 10 und 13 direkt erreichbar. Die Fahrplanauskunftsysteme der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) und des VVO erkennen das Ziel „Rammstein“. Besucher können somit bequem eine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Konzert abfragen. Die DVB setzen an beiden Konzerttagen zusätzliche Straßenbahnen ein.

Von Junes Semmoudi

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