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Lokales Was Regierungschef Kretschmer an der Berufsschule zu hören bekam
Dresden Lokales Was Regierungschef Kretschmer an der Berufsschule zu hören bekam
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11:52 15.01.2020
Ministerpräsident Michael Kretschmer beim Besuch im Beruflichen Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung in Dresden mit Schulleiterin Anja Unger und Frank Müller vom Gesellenprüfungsausschuss für die Ausbildung der Fleischer. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Die Botschaft der Schüler war klar: Eine ordentliche Turnhalle ist ihnen lieber als der nächste Schritt in der digitalen Ausstattung. Und was gleich mehrere junge Leute in einer Gesprächsrunde am Beruflichen Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung an der Canalettostraße in Dresden vortrugen, kam an. „Sie haben den wunden Punkt getroffen“, erklärte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei seinem Besuch in der Berufsschule, dieBäcker, Fleischer, aber auch Brauer und grüne Berufe wie Floristen oder Landwirte ausbildet. Kein junger Mensch sollte eine Berufsschule allein schon deshalb ablehnen, weil sie heruntergekommen aussieht.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stattete dem Beruflichen Schulzentrum am Standort Canaletto-Straße in Dresden auf Einladung der Schulleiterin Anja Unger einen Besuch ab. Dabei ging es auch deftig zu.

Dabei wird am BSZ bereits eine ganze Menge für die Attraktivität getan. Kretschmer konnte die Braukunst verkosten, in der sich Lehrlinge aus ganz Ostdeutschland an der Dresdner Schule üben. Der Regierungschef ließ sich auch eine Kostprobe der Fleischer-Azubis schmecken und zeigte sich „von der Schule begeistert“.

Einladung zur Klimakonferenz

Zuvor hatte Schulleiterin Anja Unger den Regierungschef und viele Vertreter von Kammern, Verbänden und Landesämtern über die Pläne der Schule mit derzeit fast 1500 Schülern informiert. Aktuell steht die Bewerbung um den Titel Klimaschule auf dem Programm.

Dafür muss das Thema Umwelt in allen Schulbereichen verankert werden. Unter anderem mit einem Garten der Nachhaltigkeit ist die Schule längst viele Schritte in diese Richtung gegangen. Zudem ließen Schüler des Umweltanalytikkurses einen Ballon 40 Kilometer bis in die Stratosphäresteigen. Sie wollten mit dem atemberaubenden Experiment nicht nur auf ihre Schule aufmerksam machen, sondern vor allem die Umweltbedingungen in den vom Ballon durchquerten Luftschichten untersuchen. Eine plastikfreie Cafeteria und Mülltrennung gehören ebenfalls zum Programm. Kretschmer wird die Schüler später zu seiner nächsten Klimakonferenz am 29. Februar in Dresden einladen.

Beratung für Digitalisierung nötig

Natürlich will sich an der Schule niemand der Digitalisierung entziehen. „Das ist eine Revolution“, beschrieb Unger aber die Komplexität der Umstellung. „Die Herausforderungen an einer Berufsschule sind andere als an einer Schule mit Vollzeitschülern.“ Den regelmäßig zum zweiwöchigen Blockunterricht erscheinenden Lehrlingen müssten schließlich genau die Spezialfertigkeiten vermittelt werden, die sie in ihren Berufen, in den Betrieben bräuchten. „Das können wir gar nicht allein, dafür brauchen wir Beratung“, appellierte Anja Unger an Kammern, Verbände und Betriebe. Bisher würden die Weiterbildungsangebote für Lehrer mehrheitlich auf die allgemeinbildende Schule zielen.

Schließlich musste sich die Schulleiterin im Gespräch mit Kretschmer sehr ausgiebig dem Gebäudezustand widmen. „Ich bin richtig neidisch auf die vielen Gymnasien der Stadt, die top ausgestattet sind“, gibt sie zu. 20 Prozent ihrer Arbeit würden daraus bestehen, sich um Schäden, Schwachstellen und Sanierungen zu kümmern. „Wenn ein Gymnasiast in der 10. Klasse die Schule sieht, macht er sich schon seine Gedanken.“ Dann entscheide er sich möglicherweise auch deshalb eher für ein Studium. „Wir müssen aber die tatsächliche Stärkung der Beruflichen Schulzentren anstreben“, fordert Unger. Neben Ausstattungsfragen sollte dazu auch eine Imagekampagne gehören, um die Berufsausbildung aufzuwerten.

Versprechen von Kretschmer

Kretschmer stimmt ihr weitgehend zu. Er spricht davon, den verengten Fokus auf den Bildungsweg Gymnasium aufbrechen zu wollen und dafür die Berufsorientierung auf Landesebene auszubauen. Natürlich sei es Realität, dass junge Leute den Wunsch zu Abitur und Hochschulbesuch hegten. Gegensteuern sei jedoch möglich. Kretschmer denkt laut über Kooperationen zwischen Gymnasien und Berufsschulen nach, will an Gymnasien von Berufsorientierung und nicht von Studienorientierung sprechen lassen und kommt auch nicht an der Gebäudesubstanz vorbei. Der Regierungschef stellt eine Ausstattungsoffensive des Landes in Aussicht, die mit den Praktikern an den Schulen und in den Kammern abgestimmt werden soll. „Optisch und inhaltlich muss zu sehen sein, hier sind die neuesten Techniken im Einsatz, die in den Betrieben gebraucht werden.“

Daran hapert es beim BSZ vor allem am Standort Altroßthal. Für den liege zwar ein Sanierungsbeschluss des Dresdner Stadtrats vor und es gebe auch schon Vermessungsarbeiten, sagt Unger. „Die Zeit läuft aber auch“, mahnt die Schulleiterin. „Immer mehr geht kaputt, in den Räumen zieht es, die Heizung ist nicht steuerbar, läuft immer auf Hochtouren.“

Turnhalle kein Zustand

Die Schüler können die Reihe fortsetzen: Die Turnhalle in Altroßthal ist ein alter Kuhstall, für Volleyball ist sie zu niedrig, beim Hochsprung-Anlauf muss eine Säule umkurvt werden. „Das ist kein Zustand.“

Im Haushalt des Landes stehe derzeit so viel Geld für den Schulhausbau wie noch nie, versichert Kretschmer. Detlef Sittel, der Ordnungsbürgermeister, vertritt an diesem Tag den OB in der Runde, erläutert Prioritäten, die bei Brandschutzvorschriften anfangen und mit Ausstattungsfragen wie der Digitalisierung weitergehen. Eine Turnhalle stehe da eher weiter hinten.

Die Blicke der Schüler bleiben skeptisch. Und so verspricht ihnen Kretschmer einen Besuch in Altroßthal: „Dann werden wir sehen, was sich vielleicht machen lässt.“

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