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Lokales Was Dresden verliert
Dresden Lokales Was Dresden verliert
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07:34 20.12.2018
Neben Jacken, Taschen und Schirmen wird Fundbüro-Mitarbeitern, wie Anja Naujoks, auch kurioses überreicht: zum Beispiel eine elektrische Heckenschere. Quelle: Tino Plunert
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Dresden

Sachen zu verlieren ist ärgerlich, doch manch verlorene Sachen werfen gleichzeitig kuriose Fragen auf: In der Dresdner Straßenbahn wurde jüngst ein Rollstuhl gefunden, doch der Besitzer hat sich bis heute noch nicht gemeldet. Während der Durchschnittsdresdner Autoschlüssel, Handschuhe und Regenschirme vergisst, verlieren einige Dresdner unterwegs zum Beispiel eine elektrische Heckenschere, ihr Gebiss oder direkt eine ganze ausklappbare Massageliege.

Rund 5400 Fundsachen lagern aktuell im Dresdner Fundbüro an der Theaterstraße. „Im gesamten Jahr wurden rund 12 500 gefundene Gegenstände abgegeben“, berichtet Nora Jantzen aus dem Dresdner Ordnungsamt. Ehrliche Finder fanden in Dresden auch drei Zahnprothesen. Auf welchem Weg die Besitzer ihre künstlichen Gebisse verloren, ist aber unklar.

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Nur wenig wird von den Besitzern abgeholt

Nur 20 bis 25 Prozent der Sachen werden innerhalb der Frist von sechs Monaten abgeholt. 2017 konnten 18 Prozent der Fundsachen an den Besitzer zurückgegeben werden. Auch ein Koffer voller Dessous wartet aktuell noch auf seinen Eigentümer.

Vier Mitarbeiter nehmen die Fundsachen an, katalogisieren sie und ordnen sie in Regale. „Bei Portemonnaies kontaktieren wir wenn möglich die Besitzer“, sagt Fundbüro-Mitarbeiterin Anja Naujoks, Ausweisdokumente müssen die vergesslichen Dresdner dann aber bei der zuständigen Behörde abholen. Und manchmal werfen auch Geldbörsen Rätsel auf. Mit 800 Euro in Bar muss jemand durch Dresden gelaufen sein und hat ausgerechnet dann sein Portemonnaie verloren – darin fand sich auch kein einziges Ausweisdokument.

In Bus und Bahn wird viel verloren und gefunden

Der Ort an dem in Dresden am meisten verloren und gefunden wird sind Straßenbahnen und Busse. „Rund 75 Prozent der Fundsachen stammen von den DVB“, berichtet Naujoks. Jeden Morgen liefern die DVB-Mitarbeiter vier Kisten voller Kleidung, Regenschirme, Geldbörsen, Schlüssel und sonstigen Fundsachen ab. „Auch aus der Altmarktgalerie und der Slub kommen viele Fundsachen“, erklärt Jantzen. Im Gedränge und vom Glühwein angeheitert hat auch das Verlieren auf dem Striezelmarkt Konjunktur. Bisher wurden 40 Gegenstände von ehrlichen Findern an das Fundbüro übergeben.

Rund 100 Schlüssel pro Monat werden gefunden – und oft nicht abgeholt. Quelle: Tino Plunert

Ein ganzes Regal voller Schlüsselbunde – pro Monat werden rund 100 gefundene Schlüssel abgegeben. Doch nur selten abgeholt. „Viele sind überrascht, dass ihre verlorenen Sachen abgegeben wurden“, berichtet Jantzen. „Wer seinen Schlüssel abholen will, muss einen Zweitschlüssel vorzeigen“, sagt Naujoks.

Betrüger versuchen Finderlohn zu bekommen

Die Aushändigung der Fundsachen erfolgt gegen eine Verwaltungsgebühr. Wenn der Finder einen Finderlohn geltend macht, muss der Besitzer auch diesen entrichten.

Rechte und Pflichten

Wer eine verlorene Sache findet, die mehr als 10 Euro wert ist, muss laut Gesetz den Fund melden.

Hat sich sechs Monate nach der Anzeige des Funds bei der zuständigen Behörde, wie dem Fundbüro, kein Besitzer gemeldet, geht der Fund in das Eigentum des Finders über.

Der Finder hat nach Paragraf 971 des BGB Anspruch auf Finderlohn. Dieser bemisst sich nach dem Wer des Gegenstands. Bis 500 Euro erhält der Finder fünf Prozent.

Bei einem höherem Wert oder einem gefundenen Tier, erhält er drei Prozent.

Den Finderlohn hätten sich in der Vergangenheit auch schon Betrüger zu Nutze gemacht, berichtet Jantzen. Bei der sogenannten Buntmetallmasche wenden sich Betrüger an einen Passanten und geben vor einen Goldring gefunden zu haben, der aber nur ein billiges Imitat ist. Sie bitten den Passanten, den Ring im Fundbüro abzugeben und ihnen aber schon jetzt den Finderlohn auszuhändigen, den sie dann im Fundbüro bekommen würden. Der Haken: Das Fundbüro selbst verlangt nur Finderlohn, wenn der Finder das wünscht und der Besitzer muss sich melden und diesen zahlen.

Sechs Monate werden die Fundsachen im Büro aufbewahrt. Danach werden sie versteigert oder gespendet. Die nächste Versteigerung findet am 26. Februar statt um 17 Uhr im Plenarsaal des Rathauses statt.

Das Fundbüro an der Theaterstraße 13 Dienstags und Donnerstags von 9-12 sowie 13-18 Uhr geöffnet.

Von Tomke Giedigkeit